WM-Auslosung Spanien oder England – Hauptsache Sotschi

Die Auslosung der Vorrundengruppen der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland steht kurz bevor. Deutschland kann eine starke Gruppe erwischen – und hofft auf den wohl sonnigsten Spielort des Turniers.
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Der Ort an der Schwarzmeerküste hat der DFB-Elf gut gefallen. Quelle: dpa
Jubel der Nationalmannschaft im Juni in Sotschi

Der Ort an der Schwarzmeerküste hat der DFB-Elf gut gefallen.

(Foto: dpa)

MoskauIm Kreml ist alles bereit: Die Dekorationen stehen, das unumgängliche Showprogramm ist dutzendfach geprobt und auch die Kugeln wurden schon probehalber gezogen. „Ich bin absolut sicher, dass alles auf höchstem Niveau ablaufen wird. Zweifellos wird allen gefallen, was wir vorbereitet haben“, gibt sich der russische Sportchef Witali Mutko überzeugt. Für den Vizepremier ist die Auslosung eine willkommene Abwechslung zu der schier endlosen Dopingaffäre.

Endlich einmal positive Schlagzeilen: Gary Lineker (hoffentlich mit mehr als nur einer Unterhose bekleidet) und die russische Sportmoderatorin Maria Komandnaja führen als Moderatoren durch den Abend. An die 29-Jährige haben iranische Fans schon im Vorfeld appelliert, sich nicht zu sexy zu kleiden, da sonst das Staatsfernsehen in Teheran die Übertragung abbricht. Die Kugeln selbst werden von namhaften Fußballern gezogen. Für den Gastgeber tritt der sowjetische Fußball-Olympiasieger (1956) Nikita Simonjan an. Daneben sind Uruguays Stürmerstar Diego Forlan sowie die Weltmeister Gordon Banks (England) Laurent Blanc (Frankreich), Cafu (Brasilien), Fabio Cannavaro (Italien), Diego Maradona (Argentinien) und Carles Puyol (Spanien) im Kremlpalast. Laut Mutko ein „historischer Moment“ und eine „emotionale“ Angelegenheit.

Mit Spannung erwartet auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Auslosung. Während Nationalspieler Thomas Müller erklärte, „Spanien oder England muss man nicht in der Gruppe haben“, zeigte sich Bundestrainer Joachim Löw selbstbewusster: „Egal, wie es kommt, nervös werden wir deswegen nicht“. Löw ist zusammen mit Teammanager Oliver Bierhoff persönlich bei der Auslosung in Moskau.

Dass dem DFB überhaupt einer dieser beiden Ex-Weltmeister schon in der Gruppenphase droht, ist den Tricksereien mit der Fifa-Rangliste geschuldet, über die in den vergangenen Tagen schon mehrfach berichtet wurde. Auf diese Weise sind neben dem gesetzten Gastgeber Russland und den anerkannten Fußball-Größen Argentinien, Brasilien, Deutschland, Frankreich und Europameister Portugal auch Polen und Belgien in Lostopf eins gerutscht. Speziell die Polen verzichteten auf ranglistengefährdende Freundschaftsspiele, um aufzusteigen.

Die wohl schwerste Gruppe würde Deutschland mit Spanien oder England bilden, dazu das technisch starke Tunesien und die quirligen Japaner. Theoretisch kann Deutschland stattdessen auch einen dritten Ex-Weltmeister zugelost bekommen: Uruguay befindet sich wie Spanien und England in Lostopf zwei, gilt aber unter Experten als eine leichtere Aufgabe, zumal die Bilanz des DFB gegen Uruguay (acht Siege, zwei Unentschieden, eine Niederlage) ohnehin deutlich besser aussieht als speziell gegen England mit 13 Siegen, sieben Unentschieden und 16 Niederlagen. Wobei die Siege im Elfmeterschießen in dieser Statistik als Unentschieden gewertet werden, aber in den Gruppenspielen kann die deutsche Mannschaft ja nicht auf das Elfmeterschießen setzen.

