WM-Macher: Andy Battson, britischer WM-Konsul
Helfer im Dienste ihrer Majestät

Von Kind auf ist Andy Battson eingefleischter Fußball-Fan, seit seinem 18.Lebensjahr steht er im diplomatischen Dienst. Dass er sich nun während der Weltmeisterschaft als britischer WM-Konsul um die Fans von der Insel kümmern darf, ist da nur die logische Konsequenz.

HB BERLIN. Andy Battson ist genau der richtige Jahrgang für einen britischen WM-Botschafter in Deutschland: Er wurde 1966 geboren, im Jahr des legendären WM-Finales im Wembleystadion. Dem Diplomaten ist es egal, ob der Lattenknaller, der den Engländern das 3:2 einbrachte, wirklich drin war. "Wen kümmert das?", sagt er. Aber wie gerne Briten und Deutsche in der Kneipe über Fußball und solche Szenen fachsimpeln, zeigt für ihn, wie sehr sich die Fans beider Länder ähneln - "viel mehr, als man denkt".

Battson trägt ein WM-Fan-Shirt, Jeans und Dreitagebart, er sieht eher nach Pub aus als nach britischer Botschaft. Dabei ist der Londoner im diplomatischen Dienst, seit er 18 ist und war vor Berlin schon in der Karibik und in Indien im Dienste Ihrer Majestät. Die Fußball-Leidenschaft ist älter. Mit fünf Jahren bekam Battson, der im East End aufwuchs, das erste Fußball-T-Shirt von seinem Großvater geschenkt. In seinem Berliner Büro hängt sein persönliches Heiligtum, eine Karte für ein West-Ham-United-Spiel von 1980, daneben Zeitungsartikel und WM-Devotionalien. Bei Hertha BSC ist Battson Stammgast und natürlich trägt er im Olympiastadion eine Clubmütze - er ist einer jener Fans, wie ihn Bestsellerautor Nick Hornby in "Fever Pitch" beschrieben hat.

Seit fast einem Dreivierteljahr ist Battson "Konsul (WM 2006)", so steht es auf seiner Visitenkarte. Er kümmert sich vor allem um die britischen Fans. Mehr als 100 000 könnten zur WM nach Deutschland kommen: "Wahrscheinlich hat England von allen Teams am meisten Unterstützung", glaubt Battson. Er rechnet nicht damit, dass Hooligans das Bild verderben könnten, rund 3500 potenzielle Randalierer seien schließlich registriert und könnten nicht ausreisen.

"Es gibt ein Stereotyp des englischen Fans, das total veraltet ist", klagt Battson. Die ganz große Mehrheit sei friedlich und benehme sich ausgesprochen gut. Viele Frauen, Kinder und ethnische Minderheiten seien unter den Fußballfans. Sorge bereitet ihm nur, dass Hooligans aus anderen Ländern die eigentlich braven Fans anstacheln könnten. Das Motto seiner Landsleute sei aber generell: "We are the party animals, not the animals any more." (Etwa: "Wir können tierisch feiern, benehmen uns aber nicht mehr wie die Tiere.")

England spielt in seiner Gruppe in Frankfurt, Nürnberg und Köln. Battson sieht Chancen, dass sein Team den Titel holt, hält es aber sportlich: "Jeder wird Spaß haben, egal, wer gewinnt." Auch die Royals werden sich wohl nicht entgehen lassen, wenn David Beckham und Wayne Rooney spielen. Mit Prinz William, der fußballverrückt ist, wird fest gerechnet, dass Königin Elizabeth II. selbst kommt, hält Battson aber für eher unwahrscheinlich.

Damit bei der WM vom 9. Juni bis 9. Juli alles glatt läuft, ist ein Team in Deutschland unterwegs und hilft den Besuchern. Derzeit ist eine kleine Taschenbroschüre "Avoiding Penalties" in Arbeit, wie man bei der Reise "Strafstöße" vermeidet. Darin wird dem Fan erklärt, was eine Botschaft kann (einen verlorenen Pass ersetzen, bei den Behörden helfen) und was nicht (die Hotelrechnung bezahlen, ein Verbrechen aufklären). Daneben gibt es eine kleine Deutschstunde, wie man "Bitte" und "Danke" sagt oder auch ganz höflich fragt: "Darf ich mein Zelt in ihrem Garten aufstellen?"

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