WM-Städte
Kaufkraft hält Preise hoch

Nürnberg übertrumpft mit mehr als 500 000 Einwohnern Erlangen und Fürth bei weitem, die bei knapp über 100 000 Einwohnern liegen. Die Stadt zeigt auch die mit Abstand größte und attraktivste Auswahl an Gewerbe- und Bürogebäuden.

NÜRNBERG. Wer die auch heute noch existierende Rivalität der einzelnen Städte innerhalb der Region Nürnberg-Fürth-Erlangen verstehen will, der darf dafür durchaus ein Beispiel aus der Fußballhistorie heranziehen: Als in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts der 1. FC Nürnberg und die Spielvereinigung Fürth den deutschen Fußball dominierten und in der deutschen Nationalmannschaft nur Spieler beider Teams standen, da spielte man zwar zusammen Fußball. Außerhalb des Platzes verachteten sich die Spieler jedoch so sehr, dass sie sogar in getrennten Zügen zu Spielen anreisten. Und der Fürther Spieler Hans Sutor wurde von seinen Mitspielern gar verstoßen, weil er eine Nürnbergerin heiratete.

Bis in diese Niederungen geht die Rivalität zwar heute nicht mehr. Die Aufteilung mit Nürnberg als Angestellten- und Beamtenstadt, Fürth als Arbeiterdomizil und Erlangen als Universitätsstadt und Heimat von Siemens hat jedoch bis zum heutigen Tag Bestand. Das schlägt sich in der unterschiedlichen Kaufkraft und entsprechend auch in den Immobilienpreisen nieder. Nürnberg übertrumpft mit mehr als 500 000 Einwohnern Erlangen und Fürth bei weitem, die bei knapp über 100 000 Einwohnern liegen. Die Stadt zeigt auch die mit Abstand größte und attraktivste Auswahl an Gewerbe- und Bürogebäuden. "Nürnberg ist der zweitbeste Immobilienmarkt in Bayern und in der Region die Stadt mit den besten 1a-Lagen", sagt Thomas Nogaschewski vom Einzelhandelsimmobilienmakler Kemper?s.

Einer der größten Pluspunkte ist im Moment, dass Nürnberg im Jahr 2005 die Schwelle von 500 000 Einwohnern überschritten hat und dadurch offiziell europäische Metropolregion geworden ist. Nürnbergs Wirtschaftsreferent Roland Fleck verspricht sich davon höhere Aufmerksamkeit und wirbt: "Der Nürnberger Immobilienmarkt ist gekennzeichnet durch Berechenbarkeit, Kontinuität und ein wirtschaftlich intaktes und technologisch innovatives Umfeld."

Die Fußball-WM im Sommer ist zwar eine hervorragende Präsentationsplattform für die Stadt, aber kaum ein Makler glaubt, dass sie Ansiedlungen großer Konzerne in der Region Nürnberg auslösen wird. Zurzeit geht es eher darum, den Vertrauensverlust, der nach der Schließung des AEG-Werkes durch die schwedische Mutter Electrolux entstanden ist, zu verdauen. Das Ziel der örtlichen Industrie- und Handelskammer ist es, den Abbau der rund 1 700 Arbeitsplätze im nächsten Jahr durch die Ansiedlung neuer Unternehmen zumindest zu kompensieren. Als Gegenbeispiel zu Electrolux führen viele in der Region zwei heimische Unternehmen an, die während der WM besonders in der Öffentlichkeit stehen: die Sportartikelgiganten Adidas und Puma, die ihren Sitz im idyllischen Herzogenaurach vor den Toren Nürnbergs haben. Beide Unternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre Position als "Global Player" ausgebaut und sich dennoch stets zum Standort bekannt.

Arbeitsplatzverluste sind Gift für den Einzelhandel. Der sei allen Schwierigkeiten zum Trotz noch immer gut positioniert. "Nürnberg ist ein typisches Beispiel für einen Standort im Süden Deutschlands. Die sind im Gegensatz zu denen im Norden und Westen weiterhin in einer komfortablen Lage", sagt Thomas Nogaschewski. Zwar sind im Einzelhandel die Mieten in 1a-Citylagen in der Zeit von 1995 bis 2005 von 128 Euro auf 110 Euro je Quadratmeter zurückgegangen. Damit bewegt man sich in etwa im bundesweiten Durchschnitt. In jüngster Zeit zeichnet sich ein leichtes Plus ab. Sogar ein neues Shopping-Center in bester Innenstadtlage ist geplant - allerdings im benachbarten Erlangen.

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