WM-Gastgeber 2018/2022
Tausche Ruhm gegen Freiheit

Die Sehnsucht ist groß, die besten Fußballländer der Welt für das beliebteste Turnier in der Welt zu empfangen: Doch wer am Donnerstag von der Fifa mit der WM-Ausrichtung betraut wird, zahlt womöglich einen hohen Preis. Der Weltfußballverband verlangt Immunität und Werbehoheit.
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BERLIN. Das Ansehen der Fifa in Holland hat in diesem Sommer ernsten Schaden genommen. Auslöser waren ein paar blonde Frauen in knappen Röcken, die sogenannten Bavaria-Babes. Sie hatten sich in Südafrika das WM-Spiel zwischen Holland und Dänemark angesehen, und für zwei von ihnen endete der Stadionbesuch in der Zelle eines südafrikanischen Gefängnisses. Ihr Vergehen: ein Verstoß gegen die Fifa-Marketingregeln. Mit ihren orangefarbenen Röcken hatten sie auf geradezu hinterhältige Weise für eine holländische Brauerei geworben, die nicht zu den Sponsoren des Fußball-Weltverbandes zählt. Und bei solchen Aktionen versteht die Fifa keinen Spaß.

So wie die Holländer keinen Spaß verstehen, wenn ihre Freiheitsrechte eingeschränkt werden. Die Fußballzeitschrift "Voetbal International" wetterte schon im Sommer gegen den Weltverband und seine "diktatorischen Marketingregeln", geißelte zudem die "schamlose Habgier" des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter: "Er bestimmt die Regeln, und die Regeln sind immer zu seinen Gunsten." Das ist insofern bemerkenswert, als die Niederlande (gemeinsam mit Belgien) im Sommer 2018 die WM ausrichten will und sich damit dem Fifa-Regime unterwerfen müsste. Doch der Gedanke, dass ihr Land zu Fifanien werden könnte, bereitet den Holländern zunehmend Sorge. "Wenn die Niederlande die WM bekommen, wird das Kabinett im Sommer 2018 vier Wochen vor König Fußball niederknien müssen", schrieb die "Volkskrant".

Dennoch ist die Sehnsucht groß, die besten Fußballländer der Welt für das beliebteste Turnier der Welt zu empfangen. Und nicht nur die Holländer warten heute darauf, dass ihr Name aus dem Umschlag gezogen wird, wenn Joseph Blatter die Ausrichter der WM 2018 und 2022 verkündet. Weil die Fifa erstmals zwei Ausrichter an einem Tag bestimmt, ist die Vergabe ein wirklich globales Ereignis. Blatter hat daher schon angekündigt: "Der 2. Dezember wird ein großer Tag für den Fußball und für die internationale Politik."

Genau das ist jedoch ein Problem. Dass es eben eher eine politische Entscheidung sein könnte als eine sportliche. Um die WM 2018 hat sich neben England, Holland/Belgien und Spanien/Portugal auch Russland beworben. Im Evaluierungsbericht der Fifa kommt Russland nicht sonderlich gut weg. Von allen Bewerbern um 2018 und 2022 bestehe einzig in Russland ein hohes Risiko beim Verkehrskonzept. Aufgrund seiner Größe benötige Russland für eine WM zuverlässige Flugverbindungen. Die gebe es aber derzeit nicht. Weil 13 der geplanten 16 Stadien neu gebaut werden müssen, sieht das Konzept der Russen hier Investitionen von 3,8 Milliarden Dollar vor. Dass Neubauten bei einer Vergabe für den internationalen Sport auch ein Anreiz sehen können, hat der Zuschlag für Sotschi als Ausrichter der Olympischen Winterspiele 2014 aber ebenso gezeigt wie den entscheidenden Einfluss des russischen Premierministers Putin. Es gewinnt eben nicht immer das beste Konzept.

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