WM-Skandal 2006
Sieben Fragen, die Beckenbauer offen lässt

Die Lichtgestalt des deutschen Fußballs, Franz Beckenbauer, meidet das Scheinwerferlicht. Die Öffentlichkeit speist er in der Schwarze-Kassen-Affäre mit Häppchen ab. Welche Fragen rund um die WM 2006 er beantworten muss.

DüsseldorfKein Funktionär kennt die Umstände und Interna rund um die Vergabe der WM 2006 wahrscheinlich so gut wie Franz Beckenbauer. Denn kein anderer Deutscher besitzt weltweit so viele herausragende Kontakte in der Fußballwelt wie der „Kaiser“. Zudem saß kein anderer zur fraglichen Zeit in so vielen Schlüsselpositionen wie die Lichtgestalt des deutschen Fußballs. Einige Beispiele.

  • 1994 bis 2009: Beckenbauer war 15 Jahre Präsident des FC Bayern München, des mit Abstand wichtigsten Fußballklubs in Deutschland

  • 1998 bis 2010: Ein Dutzend Jahre war er Vize-Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB)

  • Bis 2000: Vor der WM-Vergabe 2006 reiste Beckenbauer um die ganze Welt, um Stimmen für Deutschland zu sammeln

  • 6. Juli 2000 bis Ende 2006: Beckenbauer war Präsident des WM-Organisationskomitees (WM-OK) bis nach der Weltmeisterschaft in Deutschland

  • 2007 bis 2011: Beckenbauer mischt im höchsten Gremium des Weltfußballverbandes Fifa mit, dem Fifa-Exekutivkomitee. Er stimmte mit ab über die umstrittene Vergabe der Weltmeisterschaften an Russland und Katar.

  • Seit 2012: Beckenbauer ist als „Global Ambassador“, also weltweiter Botschafter, für den russischen Gaskonzern Gazprom tätig. Das Unternehmen ist ein wichtiger Sponsor der Fifa.

Durch alle diese Funktionen ist Beckenbauer zu einem intimen Kenner des internationalen Fußballs und des Geschäfts damit geworden. Schon seine Bekenntnisse gegenüber dem amtierenden DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach, die dieser in der vergangenen Woche öffentlich machte, zeigen dies. Beckenbauers vierstündige Aussage gegenüber externen DFB-Prüfern am Montag belegt dies außerdem.

Allerdings speist Beckenbauer die Öffentlichkeit entweder mit indirekten Geständnissen oder dürren Erklärungen ab – und erlaubt sich dabei sogar Seitenhiebe auf die anderen Akteure, die offener mit ihrem Wissen umgehen – und sogar direkt auf Presseanfragen reagieren, wie etwa Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Fifa: Aufstieg aus bescheidenden Anfängen
Umsatz und Ausgaben

in Mio. US-Dollar

Gefeiert wird Beckenbauer – wie meistens – in der „Bild“, etwa mit der dicken Überschrift: „Ich übernehme Verantwortung.“ Tatsächlich ist dies angesichts seiner Funktionärs-Vergangenheit eigentlich selbstverständlich. Faktisch ist dies bisher jedoch nur ansatzweise erkennbar. Es bleiben viele Fragen rund um die mysteriöse 6,7-Millionen-Euro-Zahlung an die Fifa offen. Etwa diese sieben.

1. Warum beharrt Beckenbauer – wie Niersbach – trotz der inzwischen zahlreichen Hinweise auf dunkle Machenschaften öffentlich weiter so sehr darauf, dass die WM-Vergabe für 2006 sauber gewesen sei?

Beckenbauer stellt dies in seinem dürren Statement an die erste Stelle: „Es wurden keine Stimmen gekauft, um den Zuschlag für die Fußballweltmeisterschaft 2006 zu bekommen.“ Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach wiederholt dies gebetsmühlenartig: „Es ist alles mit rechten Dingen zugegangen bei der WM-Vergabe 2006.“

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