Wirtschaftskrimi
Noch-Eigner torpedieren Übernahme des FC Liverpool

Für den hoch verschuldeten englischen Rekord-Fußballmeister FC Liverpool hat sich ein Käufer gefunden. Der Vorstand der "Reds" stimmte in der Nacht zum Mittwoch einem Angebot des amerikanischen Unternehmens New England Sports Ventures (NESV) zu, dem unter anderem das Baseballteam Boston Red Sox gehört. Dies verkündete der Klub am Mittwoch auf seiner Homepage . Doch zum Aufatmen ist es für die insolvenzgefährdeten "Reds" nach der ersten Erleichterung dann wohl doch zu früh: Die bei Fans verhassten Noch-Eigentümer stellen sich quer und drohen bereits mit einem juristischen Nachspiel.
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HB LIVERPOOL. "Ich bin glücklich, dass wir den langen und intensiven Verkaufsprozess erfolgreich abschließen konnten", sagte Liverpool-Vorsitzender Martin Broughton am Mittwoch. "Der Vorstand hat entschieden, das Angebot von NESV zu akzeptieren. Das Angebot von NESV hat unseren Kriterien am meisten entsprochen. NESV vertritt eine gewisse Gewinnermentalität, das haben sie bei den Boston Red Sox bewiesen." Mit dem Verkauf machen die Reds einen ersten Schritt aus der Krise, die Insolvenz oder eine Verstaatlichung hatten gedroht. Mehrheitseigner von NESV ist der Amerikaner John W. Henry, dessen Privatvermögen auf rund 650 Millionen Euro geschätzt wird. Auch die New York Times hält 17 Prozent an dem Unternehmen, hat diese aber zum Verkauf gestellt.

Der Liverpool-Vorstand habe dem Gebot nach ausführlichen Gesprächen in Boston, London und Liverpool zugestimmt, sagte Liverpool-Vorstandschef Broughton am Mittwoch weiter. "Indem es die Last der Übernahmeschulden nimmt, erlaubt uns das Gebot, uns auf Investitionen in die Mannschaft zu konzentrieren." Einzelheiten zu den Finanzen teilte Broughton nicht mit, tadelte aber das Verhalten der Noch-Besitzer, der US-Unternehmer Tom Hicks und George Gillett. "Sie haben alles versucht, um das Geschäft zu verhindern."

Wie die "Reds" bestätigten, beläuft sich das Angebot von NESV auf 300 Mio. Pfund (346 Mio. Euro) - genug, um die größten Bankschulden und-gebühren von 280 Mio. Pfund (323 Mio. Euro) an die mittlerweile in Staatsbesitz befindlichen Royal Bank of Scotland auszulösen, die Ende nächster Woche fällig sind. Die Übernahme bedarf noch der Zustimmung der englischen Premier League.

Tatsächlich aber spielt sich derzeit an der Anfield Road ein Sport-Wirtschaftskrimi ab, dessen Ausgang am Mittwoch noch unabsehbar war. Denn die beiden amerikanischen Geschäftsleute Tom Hicks und George Gillett, die den Klub vor drei Jahren übernommen haben, wehren sich mit allen Mitteln gegen den Verkauf. Unmittelbar vor der entscheidenden Sitzung hatten sie deshalb versucht, zwei englische Vorstände abzuberufen, um den Deal zu verhindern.

Hicks und Gillett wollten stattdessen kurzfristig zwei Vertraute, darunter einen Sohn von Hicks, im "Board" als Strohmann installieren. Dies schmetterten die drei Briten unter Vorsitz von Broughton jedoch ab. "Diese Angelegenheit ist jetzt Gegenstand einer rechtlichen Überprüfung", teilte der Klub mit. Anschließend entschied sich der Vorstand für den Verkauf an NESV und gegen ein ähnliches Angebot aus Asien.

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