WM-Eröffnungsfeier
Fifa bootet Beckenbauer aus

Seit Monaten, gar Jahren rackert sich Franz Beckenbauer für die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland ab, spricht in aller Welt für das Großereignis vor. Doch wenn die WM endlich eröffnet wird, soll der OK-Chef Medienberichten zufolge stumm bleiben. So hat es die Fifa entschieden.

HB HAMBURG. Beckenbauer steht nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" nicht auf der Rednerliste der Eröffnungsfeier zur Fußball-Weltmeisterschaft am 9. Juni in München. Das Protokoll des Weltverbandes Fifa sehe vor, dass lediglich Bundespräsident Horst Köhler und Fifa-Präsident Joseph Blatter bei dem Fest vor dem Eröffnungsspiel Deutschland gegen Costa Rica sprechen dürfen.

Eine Ansprache Beckenbauers, schreibt das Hamburger Nachrichtenmagazin in seiner neuen Ausgabe, soll es nicht geben. Zwischen dem WM-Veranstalter Fifa und den Verantwortlichen für die Eröffnungsfeier sei es am Donnerstag vergangener Woche "zu einem massiven Streit über die Rednerliste gekommen". Bei den vergangenen WM-Turnieren, etwa 1998 in Frankreich und 2002 in Südkorea/Japan, war der Auftritt des OK-Chefs noch selbstverständlich.

Vor allem der WM-Kulturbeauftragte André Heller soll sich laut "Spiegel" über den Verzicht auf Beckenbauer empört haben. Die Fifa erklärte dazu, man äußere sich nicht zu protokollarischen Einzelheiten, Details der Feier seien geheim. Beckenbauer reagierte auf die Nachricht gelassen: Darüber rege er sich nicht auf.

Unter Heller und Beckenbauer zumindest herrscht Einigkeit, was die WM-Eröffnung angeht: Bei ihrem ersten gemeinsamen öffentlichen Auftritt nach Absage der großen WM-Eröffnungsgala ihre Rollen klar verteilt: "Er ist immer der Gescheite, ich immer der Blöde", witzelte Heller, Kurator des Kulturprogramms zur Fußball-Weltmeisterschaft, nach der Deutschlandpremiere des Spektakels "pok ta pok" in Hamburg. Er selbst sei nach wie vor kein Fußball-Experte und empfinde es als "absolut einschüchternd", neben Beckenbauer über das runde Leder reden zu müssen - "wie wenn man neben dem Papst die unbefleckte Empfängnis verteidigen sollte".

WM-Cheforganisator Beckenbauer bewies vor den rund 500 Zuschauern in der "pok ta pok"-Arena ebenfalls Humor. Als Heller erklärte, er wäre zufrieden, wenn die Elf aus Togo das Turnier gewinnen würde, konterte der 60-Jährige: "Ich glaube, er hat wirklich keine Ahnung."

Heller war unterdessen die Enttäuschung über die Gala-Absage durch die Fifa im Januar noch anzumerken. "Es gefällt mit, dass hier das Spielfeld gereinigt wird. Wenn man das noch vor der WM einführen könnte", sagte er in Anspielung auf die damalige Begründung des Weltfußballverbandes. Dieser hatte das Projekt aus Sorge um den Rasen im Berliner Olympiastadion gestoppt.

Der Fifa wollte Heller jedoch "nicht den Triumph gönnen, dass ich wütend werde, deswegen schmunzele ich", meinte der Künstler, der nie mehr für ein sportliches Ereignis tätig sein will. Beckenbauer indessen unterstrich die Bedeutung des WM-Kulturprogramms: "Die Besucher haben es verdient, nicht nur mit Fußball unterhalten zu werden", sagte er in dem von der Wochenzeitung "Die Zeit" initiierten Gespräch. Wenige Stunden zuvor hatten sich Heller und Beckenbauer bei einer Aufzeichnung zur ARD-Talkshow "Beckmann" erstmals seit der Absage wieder gegenüber gesessen.

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