WM-Quartier: Iran
Politik und Sport werden am Bodensee getrennt

Der Iran ist aufgrund der antiisraelischen Aussagen seines Präsidenten zuletzt ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. In Friedrichshafen will man seinen Gästen dennoch freundlich begegnen und alles dafür tun, dass diese sich in Deutschland wohl fühlen.

HB FRIEDRICHSHAFEN. Die letzten Vorbereitungen in Friedrichshafen sind angelaufen, um der iranischen Nationalmannschaft optimale Trainingsmöglichkeiten zu bieten: Im Zeppelin-Stadion legt der Platzwart besonderes Augenmerk auf den Rasen, um das Grün "fit zu machen", wie eine Sprecherin der Stadt Friedrichshafen erklärte. Die iranische Nationalmannschaft steht wegen des jüngsten Streits um das Atomprogramm besonders im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die Fußballer aus Persien wollen voraussichtlich Anfang Juni an den Bodensee kommen. Politik und Sport müsse getrennt werden, sagte die Sprecherin der Stadt. Oberbürgermeister Josef Büchelmeier betonte, der Sport sei ein gutes Mittel, um Menschen verschiedener Kulturen miteinander zu verbinden.

Die Forderung des israelischen Botschafters in Deutschland, Schimon Stein, die Mannschaft wegen der antiisraelischen Ausfälle des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad in letzter Minute von der WM auszuladen, wird wohl keine Chance haben. Und wenn Ahmadinedschad die Sportler möglicherweise besuchen will, kann ihn praktisch keiner darin hindern. Angesichts der fundamentalistischen Parolen aus Teheran und dem angeheizten Atomkonflikt sprach sich Bayerns Innenminister Günter Beckstein dafür aus, die Einreisebestimmungen für iranische Fans zu verschärfen.



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Die Fans sind nach Einschätzung von Sicherheitskreisen nicht das größte Problem, sondern eher der Schutz der Mannschaft vor möglichen Anfeindungen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind etwas höher als bei anderen Mannschaften, berichtete ein Polizeisprecher, ohne konkrete Einzelheiten zu nennen. Die Polizei werde mit mehr Kräften im Einsatz sein und habe deshalb Verstärkung angefordert, um das Mannschaftsquartier und das Trainingsgelände zu sichern. Bereits im Jahr 2004 hatten die Iraner sich eine Woche in Friedrichshafen auf den Asien-Cup vorbereitet. Damals schlenderten die Spieler zu Fuß vom Hotel zum Trainingsgelände zum örtlichen Sportplatz. "Da konnten sie hinjoggen, ohne dass sie behelligt wurden", sagte der Polizeisprecher. Bei der WM trainieren die Kicker aus dem Iran im Zeppelin-Stadion, und dort werden sie mit dem Bus hinfahren.

Untergebracht sind Fußballer und ihre Delegation im Ringhotel Krone Schnetzenhausen. Das Vier-Sterne-Haus mit seinen 140 Zimmern liegt am Stadtrand. Im Mannschaftshotel wird umgeräumt, um den separaten Trakt für die Elf aus Teheran noch komfortabler zu machen.

Friedrichshafen mit seinen rund 57.000 Einwohnern ist vor allem auch als Stadt der Zeppeline bekannt. Auch heute gibt es noch den Luftschiffbau am Bodensee, daneben spielen die Luft- und Raumfahrtindustrie und die Zulieferer für die Autobranche eine große Rolle.Der Iran reist mit der vielleicht besten Mannschaft seiner Geschichte zur WM nach Deutschland. Vor allem auf den Bundesligalegionären ruht die Hoffnung, dass das asiatische Land im dritten Anlauf nach 1978 in Argentinien und 1998 in Frankreich erstmals die Vorrunde übersteht.

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