WM-Macher: Fredy Charles Huckenbeck, Organistaor von „Frauenkick“
Damit Frau nicht im Abseits steht

Abseits, Viererkette und Mittelfeldraute: Für Frauen, die bei diesen Begriffen nur "Bahnhof" verstehen, naht Rettung. Im Crashkurs rund um den Fußball gibt es auf jede noch so dumme Frage eine Antwort.

HB WANGEN IM ALLGÄU. Fredy Charles Huckenbeck hat ein ehrgeiziges Ziel. "Wir wollen, dass die Damen bei der WM in der ersten Reihe sitzen." Zumindest sollen Frauen nicht im Abseits stehen, wenn die Männer wochenlang nur über Fußball reden, meint der 40-jährige Trainer. Deshalb bietet er in Wangen im Allgäu (Kreis Ravensburg), WM-Gastgeberstadt der Nationalmannschaft Togos, einen ganz besonderen "Kick für Frauen" an: Crashkurse rund um den Fußball nur für die Damenwelt.

Die Kurse sind heiß begehrt. "Die Frauen kommen sogar von außerhalb", erzählt Gästeamtsleiterin Belinda Unger. Im Schnellverfahren lernen die Frauen in Theorie und Praxis alles, was sie schon immer über Fußball wissen wollten. Oder wissen sollten. Denn einige Teilnehmerinnen geben unumwunden zu, dass sie von ihren Männern geschickt worden sind. "Mein Mann hat gesagt, geh da mal hin", sagt Renate (36) lachend, "ich hab ihn wohl mit meinen Fragen genervt." Im Crashkurs aber ist jede Frage erlaubt. Angelika (47) will endlich kapieren, warum sich ihr Mann so furchtbar über den Schiedsrichter aufregen kann. "Irgendwie geht's ums Abseits. Wenn ich nur wüsste, was das genau heißt!"



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Beim "Frauenkick" erfährt sie es. Denn als erstes wird Theorie gepaukt. Auf dem Stundenplan steht die Geschichte des Mannschaftsspiels ebenso wie Freistöße und Eckbälle, gelbe und roten Karten, die Ausrüstung der Spieler und die Aufgaben von Trainer oder Schiedsrichter. Julia (24) kommt aus dem Staunen nicht heraus: "Was, so groß ist das Tor (7,32 Meter breit und 2,44 Meter hoch)! Im Fernsehen sieht das viel kleiner aus." Beim "Kleinen Fußball-ABC" lernen die Frauen, dass maximal drei Spieler eingewechselt werden dürfen, was ein Golden Goal ist, wie groß der Ball sein darf, warum nachgespielt wird, was eine Vierer-Kette ist oder dass der vierte Offizielle "den lässigsten Job" hat.

Berührungsängste mit der Männerdomäne schwinden schnell, wenn die Frauen hören: "Fußball ist eigentlich ein ganz einfaches Spiel, das Runde muss in das Eckige." Mit Feuereifer sind sie bei der Sache. Der Trainer kommt mit seinen Antworten kaum nach. Die Frage "Was ist eigentlich ein Libero?" gibt ihm die Gelegenheit, zu erläutern, dass die deutsche Nationalelf heutzutage auf einen solchen "freien" Spieler verzichtet. Tatjana (31) hat was von einem "Wembley-Tor" aufgeschnappt. Nun will sie endlich wissen, was es damit auf sich hat. "Ein Tor zählt nur, wenn der Ball in vollem Umfang die Torlinie überschritten hat", erklärt der Trainer den umstrittenen Treffer, der England 1966 den WM-Titel sicherte.

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