WM-Debütant für ersten EM-Sieg euphorisch gefeiert
Ein Sieg für ganz Afrika

Ghana beendet gegen Tschechien endlich die Durststrecke für den Schwarzen Kontinent und beschert den Tschechen nach ihrem Höhenflug gegen die USA eine harte Landung. Beide Teams gehen mit Handicaps in die "Endspiele" um den Achtelfinaleinzug.

KÖLN. Nach der ersten WM-Sensation sackten die Helden unter "Ghana, Ghana"-Sprechchören auf die Knie und reckten die Hände gen Himmel. Zum Karnevals-Hit "Viva Colonia" und "Oh, wie ist das schön?" tanzten die Sieger vor der mit rund 5 000 ghanaischen und mehreren tausend deutschen Fans gefüllten Südtribüne und stimmten mehrfach die La Ola an. Die "Black Stars" hatten mit dem unerwarteten 2:0 (1:0)-Erfolg gegen WM-Mitfavorit Tschechien für die größte Sensation im bisherigen Turnierverlauf gesorgt und sich selbst wieder aussichtsreich ins Rennen um ein Achtelfinalticket zurück geschossen.

"Ich hätte fast geweint, als ich die Sprechchöre gehört habe. So etwas hätte ich nie für möglich gehalten", sagte der überragende Mittelfeldspieler Stephen Appiah noch ganz benommen von der eigenen berauschenden Leistung und den Zuneigungsbekundungen der eigenen und vor allem der vielen deutschen Zuschauer in der mit 45 000 Zuschauern ausverkauften WM-Arena in Köln wenige Minuten nach dem Abpfiff. "Wir wollten zeigen, was der Fußball auf dem afrikanischen Kontinent drauf hat. Wir haben immer an uns geglaubt", frohlockte der Kapitän. Und Asamoah Gyan, der nach gerade einmal 68 Sekunden die Afrikaner in Führung gebracht und damit den Grundstein für den Sieg gelegt hatte, jubelte: "Das ist unsere erste WM-Teilnahme und deshalb ein historischer Moment für Ghana. Ich danke dem lieben Gott, dass ich der Erste war, der ein WM-Tor für unser Land geschossen hat."

Aber es war nicht nur ein historischer Triumph für den WM-Debütanten. Es war die Erlösung für einen ganzen Kontinent, der im bisherigen Turnierverlauf zwar überwiegend gute Kritiken, aber lediglich zwei Pünktchen durch Remis von Tunesien gegen Saudi-Arabien und Angolas am Vorabend gegen Mexiko eingefahren hatte. Jetzt also der erste Sieg - und ein beeindruckender dazu.

Eine harte Landung erlebten dagegen nach dem Höhenflug gegen die USA die Tschechen. Kapitän Tomas Galasek, der nach einer schwachen Leistung schon zur Halbzeit seinen Platz räumen musste fasste die Gefühlslage seiner Mitspieler nach der ernüchternden Niederlage knapp zusammen: "Noch vor einigen Tagen haben wir geträumt. Jetzt sind wir auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden." Und Torwart Peter Cech, der mit einer Weltklasseleistung eine deutlich höhere Niederlage verhindert hatte, stellte frustriert fest: "Das war die schlimmste Niederlage, an die ich mich seit meiner Zeit in der Juniorenmannschaft erinnern kann."

Tatsächlich waren die Osteuropäer gegenüber ihrem souveränen Auftritt beim 3:0 gegen die USA kaum wieder zu erkennen. Vor allem in der Offensive fehlte ohne die Verletzten Koller (Muskelfaserriss) und Baros (Fersenverletzung) die nötige Durchschlagkraft. "Wir hatten keine hundertprozentige Chance und konnten nicht genug Druck nach vorne entwickeln", sagte Pavel Nedved, der sich genau wie der im ersten Spiel überragende Tomas Rosicky in vielen Einzelaktionen aufrieb.

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