„Wir sind auf dem Weg ins Finale“
England am Boden, Portugal obenauf

Nach dem Aus im WM-Viertelfinale weinen die Engländer bittere Tränen. "Das tut so unglaublich weh", klagte Englands Coach Sven-Göran Eriksson. Die siegreichen Portugiesen träumen hingegen vom ganz großen Wurf.

Und wieder sind Englands WM-Träume nach einem denkwürdigen Elfmeterschießen geplatzt. 40 Jahre nach ihrem einzigen WM-Triumph versagten den Stars aus dem Fußball-Mutterland wie so oft die Nerven: Portugals Torhüter Ricardo wehrte als erster Schlussmann in der WM-Geschichte drei Versuche in einem "Shootout" ab und führte den Vize-Europameister nach 1966 wieder in ein WM-Halbfinale. Nach einer Nullnummer über 120 Minuten gewann Portugal die Entscheidung vom Punkt mit 3:1 - und stürzte England in ein Tal der Tränen.

"Das tut so unglaublich weh. Wir haben so viele Elfmeter geübt. Ich weiß nicht, was man sonst noch hätte tun können. Wir haben es einfach nicht verdient, dieses Spiel zu verlieren", sagte Trainer Sven-Göran Eriksson nach dem Viertelfinale in Gelsenkirchen, seinem letzten Spiel auf der englischen Bank. Für den Schweden und sein Team wiederholte sich der Albraum von 2004, als die "Three Lions" bei der EM ebenfalls in der Runde der letzten Acht an Gastgeber Portugal gescheitert waren. "Uns blutet das Herz, aber wir werden es überstehen", sagte Kapitän David Beckham, der bereits in der 52. Minute angeschlagen vom Feld ging.

Wie vor zwei Jahren war Ricardo der Held der Iberer. Der 30-Jährige von Sporting Lissabon wehrte nach torlosen 120 Minuten die Elfmeter von Frank Lampard, Steven Gerrard und Jamie Carragher ab und wurde nach dem goldenen Schuss von Ronaldo von seinen Mitspielern regelrecht erdrückt. "Ich habe alles gegeben wie beim letzten Mal", sagte der Keeper, der 2004 einen Elfer pariert und den entscheidenden selbst verwandelt hatte. Danach war er als "Ricardo Löwenherz" gefeiert worden.

"Auf dem Weg ins Finale"

"Wir sind auf dem Weg ins Finale", tönte der Matchwinner. Damit würden die Erben Eusebios sogar den Erfolg ihres Idols übertreffen, der die Portugiesen 1966 als Torschützenkönig auf Platz drei geführt hatte. Für Eusebio ist schon jetzt "der größte Moment der portugiesischen Fußball-Geschichte" erreicht.

Während sich die Sieger von den 10 000 Landsleuten in der Gelsenkirchener WM-Arena feiern ließen, hockten David Beckham und Co. im Mittelkreis - fassungslos und mit Tränen in den Augen. Das Elfmetertrauma hatten sie wieder nicht besiegt: Schon bei der WM 1990 und der EM 1996 gegen Deutschland, der WM 1998 gegen Argentinien und vor zwei Jahren gegen Portugal hatten sie vom ominösen Punkt aus versagt.

Als seine Teamkollegen versuchten, sich gegenseitig zu trösten, war Wayne Rooney schon längst verschwunden. Der Jungstar hatte in der 62. Minute nach einer Tätlichkeit gegen Ricardo Carvalho Rot gesehen. Ausgerechnet dem Spieler, der ihm 29. April in der englischen Premier League den Fuß gebrochen hatte, trat er vor den Augen von Schiedsrichter Horacio Elizondo aus Argentinien in den Unterleib. "Das war keine Rote Karte", meinte Gerrard: "Mit elf gegen elf hätten wir gewonnen."

Schon vor zwei Jahren hatte Rooney das Ende gegen Portugal nicht erlebt: Damals war der Stürmer von Manchester United mit einem gebrochenen Fuß schon früh ausgeschieden. Vor 52 000 Zuschauern in Gelsenkirchen ereilte den 20-Jährigen dasselbe Schicksal wie 1998 David Beckham. Englands Fußball-Popstar war im Achtelfinale gegen Argentinien mit Rot vom Platz geschickt und später in der Heimat zum Sündenbock gemacht worden. Auch diesmal erlebte der 31-Jährige das bittere Ende nur als Zuschauer: Schon nach 52 Minuten musste der Kapitän entkräftet und angeschlagen vom Feld.

Figo entkräftet raus

Auch ohne Rooney bot England in Unterzahl den Portugiesen einen großen Kampf, der selbst den gegnerischen Trainer beeindruckte. "Wir müssen auch den Engländern gratulieren. Sie haben mit zehn Mann ein unglaubliches Match geliefert", sagte Luiz Felipe Scolari, der seine persönliche Erfolgsserie gegen die "Three Lions" weiter ausbaute: Nach dem 2:1-Sieg im WM-Viertelfinale 2002 mit dem späteren Weltmeister Brasilien hatte der Coach auch vor zwei Jahren in Lissabon mit Portugal triumphiert.

Auch damals hatte Portugals Star Luis Figo die Entscheidung vom Elfmeterpunkt nur von der Seitenlinie verfolgt. Diesmal nahm Scolari den 33-Jährigen kurz vor Schluss der regulären Spielzeit vom Platz, weil er mit seinen Kräften am Ende war. So fehlten den Iberern in der Verlängerung trotz nummerischer Überlegenheit die Ideen, um das englische Abwehrbollwerk zu knacken.

© SID

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