WM-Lied
Deutsche Mannschaft hält dieses Mal dicht

Trällernde Nationalkicker im Vorfeld einer WM haben hier zu Lande eine lange Tradition. Doch die Klinsmann-Elf hat sich dazu entschlossen, das Singen dieses Mal den Profis zu überlassen. Herbert Grönemeyer geht für Deutschland ans Mikro.

HB FRANKFURT/MAIN. Feiner Zwirn statt Trainingsanzüge: Der offizielle Song der Fifa-Fußball-Weltmeisterschaft "Time Of Our Lives" kommt von Il Divo, einem amerikanischen Gesangsquartett, das sich auf ihren Platten-Covern gerne in dunklen Anzügen präsentiert. Die deutsche Nationalelf verzichtet dageben wie schon bei den vorangegangenen zwei Turnieren auf einen eigenen WM-Song - und das trotz einer beachtlichen Tradition.

"Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt", schmetterten 1974 die Mannen um Franz Beckenbauer inbrünstig und wurden später tatsächlich Weltmeister. Es war der erste offizielle Song einer deutschen Nationalmannschaft für ein Großturnier, eingefädelt und produziert von einem gewissen Horst Nussbaum, selbst ein ordentlicher Fußballer, der aber wesentlich erfolgreicher als Musikproduzent unter dem Namen Jack White agierte.

Whites Produktion verkaufte sich gut, aber vier Jahre später stellte man den Kickern mit Udo Jürgens doch lieber einen gestandenen Sänger zur Seite. "Buenos Dias Argentina" gilt als das erfolgreichste Lied in der Geschichte der singenden deutschen Nationalkicker. Auf dem Platz war die WM 1978 dagegen ein Desaster. Als Titelverteidiger schied das deutsche Team in der Vorschlussrunde nach einer schmachvollen 2:3-Niederlage gegen Österreich aus.



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Sportlich ging es bei den beiden nächsten Turnieren mit zwei Vizeweltmeistertiteln wieder aufwärts. Die musikalische Erfolgsgeschichte wurde jedoch nicht fortgesetzt: Weder Michael Schanze mit "Ole Espana" noch Peter Alexander mit "Mexico, mi amor" konnten an den Erfolg von 1978 anknüpfen.

So wurde Udo Jürgens für die WM 1990 reaktiviert. "Sempre Roma" war das Ergebnis, dazu sangen die Nationalspieler unter anderem das lustige "Wir sind schon auf dem Brenner" - in einer Zeit, in der deutsche Elitekicker scharenweise über die Alpen zu italienischen Vereinen strömten.

1994 versuchte man offenbar eine Kurskorrektur: Weg vom Schlager, hin zur Moderne. Besonders glücklich erwies sich das Händchen der DFB-Verantwortlichen bei der Wahl allerdings nicht. Mit Village People engagierte man eine Disco-Band, deren große Erfolge rund 15 Jahre zurücklagen. Und dass Village People zudem eine Band war, die bewusst mit homosexuellen Stereotypen spielte, sorgte nicht nur beim Fußball-Publikum für Irritationen. Teilnehmer der Aufnahmen berichten, dass einige Bandmitglieder ganz offensichtlich Gefallen am deutschen Nationalspieler Maurizio Gaudino gefunden hatten.

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