WM-Bilanz
Die Leere danach

Nun ist es vorbei: Die Fanmeilen werden aufgelöst, die Fahnen verschwinden von den Autos, und die abendliche Portion Fußball im Fernsehen entfällt. Die WM hat über vier Wochen lang den Rhythmus des Landes bestimmt und wird noch lange in Erinnerung bleiben. Auch Handelsblatt.com zieht eine erste Bilanz. In persönlichen Statements haben die Mitglieder der Redaktion aufgelistet, was ihnen ge- oder missfallen hat. Eine Auswahl:

Was mir nach der WM fehlen wird:

  • Die gemütlichen Public-Viewing-Abende,
  • Frauen, die Verständnis für Fußball haben (und sogar Trikot tragen!),
  • mit Fahne und Puschel durch die Stadt schlendern,
  • "Lu-lu-lu- / Lukas Podolski..."-Gesänge,
  • das internationale Flair,
  • Samba-Musik bei Brasilienspielen (und die passenden Tänzerinnnen),
  • Deutschland-Beflaggung, wo immer man auch schaut,
  • Nationalstolz ohne rassistische Hintergedanken,
  • unsere sympathischen Jungs,
  • » das WM-Tagebuch von Lukas Podolski (ich habe jede Folge GELIEBT!!!),
  • Songs von den Sportis und Olli Pocher,
  • britische Fangruppen, die nach dem Ausscheiden Englands in Deutschland-Trikots auf der Fanmeile erscheinen,
  • gut gelaunte Menschen,
  • gute Nachrichten aus Deutschland,
  • gute Nachrichten über Deutschland,
  • die Ruhe in Kneipen und Bars, die keine Spiele zeigten,
  • die leeren Autobahnen während der Spiele,
  • die Emotionen vor, während und nach den Spielen,
  • der Kaiser,
  • die tägliche Übertragung der Pressekonferenz,
  • die Abwesenheit der Frage: "Was mache ich heute Abend?",
  • die Fahnen an den Autos,
  • die Abendunterhaltung,
  • gut gelaunte Mitarbeiter der Deutschen Bahn,
  • die täglichen Rundmails mit Bildern von tollpatschigen Fußball-Fans, attraktiven Spielerfrauen und kuriosen Trainingsmethoden,
  • meine gute Laune vor dem 0:1 im Halbfinale.

Was mir nicht fehlen wird:

  • Nächtliches Rumgehupe,
  • Günter Netzer,
  • Reinhold Beckmann,
  • Sepp Blatter,
  • die lächerlichen Diskussionsrunden im Anschluss an die Spiele (Waldis WM-Club oder Ingolf Lücks Nachgetreten),
  • mit Bier- und Schweißdunst geschwängerte Regionalexpresswaggons,
  • italienische Autocorsi,
  • 94-fach verlangsamte "Emotionszeitlupen",
  • Werbespots mit krampfhaftem Bezug zum Thema Fußball,
  • Bäckereiverkäuferinnen mit zerzausten Deutschland-Perrücken,
  • eine Deutsche Bahn, die noch unpünklicher war als sonst,
  • dummdreiste Versuche von Handel und Industrie, mit aberwitzigen Fußballbezügen ihre artfremden Produkte zu verkaufen, wie etwa Fleischwurst mit Fußballermotiv,
  • der Versuch, meiner Frau die Abseitsregel zu erklären,
  • die Sprüche meines italienischen Freundes nach dem 0:2 im Halbfinale,
  • die banalen Sprüche von angeblichen Fußballexperten,
  • Frauen, die meinen, sich plötzlich für Fußball zu interessieren,
  • chauvinistische Fangesänge a la "Ihr seid nur ein Pizzalieferant, Pizzalieferant, Pizzalieferant" oder "Eine Bombe auf Italien",
  • die Beflaggung der halben deutschen Fahrzeugflotte. Endlich wieder überholen, ohne Angst zu haben, dass die Plastikfahne des Vorderfahrers gleich auf meine Motorhaube knallt,
  • Fragen von Bekannten wie "Waaaaaaas, du guckst das Endspiel nicht? Eeeeeeecht?" Jetzt muss ich keine Angst mehr haben, dass mich jemand beim Komitee antifußballerischer Umtriebe anschwärzt und zum Ausbürgern vorschlägt.
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