WM-Macher: Jörg Radek, Polizei-Gewerkschafter
Die Gefahr lauert in der Peripherie

Die meisten Menschen freuen sich im Vorfeld der Weltmeisterschaft auf den Stadionbesuch oder das gemeinsame Jubeln vor Großbildleinwänden. Die deutsche Polizei kann diese Vorfreude nicht wirklich teilen - schließlich müssen fast alle die Ordnungshüter während der WM Dienst schieben.

HB BERLIN. Nur kurz flackert die Leidenschaft bei Oberkommissar Jörg Radek auf. "Ich bin bekennender Bayern-Fan", murmelt er dann. Seit rund zwei Jahren kann der 46-jährige Niedersachse nun sein Hobby Fußball mit seinem Beruf verknüpfen: Er kümmert sich als Vorstandsmitglied der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin seit 2003 um die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Deutschland. "Das wird der größte Einsatz für die Polizei, nicht zu vergleichen mit der Bundesliga", sagt er.

In der Tat sieht die vorläufige WM-Planung einen Dauereinsatz der Beamten bereits ab Mitte Mai vor. Der gesamte Polizeiapparat einschließlich der Spezialkräfte wird wegen der Gefahr von Ausschreitungen mit einer Urlaubssperre belegt, die tägliche Einsatzdauer wahrscheinlich von acht auf zwölf Stunden erweitert. "Das wird eine irre Belastung für die Beamten", befürchtet Radek. Die Grenze ist erreicht, viel darf dann nicht mehr passieren.

Die GdP wird sich in dieser Zeit ganz besonders um ihre Mitglieder kümmern müssen. So sind Besuche vor Ort geplant, Kaffee und Getränke werden verteilt, berichtet Fußball-Fan Radek. Auch sollen die Polizisten die Möglichkeit erhalten, die Spiele nach dem Einsatz wenigstens in einer Zusammenfassung zu sehen. Denn wer vor dem Stadion die Fans kontrolliert, kann das Match natürlich nicht verfolgen. Außerdem ist eine Telefon-Hotline geplant, um den schnellen Kontakt zu ermöglichen, etwa bei Problemen mit den Unterkünften oder der Versorgung.

Die Spielorte selbst erscheinen dem Experten als das geringste Problem. In den Stadien werde nichts passieren, "das wird eine sichere Operettenveranstaltung", betont der Vater zweier Kinder und bedauert zugleich, dass es so schwer war, an Karten heranzukommen. Er selbst müsse ohnehin arbeiten, fügt Radek hinzu. Die Peripherie macht dem GdP-Vorstand viel mehr Sorgen. So müssen auch die Anfahrtswege der Mannschaften von ihren Quartieren in die Stadien entsprechend beobachtet werden. Und dann gibt es noch in fast jeder Stadt die Public Viewings, die Partymeilen. "Die Fanmeilen und die Großbildleinwände sind das Problem", sagt Radek. Mehr als 100 Genehmigungen für kommerzielle Veranstalter dürften bundesweit erteilt werden.

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