WM-Teilnehmer im Porträt
Frankreich – Der späte Zidane soll's richten

Eine Blamage wie bei der WM 2002 will die "Grande Nation" um jeden Preis verhindern. Doch die Ziele sind weitaus höher: Zinedine Zidane soll Frankreich noch einmal zum Titel führen. Ob die alternden Weltmeister den Belastungen einer Endrunde noch einmal gewachsen sind bleibt fraglich.

HB DÜSSELDORF. Die Qualifikation war eher mühselig als glanzvoll, doch bei der Weltmeisterschaft selbst will sich Frankreich wieder als "Grande Nation" präsentieren. Trainer Raymond Domenech hat den zweiten Weltmeistertitel nach 1998 als Ziel ausgegeben und baut dabei mehr denn je auf ein Gerüst altgedienter Stars.Den möglicherweise entscheidenden Schlüssel zum Erfolg besitzt die Equipe Tricolore in Zinedine Zidane. Der dreimalige Weltfußballer des Jahres war im August 2004 als Nationalspieler zurückgetreten, sprang aber ein Jahr später wieder ein, als Frankreich in der Qualifikation zu scheitern drohte. Nun soll "Zizou" gemeinsam mit Spielern wie Thierry Henry, Djibril Cissé und David Trézéguet auch in Deutschlands Stadien für Furore sorgen.

Doch gerade im Fußball ist Ruhm mitunter ein höchst vergängliches Gut. Wohl kaum einer Nation ist dies in den vergangenen Jahren so vor Augen geführt worden wie Frankreich. 1998 holte die "Equipe Tricolore" in eigenen Land zum ersten Mal den Weltmeistertitel und tauchte damit ein ganzes Land, wenn nicht die gesamte Fußballwelt in ein blau-weiß-rotes Farbenmeer. Vier Jahre später trat Frankreich, das zudem 2000 auch bei der Europameisterschaft triumphiert hatte, als einer der großen Favoriten an, den Fifa World Cup, die Nachfolge-Trophäe des verloren gegangenen Coupe Jules Rimet, zu verteidigen. Und sorgte für ein Novum: Zwar schieden mit Italien (1950) und Brasilien (1966) schon zweimal zuvor amtierende Titelträger in der Vorrunde aus. Dies aber nicht ohne ein einziges selbst geschossenes Tor wie die "Grande Nation". Eine Katastrophe für das so stolze Land, die durch das Viertelfinal-Aus bei der Euro 2004 nicht vergessen gemacht werden konnte. So hat Frankreich bei der WM 2006 besonders einen bedeutenden Auftrag: Zu zeigen, dass die Erben Platinis immer noch zur absoluten Weltspitze gehören.

Dieser Status ist für die Franzosen auch deshalb so wichtig, da sie quasi die Taufväter der Fußball-Weltmeisterschaften sind, waren es doch in eben jenem Jules Rimet, Robert Guerin und Henry Delauney (dem Namengeber des EM-Pokals) Franzosen, die in den 20er Jahre die Idee des großen Fußball-Weltvergleiches vorangetrieben hatten.



WM-BÖRSE



Handeln sie die Titelchancen der Teilnehmerländer: Kaufen Sie die Papiere ihres persönlichen WM-Favoriten, setzen Sie auf den weiteren Finalrunden-Verlauf und machen Sie mit dem Vorrunden-Aus der Verlierer Gewinne - Mitspieler können attraktive Preise gewinnen!



 www.handelsblatt.com/wmboerse



Anfang der 80er bildete sich die Mannschaft heraus, die wohl als die beste der "Gallier" in die Geschichte eingehen wird: Die Elf um das magische Dreieck Michel Platini, Jean Tigana und Alain Giresse griff schon 1982 in Spanien nach dem Titel, scheiterte aber in einem denkwürdigen Halbfinale, das als der "Thriller von Sevilla" in die WM-Historie einging, nach Elfmeterschießen an Deutschland. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens führte Platini Frankreich zwei Jahre später zum Triumph bei der Europameisterschaft, dem 1986 endlich der ganz große Coup folgen sollte. Doch die Mannschaft hatte ihren Zenith überschritten: Zwar kämpften sich die gealterten Stars in Mexiko noch einmal bis ins Halbfinale vor, schalteten dabei in der Runde der letzten 16 in einem der besten WM-Spiele aller Zeiten Brasilien aus. Doch in der Vorschlussrunde behielt wie vier Jahre zuvor eine deutsche Mannschaft, die in ihren Mitteln durchaus beschränkt war, die Oberhand. Das Karriereende der Erfolgself riss ein unendlich tiefes Loch: Zwar hatte die Nachfolge-Generation mit Jean-Pierre Papin oder Eric Cantona durchaus Könner zu bieten, in der Breite fehlte es aber an allen Ende: 1990 und 1994 scheiterte Frankreich in der Qualifikation kläglich - zu dieser Zeit trafen Heimpleiten gegen Bulgarien und Israel die "Grande Nation" bis ins Mark.

Seite 1:

Frankreich – Der späte Zidane soll's richten

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%