Wiedersehen nach acht Jahren
Brasilien will Schmach von Paris wiedergutmachen

In Brasilien hadert man immer noch mit der Niederlage im WM Finale 1998 gegen Frankreich. Heute bietet sich der "Selecao" im Viertelfinale der WM 2006 die Chance auf Revanche gegen die "Equipe Tricolore".

Der Viertelfinalpartie der WM 2006 zwischen Brasilien und Frankreich fehlt es nicht an Brisanz, denn schließlich lautete so bereits das Finale der WM 1998. Damals überraschte Frankreich die Fußballwelt und bezwang den haushohen Favoriten Brasilien mit 3:0. Daher dürften die "Canarinhas" heute (21.00 Uhr/live bei Premiere und im ZDF) auch auf Rache sinnen.

"Ob man will oder nicht, das Spiel steckt noch in den Köpfen drin", sagt Brasiliens Technischer Koordinator Mario Zagallo, der vor acht Jahren in der französischen Hauptstadt auf der Trainerbank saß. Und so warnt Kapitän Cafu vor zu deutlich ausgeprägten Rachegefühlen: "Wenn wir auf den Platz gehen und an Revanche denken, werden wir vorzeitig nach Hause fahren."

Thuram will wieder träumen

Die "Equipe Tricolore" hofft derweil auf die lähmende Wirkung der Erinnerung an die Schmach von Paris und macht aus ihren Siegesambitionen keinen Hehl. Rekord-Nationalspieler Lilian Thuram erinnert sich: "Die Weltmeisterschaft 1998 war ein einziger Traum, von der Busfahrt zum ersten Vorrundenspiel bis zur Siegesfeier nach dem Finale. So etwas möchte ich noch einmal erleben."

Für seinen Trainer Raymond Domenech wäre das keine Sensation. "Wir sind kein Außenseiter und wollen Geschichte schreiben", formuliert der 54-Jährige betont optimistisch. Am meisten beeindruckt hat ihn bislang die Effektivität der "Selecao": "Gegen Ghana haben sie nicht so gut gespielt, aber 3:0 gewonnen. Solch ein Ergebnis für uns würde ich nach jedem Spiel sofort unterschreiben."

Dass die Franzosen bislang eine solche Effizienz vermissen ließen, hängt laut Zagallo mit dem Auftreten von Zinedine Zidane zusammen. "Er ist immer noch das Hirn der Mannschaft, aber er ist älter und langsamer geworden", urteilt der Weltmeister von 1958.

Henry: "Die Brasilianer haben eine Ball-Kultur, die es bei uns nicht gibt"

An Explosivität und Tempo hat seit 1998 allerdings auch Ronaldo verloren, auch wenn der 29-Jährige mit jetzt insgesamt 15 Treffern zum erfolgreichsten WM-Torschützen aller Zeiten avanciert ist. Doch abschreiben will ihn sein französischer Stürmerkollege Thierry Henry auf keinen Fall: "Ronaldo und auch die anderen Brasilianer haben eine Ball-Kultur, die es so bei uns in Frankreich nicht gibt. Seine Tore sind nach wie vor kein Zufall."

Die Voraussetzungen für ein Match auf allerhöchstem Niveau sind eigentlich gegeben, denn sowohl Domenech als auch Brasiliens Coach Carlos Alberto Parreira können personell aus dem Vollen schöpfen. Zidane meldete sich nach eintägiger Trainingspause ebenso einsatzfähig wie Emerson und Kaka, die jeweils einen Schlag auf den rechten Fußknöchel bekommen hatten.

Domenech: "Sind von den Schiedsrichtern nicht gerade bevorteilt worden"

Und auch die Ansetzung des spanischen Schiedsrichters Luis Medina Cantalejo durch den Weltverband Fifa hat den Puls der Franzosen nicht in die Höhe schnellen lassen. Domenech: "Bislang sind wir von den Schiedsrichtern nicht gerade bevorteilt worden, aber irgendwelche Unterstellungen wären unfair." Seine Mannschaft hatte ihr Achtelfinalspiel in Hannover gegen Spanien mit 3:1 gewonnen.

© SID

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