WM-Teilnehmer im Porträt
Argentinien – Maradonas Erben

Argentinien geht wieder einmal als Geheimfavorit in sein 14. WM-Turnier. Ob die "Gauchos" dieser Rolle gerecht werden können, hängt davon ab, ob es ihnen endlich gelingt als Kollektiv den langen Schatten Maradonas zu überwinden.

HB DÜSSELDORF. Trotz des souveränen Sieges in der Südamerika-Qualifikation steckt Argentinien noch immer in der Post-Maradona-Ära fest. Seit den großen Tagen des vielleicht begnadetsten Fußballers aller Zeiten, die spätestens 1990 im WM-Finale von Rom endeten, versucht das zweitgrößte südamerikanische Land verzweifelt, an die großen Erfolge der späten 70er und 80er Jahre anzuknüpfen. Doch trotz immer neuer Ausnahmekönner spielen die "Gauchos" seit nunmehr anderthalb Jahrzehnten auf der großen WM-Bühne nur eine Nebenrolle. Tiefpunkt war das blamable Vorrunden-Aus 2002 in Korea und Japan - Argentinien hat eine Menge Kredit verspielt, den es nun zurückzuerarbeiten gilt.

Dass die "Alibiceleste" in Ostasien so kapitalen Schiffbruch erleiden musste, resultierte nicht aus mangelnder Spielerqualität - die Truppe um Crespo, Veron, Aimar und Co. war einmal mehr exzellent besetzt. Vielleicht sogar zu gut, denn dem damaligen Coach Marcelo Bielsa gelang es nie, aus seinen Stars eine Einheit zu formen und die Eitelkeiten wie Ansprüche eines Einzelnen zu bündeln. Argentinien scheiterte daran, dass es keine Mannschaft hatte, nicht den alles überragenden Spielertyp, auf den alles hinlief, wie es zu Maradonas Zeiten noch war.

Die Durststrecke, die der La-Plata-Staat derzeit durchlebt, ist allerdings nicht die erste große in seiner so langen Fußball-Geschichte. Argentinien ist ohne Zweifel die Geburtsstätte des südamerikanischen Fußballs und neben England die wohl tradtionsreichste Fußball-Nation. Schon 1891 wurde eine Landesmeisterschaft ausgespielt, 1912 trat Argentinien der FIFA bei. Bei der ersten WM 1930 zogen die "Gauchos" als Mitfavorit ins Finale ein, unterlagen dort aber Gastgeber Uruguay mit 2:4. Einhergehend mit massiven wirtschaftlichen Problemen im Land löste dieses Trauma eine lange sportliche Krise aus. Viele Spitzenspieler verließen Argentinien, 1934 scheiterte eine bessere Amateur-Auswahl im WM-Achtelfinale, 1938, 1950 und 1954 führten verschiedene Probleme zur Nichtteilnahme.



WM-BÖRSE



Handeln sie die Titelchancen der Teilnehmerländer: Kaufen Sie die Papiere ihres persönlichen WM-Favoriten, setzen Sie auf den weiteren Finalrunden-Verlauf und machen Sie mit dem Vorrunden-Aus der Verlierer Gewinne - Mitspieler können attraktive Preise gewinnen!



 www.handelsblatt.com/wmboerse



Auch in der Folge blieben nennenswerte Erfolge auf der WM-Bühne aus, 1966 reichte es immerhin zum Viertelfinale, ehe Argentinien vier Jahre später zum ersten und einzigen Mal in der Qualifikation scheiterte. Und so passte es auch ins Bild, dass der große Erfolg des stolzen Landes überschattet war: Als Argentinien 1978 im eigenen Lande unter der Regie des überragenden Mario Kempes erstmals Weltmeister wurde, herrschte zwar fantastische Stimmung in den Stadien, dort machte aber auch die Militärjunta unter General Videla Werbung für ihr Folterregime, was international mehr als sauer aufstieß. Vier Jahre später scheiterte Argentinien in der zweite Finalrunde. Bei der WM in Spanien wollte die Staffelübergabe vom alternden Kempes auf den neuen Star Diego Armando Maradona nicht so recht klappen - auch weil der Youngster zum Freiwild gegnerischer Abwehrreihen wurde.

Seite 1:

Argentinien – Maradonas Erben

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%