Wirtschaftserwartungen zur Fußball-WM
Schmaler Grat zwischen Euphorie und Skepsis

Nicht nur die Fußball-Fans warten gespannt auf den Beginn der Weltmeisterschaft und vor allem auf den Auftritt der deutschen National-Elf. Auch die Wirtschaft drückt kräftig die Daumen: Ein gutes Abschneiden der DFB-Kicker könnte, so hofft man noch, die Kauflust der Deutschen antreiben. Denn ein Wachstumsmotor war das Großereignis bislang nur für wenige Branchen.

HB HAMBURG. Zwei Wochen vor der Fußball-Weltmeisterschaft macht sich bei der deutschen Wirtschaft neben Euphorie auch Skepsis breit. Zwar will jeder ein besonders großes Stück vom Fußball-WM- Kuchen und setzt auf höhere Umsätze. Doch es gibt auch Zweifel am Mythos, das Großereignis sei für die Branche ein Wachstumsmotor.

Unter den Skeptikern ist etwa das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. In einer aktuellen Studie bewerten die Forscher die WM als "wichtiges sportliches und kulturelles Ereignis - aber ohne nennenswerte gesamtwirtschaftliche Auswirkungen". Zwar dürfte die WM den Kauf von Elektro- und Sportartikeln ankurbeln, heißt es. "Ein Anstieg des privaten Konsums insgesamt ist aber nicht zu erwarten." Die Investitionen in Stadien und Verkehrswege seien über Jahre verteilt und für spürbare gesamtwirtschaftliche Effekte zu gering gewesen. Und auch das zusätzliche Geschäft durch ausländische WM-Besucher dürfe nicht überschätzt werden - denn möglicherweise reisten andere Touristen wegen des Spektakels nicht nach Deutschland.



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Auch andere Volkswirte und Wirtschaftsinstitute sind wenig euphorisch. "Bei den ökonomischen Erwartungen ist es wie mit der Hoffnung auf unsere Nationalmannschaft: Man darf sie nicht zu hoch ansetzen", sagt Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Großbanken haben berechnet, dass eine WM genauso wie Olympische Spiele nur minimale Auswirkungen auf große Volkswirtschaften hat. Volkswirte schätzen den Beitrag des Spektakels zum Konjunkturwachstum zwischen nahezu Null und 0,25 Prozentpunkten ein. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag erwartet beim Bruttoinlandsprodukt 2006 einen WM-Aufschlag von 0,33 Prozentpunkten.

Einzelne Branchen haben dennoch Grund zum Jubeln: Der Verkauf von Flachbildschirmen, die die Wohnzimmer in kleine WM-Kinos verwandeln sollen, läuft beispielsweise wie geschmiert. Beim TV-Geräte- Hersteller Loewe kletterte der Umsatz im ersten Quartal kräftig - die Erlöse stiegen um 38 Prozent auf 88,7 Millionen Euro. Im Gesamtjahr rechnet Loewe mit einem Umsatz zwischen 340 und 350 Millionen (Vorjahr: 318 Millionen) Euro. Beim Konkurrenten Philips soll sich der Umsatz von Flachbildfernsehern mehr als verdoppeln.

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