Die Schauplätze der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland
Moskau
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Mit mehr als zwölf Millionen Einwohnern ist Moskau die größte Stadt Europas und gilt als Machtzentrum Russlands. Zu den wichtigsten Wahrzeichen gehört der Kreml am Roten Platz. Hinter Backsteinmauern lenkt dort Präsident Wladimir Putin die Geschicke des Landes. Moskau hat zwei WM-Stadien: die Arena des Traditionsclubs Spartak sowie das renovierte Luschniki-Stadion, wo Eröffnungsspiel und Finale stattfinden.

Kasan
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Die Hauptstadt der ölreichen Teilrepublik Tatarstan gilt als Beispiel für ein Miteinander der Kulturen – hier stehen Moscheen muslimischer Tataren neben orthodoxen Kirchen christlicher Slawen. Sportliches Aushängeschild der Stadt an der Wolga ist Rubin Kasan.

Sotschi
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Dank der Olympischen Winterspiele unter Palmen wurde der beliebte Badeort mit subtropischem Klima 2014 weltbekannt. Zudem hat Sotschi eine Formel-1-Rennstrecke. Die russische Elite schätzt den Ort am Schwarzen Meer als Feriendomizil.

St. Petersburg
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Zar Peter I. gründete die Stadt 1703 als „Fenster nach Europa“ seines Reichs. Hier ergriffen die Kommunisten 1917 die Macht. Zu Sowjetzeiten hieß die Stadt an der Newa Leningrad. Heute ist die Touristenmetropole die zweitgrößte Stadt Russlands. Das Zentrum ist Unesco-Welterbe und wird wegen seiner malerischen Flüsse und Kanäle auch als „Venedig des Nordens“ bezeichnet.

Jekaterinburg
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Die nach Zarin Katharina I. benannte Stadt am Ural-Gebirge gilt als Tor nach Sibirien. 1918 wurde hier Zar Nikolaus II. mit seiner Familie ermordet. In der Region sind Schwerindustrie und Waffenschmieden angesiedelt. Als prominentester Sohn der Stadt gilt Ex-Präsident Boris Jelzin (1931-2007).

Kaliningrad
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Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Stadt Königsberg der UdSSR zugesprochen. Heute grenzt das westlichste Gebiet Russlands nur an EU-Staaten. Als bekannteste Persönlichkeit der Ostsee-Region zwischen Polen und Litauen gilt der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804).

Nischni Nowgorod
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Die Stadt an der Mündung der Oka in die Wolga war im 19. Jahrhundert ein Konkurrent für Moskau als Handelsdrehscheibe. Ein Sprichwort sagt noch heute: „Moskau ist das Herz Russlands, St. Petersburg der Kopf und Nischni Nowgorod seine Tasche.“

Doch mit dem erklärten Ziel der Titelverteidigung muss sich Deutschland ohnehin jedem Gegner stellen. Für die praktische WM-Vorbereitung ist die Gruppe, in der Deutschland landet, daher noch interessanter. Derzeit schwankt der DFB zwischen einem Mannschaftsquartier in Moskau oder im südrussischen Sotschi.

Beim Confederations Cup in diesem Sommer haben die deutschen Kicker schon gute Erfahrungen mit Sotschi gemacht. Mittelfeldspieler Toni Kroos erklärte schon seine Vorliebe für den subtropischen Schwarzmeerkurort. Sotschi erlaubt es den Kickern zumindest, jede Menge Sonne zu tanken, ist aber nur sinnvoll, wenn die Mannschaft dort auch spielt.

Die Chance dafür gibt es in den Gruppen B, F und G, wobei die Gruppe G aus deutscher Sicht einen spannenden Austragungsort bietet: Das dritte Gruppenspiel findet dort nämlich in Kalingrad, dem ehemaligen Königsberg, statt. Die russische Ostsee-Exklave ist gerade einmal 600 Kilometer von Berlin entfernt und damit auch für deutsche Fans viel leichter zu erreichen als beispielsweise ein Spiel in der Ural-Metropole Jekaterinburg.

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