Wirbel um Ballack
Bierhoff greift Chelsea an

dpa KÖLN. Michael Ballack wird auch beim Länderspiel gegen Rumänien fehlen, trotzdem sorgen die Beziehungsprobleme zwischen dem verletzten Kapitän und dem FC Chelsea weiter für großen Wirbel im Lager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Als DFB-Ausrüster adidas einen seit Wochen geplanten Werbespot mit seinen Nationalmannschafts-Werbefiguren drehen wollte, fehlte nach einer erst in allerletzter Minute erteilten Erlaubnis des englischen Clubs ausgerechnet Hauptdarsteller Ballack.

Vorausgegangen war - nur eine Woche nach dem Wirbel um die Nichtnominierung Ballacks für die Champions League - eine Posse, die im Hintergrund Züge eines Machtkampfes vermuten lässt. Jedenfalls übte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff in Köln scharfe Kritik am derzeitigen Umgang des FC Chelsea mit Ballack. „So verfährt man nicht mit einem deutschen Nationalspieler, auch nicht mit dem Kapitän der Nationalmannschaft, der international hohes Ansehen hat“, sagte Bierhoff. Auch das Verhalten gegenüber dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Sportartikel-Hersteller adidas, der auch Chelsea ausrüstet, rügte Bierhoff in scharfem Ton: „Es ist nicht in Ordnung, dass sie so mit uns und auch mit ihrem Partner adidas verfahren. Anscheinend hat der Verein andere Methoden.“

Ballack war aus dem Nationalmannschafts-Quartier in Köln abgereist, weil bis dahin kein grünes Licht von Chelsea für den Drehtermin im „Schlosshotel Lerbach“ in Bergisch Gladbach vorgelegen hatte. Man habe ein Fax von der Assistentin des im Urlaub befindlichen Chelsea-Geschäftsführers Peter Kenyon erhalten, „dass der Verein nicht die Freigabe erteilt“, berichtete Bierhoff. Daraufhin sei der 30-jährige Ballack „richtigerweise“ nach London zurückgeflogen, „weil er dort keinen weiteren Streit forcieren wollte“, wie Bierhoff erzählte.

Tags darauf überschlugen sich dann die Ereignisse. Nach Gesprächen auf höchster Ebene zwischen den Geschäftspartnern Chelsea und adidas stimmte der Club doch noch Ballacks Teilnahme zu. Ein vom Herzogenauracher Unternehmen in London bereitgestellter Learjet nahm den Mittelfeldspieler dennoch nicht an Bord, um ihn wieder zurück nach Deutschland zu fliegen. Adidas übermittelte dafür folgende Begründung: „Selbstverständlich haben wir uns um die Teilnahme von Michael Ballack bemüht. Da für uns die Gesundheit der Spieler höchste Priorität genießt, haben wir uns in Absprache mit allen Beteiligten jedoch dazu entschieden, Michael die Möglichkeit zu geben, sein Reha-Programm in London fortzusetzen.“

Somit mussten am Ende Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger, Kevin Kuranyi, Bernd Schneider, Per Mertesacker und Stefan Kießling ohne Hauptdarsteller Ballack vor der Kamera posieren. Im Mittelpunkt des neuen Spots, der Mitte November vorgestellt werden soll, steht neben den Spielern das Trikot der deutschen Elf für die EM-Endrunde 2008 in Österreich und der Schweiz.

Das Hickhack um den Werbe-Dreh heizt die Spekulationen um das Verhältnis zwischen Ballack und Chelsea weiter an. Wie es weitergeht, hängt vor allem von Ballacks Gesundheit ab. Nach zwei Operationen am Sprunggelenk ist auch für den Nationalspieler selbst der Zeitpunkt seines Comebacks auf dem Fußballplatz derzeit ungewiss. „Ich kann keine Prognose abgeben“, hatte er in Köln erklärt.

Die sportliche Leitung der Nationalmannschaft um Bundestrainer Joachim Löw steht weiterhin fest zu ihrer wichtigsten Führungskraft. Nach Ansicht von Bierhoff hat sich der Mittelfeldspieler seit seinem Wechsel nach England vor einem Jahr sogar nochmals weiterentwickelt. „Er ist noch mehr Mannschaftsführer geworden, er spielt noch intensiver, schneller und zeigt noch mehr Laufbereitschaft. Er ist in seiner Zeit gewachsen.“

Mit einer raschen Nationalmannschafts-Rückkehr Ballacks schon bei den EM-Qualifikationsspielen im Oktober gegen Irland und Tschechien rechnet man im DFB-Lager aber eher nicht. Selbst wenn Ballacks Fuß bald wieder voll belastbar sein sollte, würde es bis zur vollen Leistungsfähigkeit noch weitere „drei, vier, fünf Wochen dauern“, prognostizierte Team-Manager Bierhoff.

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