WM-OK-Chef sieht offenbar Lehmann vorne
Beckenbauer befürchtet: „T-Frage“ entschieden

Franz Beckenbauer glaubt, dass sich Bundestrainer Jürgen Klinsmann auf seine Nummer 1 im Tor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft bereits festgelegt hat.

dpa BERLIN. Franz Beckenbauer glaubt, dass sich Bundestrainer Jürgen Klinsmann auf seine Nummer 1 im Tor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft bereits festgelegt hat.

"Ich befürchte, ja", sagte der WM- Organisationschef bei einem Termin mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier auf eine entsprechende Frage in Berlin. Mit dem vermuteten Ergebnis ist der "Kaiser" nicht zufrieden. Zwar nannte er keine Namen, aber offenbar geht Beckenbauer davon aus, dass die Wahl nicht auf seinen Favoriten Oliver Kahn, sondern auf Jens Lehmann gefallen ist.

Beckenbauer kritisierte nochmal Klinsmanns Procedere bei der Torwartsuche. "Ich hätte es nicht so getan. Ein Torwart braucht Unterstützung. Torwart und Abwehr, das ist das sensibelste Gebilde im Fußball." Für ihn hätte die Wahl wesentlich früher getroffen werden müssen. "Die Torwartfrage hätte längst entschieden sein müssen", sagte Beckenbauer. Die Diskussion fange jetzt an "zu langweilen".

Der Präsident des FC Bayern lobte Kahn dafür, dass er trotz Blessur beim Bundesliga-Spiel gegen den 1. FC Köln zur Verfügung gestanden hatte. "Es ehrt ihn, wenn er sich stellt. Da gibt es nicht viele Spieler." Allerdings sei er damit auch ein Risiko eingegangen. Es sei bedauerlich, dass sein Fehler in der Partie in einer für die WM-Auswahl entscheidenden Phase passiert sei.

Während Beckenbauer die Entscheidung für gefallen hält, hielt sich DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder mit einer Beurteilung der Lage zurück. "Jürgen Klinsmann hat mir die Tendenz nicht gesagt, ich will sie auch gar nicht wissen", sagte der genesene Verbandschef. Der Bundestrainer will nach eigener Aussage erst Anfang Mai seine Torwart-Wahl für das WM-Turnier treffen und bekannt geben.

Die Chefetage des FC Bayern München macht derweil weiter mit drastischer Wortwahl Stimmung für Kahn. "Ich finde es nicht in Ordnung, wie mit einer Persönlichkeit wie Oliver Kahn umgegangen wird. Das ist Psychoterror. Absoluter Psychoterror", sagte Manager Uli Hoeneß der "Sport-Bild". Klinsmanns Vorgehen nannte er "unverantwortlich". Auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge forderte Klinsmann erneut auf, sofort und nicht erst im Mai eine Entscheidung über seine Nummer 1 zu treffen.

"Er soll jetzt endlich die Hosen runter lassen und sagen: 'Der ist es - und basta!' Die ganze Liga schüttelt doch schon den Kopf", sagte Rummenigge der "Bild"-Zeitung. Der deutsche Rekordmeister sei der "Leidtragende" der Torwart-Diskussion und verlange von Klinsmann deshalb "Klartext". Zuvor hatte bereits Trainer Felix Magath für Kahn Partei ergriffen.

Trotz der fortdauernden Unterstützung ihres Schlussmanns würden die Münchner eine Entscheidung für Jens Lehmann als WM-Torwart aber angeblich ohne Murren hinnehmen. "Wir würden jede Entscheidung akzeptieren, denn Klinsmann hat die Lufthoheit in dieser Sache", sagte Rummenigge. Verstehen könne er einen möglichen Vorzug Lehmanns allerdings nicht. "Aber mich überrascht bei ihm gar nichts mehr", attackierte er Klinsmann.

Klinsmann beobachtet Lehmann beim Auftritt im Champions-League-Viertelfinale mit dem FC Arsenal bei Juventus Turin. Der Schlussmann der Londoner ist nach dem Ausscheiden von Bayern München und Werder Bremen im Achtelfinale der letzte verbliebene deutsche Profi im höchsten europäischen Fußball-Wettbewerb.

Nach einer repräsentativen Umfrage des TV-Senders "n-tv" geht die Mehrheit der Fußball-Interessierten Deutschen weiterhin davon aus, dass sich Klinsmann für Kahn entscheidet. 55 Prozent sagten, der Bundestrainer werde den Bayern-Torwart auswählen, 37 Prozent sehen demnach Lehmann in Klinsmanns Gunst vorne.

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