WM 2022
Wie Katar den Fußball in die Wüste schickt

Katar ist nur halb so groß wie Hessen - doch die Ambitionen gehen über alle Grenzen hinaus. Unter allen Umständen sollte die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in die Wüste geholt werden. Dabei geht es nicht um Touristen, sondern um Einfluss.
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KölnHat Katar Funktionäre bestochen, um die Fußball-WM zu bekommen? Jérôme Valcke, der Generalsekretär des Weltfußballverbands Fifa, könnte die Antwort auf den Dollar genau kennen. In einer privaten E-Mail an Fifa-Vize Jack Warner schrieb der Franzose, das Emirat Katar habe die WM 2022 „gekauft“. In dieser Woche bestätigte Valcke die Wortwahl, ruderte aber zugleich ein Stück zurück: Nicht illegale Bestechungshandlungen der Katarer habe er andeuten, sondern deren Finanzkraft loben wollen.

Valcke versucht nicht, witzig zu sein. Er will seinen Kopf retten – nach Art des Hauses. Denn der mächtigste und reichste Sportverband der Welt steht vor seiner Implosion. Konkrete Korruptionsvorwürfe in Bezug auf die WM-Vergaben 2018 und 2022 sowie die zur Farce gewordene Präsidentenwahl erschüttern die Fußballwelt. Die zerstrittenen Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees erheben gegenseitig massive Bestechungsvorwürfe, alte Seilschaften zerfallen, frühere Gelübde des Schweigens bröckeln. Fifa-Präsident Joseph Blatter schreitet dessen ungerührt heute in Zürich seiner Inthronisation für weitere vier Jahre Amtszeit entgegen.

Blatters größter Widersacher, der Katarer Mohamed Bin Hammam, taumelt. Der Chef des asiatischen Fußballverbands AFC hat den Plan, seinen Ex-Verbündeten Blatter zu stürzen, am Wochenende aufgeben müssen. Bin Hammam zog seine Kampfkandidatur gegen Blatter über Nacht zurück, als er bemerkte, sie könnte ein viel höheres Ziel gefährden: die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2022 im reichsten Zwergstaat der Welt – in Katar.

Das Emirat am Golf, nur halb so groß wie Hessen, setzt alles daran, die wichtigsten Events im globalen Sport in die Wüste zu holen. Auch wenn Bin Hammam seinen Machtkampf verloren hat: Katars Aufstieg zu einem der wichtigsten Märkte im internationalen Geschäft mit dem Sport ist nicht mehr aufzuhalten.

Als im Dezember 2010 die Wahl der Fifa-Granden auf das Emirat fiel, reichten die Reaktionen von Kopfschütteln bis Entsetzen. Insider wie Tilman Engel, Chef der Beratung Sport Business Consulting International, waren kaum überrascht: „Ziel der Katarer ist, sich über den Faktor Sport geostrategisch aufzuwerten und auf internationaler Bühne zu positionieren. Diese Strategie ist auf höchster politischer Ebene zementiert.“

Engel ist sich sicher: „Katar wird sich wohl auch um die Olympischen Spiele 2024 bewerben, sobald das IOC den Korridor öffnet.“ Um Touristen gehe es nicht einmal. Der regierende Emir Hamad bin Khalifa Al-Thani, dank Gasexporten mit einem Handelsbilanzüberschuss von mehr als 60 Milliarden Dollar pro Jahr gesegnet, betreibt die politische Emanzipation von der benachbarten Großmacht Saudi-Arabien. „Sport ist für die Führungsschicht ein Vehikel, Geld spielt keine Rolle“, sagt Engel, der zwei Jahre als Direktor des katarischen Fußballverbands tätig war.

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