WM-Macher: Jürgen Görling, Versicherer
Nur der Totalausfall ist nicht versichert

Iran-Krise und Islamisten-Terror, Vogelgrippe und Verkehrsunfälle, Stadion-Panik und Sicherheitslücken - vieles kann theoretisch schief gehen bei der Fußball-WM in Deutschland und eine Menge Geld kosten.

HB HAMBURG. Jürgen Görling hat die Versicherungen für die WM mit der Fifa und dem Organisationskomitee (OK) abgeschlossen, und die Risiken schrecken ihn nicht. "Es gab vor jeder WM außergewöhnliche Ereignisse, die das Risiko zeigten", sagt der Chef der Sport-Tochter der Versicherung Hamburg-Mannheimer. "Am Ende war es immer ein gutes Geschäft."

Der 60-jährige Görling hat alle Weltmeisterschaften seit 1974 versichert; erst für die Albingia, die mittlerweile im Axa-Konzern aufgegangen ist, dann für die Hamburg-Mannheimer. "1978 in Argentinien herrschten fast bürgerkriegsähnliche Zustände durch Tupamaros", erinnert er sich. "1982 in Spanien war die baskische Terrororganisation ETA noch viel aktiver und 1986 wurde Mexiko nur wenige Monate vor der WM durch ein starkes Erdbeben erschüttert." Das Turnier ging immer glatt über die Bühne und blieb - anders als die Olympischen Spiele - vom Terror ebenso verschont wie von politischen Boykottmaßnahmen. "Diese Veranstaltung ist so groß und so wichtig, dass die Austragungsländer sich alle nur erdenkliche Mühe geben, um vor der ganzen Welt einen guten Eindruck zu machen", sagt Görling.

Der Versicherungsmanager leitet mit einem kleinen Team das gesamte Sportgeschäft der Hamburg-Mannheimer. "Das große Geld ist im wesentlichen im Fußball" sagt Görling. Die wirtschaftlichen Dimensionen der Weltmeisterschaften sind mittlerweile so groß geworden, dass die Versicherung des Ereignisses schwierig wird. Die hohen Rendite-Erwartungen der Unternehmen, die sich die gewaltigen Risiken teilen würden, führen zu hohen Prämien. Das OK hat fünf Millionen Euro Prämie bezahlt, um eine Verschiebung oder Verlegung der WM finanziell abzusichern. Dann muss Görlings Unternehmen bis zu 158 Millionen Euro zahlen - rund 20 Mal so viel wie bei der Fußball- WM von 1974 in Deutschland.

Mit dem Fußball-Weltverband Fifa hat die Hamburg-Mannheimer dazu eine Reihe von Einzelversicherungen abgeschlossen, so über diverse Unfall-, Rechtsschutz- und Haftpflichtrisiken. Das Risiko des Totalausfalls ist aber, im Gegensatz zu früheren Weltmeisterschaften, nicht mehr versichert. Stattdessen hat die Fifa eine Anleihe für institutionelle Investoren über mehr als 200 Millionen Euro aufgelegt, die nach der WM mit einem guten Zins zurückgezahlt wird - wenn alles gut gegangen ist. Sonst sind drei Viertel von dem Geld der Anleger weg; es handelt sich also um eine Art Wette.

Versichert sind nicht nur die Zuschauer im Stadion gegen Unfälle, der eingesetzte Fuhrpark mit 900 Autos oder die freiwilligen Helfer. Versichert ist auch die goldene Trophäe, die der Spielführer der siegreichen Mannschaft am 9. Juli in den Berliner Nachthimmel heben wird. Geht der Pokal verloren, muss die Hamburg-Mannheimer 350 000 Euro bezahlen. "Aber einen Weltmeister", sagt Görling, "den gibt es trotzdem."

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