WM-OK-Präsidentin Steffi Jones: „Frauen-Fußball ist ein Premiumprodukt“

WM-OK-Präsidentin Steffi Jones
„Frauen-Fußball ist ein Premiumprodukt“

Steffi Jones hat für die im Sommer anstehende Frauen-Fußball-WM in Deutschland große Ziele: Die Organisationschefin will nicht nur den Sport populärer, sondern auch zum wirtschaftlichen Erfolg machen. Im Interview verteidigt sie die angesetzten Ticketpreise und spricht über das Risiko eines finanziellen Flops sowie ihre persönliche Zukunft nach der WM.

Handelsblatt: Frau Jones, in 80 Tagen beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen. Sie haben gesagt, dass Sie mit dieser WM Geschichte schreiben wollen.

Steffi Jones: Wir möchten Frauenfußball-Geschichte schreiben - mit unserem ganz eigenen Profil.

Auch in finanzieller Hinsicht?

Ja, die bisherigen Turniere waren Zuschussgeschäfte für die Ausrichter. Das soll es nach Möglichkeit für den DFB nicht werden. Aber wir haben nur zwei Refinanzierungsmöglichkeiten: die Sponsorengelder mit 24 Millionen Euro und den Ticketverkauf. Einnahmen durch Fernsehgelder gibt es nicht.

Das Turnier kostet 51 Millionen Euro. Was sind die größten Posten?

Das Ticketsystem und die dazugehörige Logistik. Mit rund drei Millionen Euro ist die visuelle Kommunikation der zweitgrößte Posten. Wir verwandeln die neun Stadien in den Look der WM, schildern neu aus, dekorieren um.

Das Interesse ist eher gering - erst 515.000 von 950.000 Tickets wurden verkauft.

Viele Menschen in Deutschland werden erst jetzt auf die WM aufmerksam. Denn die Sponsoren starten jetzt erst ihre Werbespots, die Medienpartner im Radio und Fernsehen ihre Kampagnen, und ab jetzt steht auch endlich die Deutsche Nationalmannschaft im Fokus. Der eigentliche Hype beginnt.

Hype? Immerhin kosten die Tickets zwischen 30 und 200 Euro. Finden Sie das für Frauenfußball angemessen?

Absolut. In der Frauen-Bundesliga kostet eine Karte zwischen fünf und 15 Euro. Aber das hier ist eine WM. Klar, der Spagat zwischen familienfreundlichen Preisen und professioneller Vermarktung ist nicht leicht. Am Ende war es eine Mischkalkulation aus Männer-WM, Frauen-Länderspielen und anderen Freizeitangeboten.

Und diese Rechnung geht auf?

Ich lasse es nicht gelten, dass die Tickets zu teuer sind. Frauenfußball ist kein Anhängsel mehr, sondern ein Premiumprodukt. 30 Euro für eine Karte ist nicht zu viel. Wer als Paar ins Kino geht, mit Cola und Popcorn, bezahlt das auch.

Aber einige Spiele werden schlechter sein als ein Topspiel der Frauen-Bundesliga.

Das ist respektlos den Mannschaften gegenüber, die die WM spielen.

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