WM-Macher: Wolfgang Hochfellner, Busfahrer des DFB-Teams
Statt Traktor fährt er den Bus mit den Stars

Auf dem Weg zum Stadion müssen die meisten Fußball-Fans wohl mit Verkehrsstaus rund um die Arenen rechnen. Es sei denn, man heißt Wolfgang Hochfellner. Dieser Mann hat so gut wie immer freie Fahrt - schließlich transportiert er ein wichtiges Gut.

HB BERLIN. Nur am am 9. Juli würde der Busfahrer des deutschen Teams gern im Stau stehen. "Ich will den Ku'damm ganz langsam runterfahren, mittendrin anhalten, die Türen aufmachen, den Schlüssel wegwerfen und dann mit den Spielern durch die Fan-Menge laufen. Das wäre der größte Traum", sagte Wolfgang Hochfellner. 50 000 Kilometer spult er Jahr für Jahr herunter. Am Donnerstag nahm der 53 Jahre alte Fahrer die Mannschaft in München in Empfang - am Freitag kutschiert er sie in einem fast 13 Meter langen Gefährt mit dem Schriftzug "Für Deutschland - durch Deutschland" in die Münchner WM-Arena.

"Die Jungs spielen gut Fußball und ich versuche, gut Bus zu fahren", beschrieb Hochfellner seinen Teil im Erfolgs-Puzzle von Bundestrainer Jürgen Klinsmanns. Dass er dabei wie die Spieler im Extremfall bis ans Limit gehen muss, darauf ist er gut vorbereitet: Bei einem Sicherheitstraining für Busfahrer lotete er die Grenzen des über 400-PS-starken Gefährts bei einem Schleuderkurs aus.

Im Cockpit des High-Tech-Fahrzeugs mit dem Kennzeichen "B - WM 2006" muss er nicht nur schalten, lenken und bremsen. "Es gibt tausende Knöpfchen, die bedient werden müssen", erklärt der Auto- Freak, der noch von einem Hubschrauber-Führerschein träumt. Sein Bus ist eigentlich ein Etiketten-Schwindel: Außen steht der Name des offiziellen FIFA-Sponsors Hyundai drauf, innen ist Mercedes drin.

Während Lukas Podolski oder Bastian Schweinsteiger ihre WM- Premiere erleben, bringt Hochfellner schon die Erfahrung vom Turnier vor vier Jahren mit; drei Mal war er bei einer EM dabei. "Dass ich irgendwann mal die Nationalmannschaft fahren kann, davon hab ich früher nie geträumt", sagt der 53-Jährige, der den Job durch den Bus- Betrieb der Eltern "in die Wiege gelegt" bekam. "Mein Traumberuf war es nicht, eigentlich wollte ich Landwirt werden." Statt auf dem Acker ist er seit über zehn Jahren mit den Kickern der Nation unterwegs.

"Ich werde mit dem Bus sehr oft von der Polizei kontrolliert", erzählt Hochfellner. Offenbar vermuten die Ordnungshüter hinter den verdunkelten Scheiben immer die Fußballer. "Die sind dann oft ein bisschen enttäuscht, dass keine Spieler drin sind." Eine "Horror- Vorstellung" ist für den bekanntesten Chauffeur der WM-Tage nur der Führerscheinentzug. "Und es geht so schnell: Eine rote Ampel oder ein paar Kilometer zu schnell - das kann jedem so passieren wie Jogi Löw." Der Assistenztrainer ist zur Zeit ohne "Lappen".

Mit den Stars kommt Hochfellner gut aus. Nur einmal gab's Ärger: "Normalerweise fahre ich die Strecke vorher ab. Vor einem Spiel in Augsburg hab' ich das mal nicht getan. Plötzlich kamen wir nicht weiter, die Spieler mussten die letzten paar hundert Meter zu Fuß gehen. Da habe ich mir einen Rüffel eingefangen", erinnert der Fahrer sich ungern. Am Freitag wird das nicht passieren, den Weg vom "Hilton Park" am Englischen Garten in die neue Münchner Arena kennt er genau.

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