WM-Teilnehmer im Porträt
Japan – Neuer WM-Abonnent aus Asien

Obwohl sie bis 1998 noch nie an einer WM-Endrunde teilgenommen hatten, schafften die Japaner bereits zum dritten Mal hintereinander die Qualifikation. Ohne Punktverlust versteht sich.

HB DÜSSELDORF. Das Resultat stimmte, der Rahmen nicht. Vor leeren Rängen löste die japanische Nationalmannschaft am 8. Juni 2005 als zweite Mannschaft nach Gastgeber Deutschland das WM-Ticket. Die Öffentlichkeit erfuhr davon jedoch nur am Fernseher: Eine Platzsperre gegen Gastgeber Nordkorea hatte den Umzug ins thailändische Bangkok nötig gemacht. Die Auswahl "Nippons" ließ sich nicht beirren, brachte mit einem 2:0 die dritte WM-Teilnahme nach 1998 und 2002 unter Dach und Fach und bestätigte den Aufwärtstrend der vergangenen Jahre.

Seit Einführung der japanischen Profiliga J-League 1993 hat sich die Nationalelf stetig verbessert. Bei der Heim-WM 2002 erreichte die Mannschaft sogar das Achtelfinale und schied erst durch ein 0:1 gegen den späteren WM-Dritten Türkei aus. Es war der größte Erfolg für die Asiaten neben dem dreimaligen Gewinn der Asien-Meisterschaft (1992, 2000 und 2004) sowie dem Finaleinzug beim Confederations Cup 2001 in Yokohama. Mit dem Brasilianer Zico auf dem Trainerstuhl wollen die Söhne Nippons den Achtungserfolg von 2002 mindestens wiederholen. "Wir kommen nach Deutschland, um zu siegen", verspricht der Coach bereits. "Der Dünne" schöpft die Zuversicht aus der WM-Qualifikation, wo die Elf nur ein einziges von zwölf Spielen (1:2 im Iran) verlor: "Auf unserem Weg zur WM hatten wir mit Erdbeben, Wirbelstürmen und politischen Streitigkeiten zu kämpfen. Dennoch haben wir es geschafft." Kurios: Wie schon beim Konföderationen-Pokal 2005 Deutschland (2:2) trifft Zico in der Vorrunde auf seine Landsmänner aus Brasilien, die weiteren Gegner sind Kroatien und Australien.



WM-BÖRSE



Handeln sie die Titelchancen der Teilnehmerländer: Kaufen Sie die Papiere ihres persönlichen WM-Favoriten, setzen Sie auf den weiteren Finalrunden-Verlauf und machen Sie mit dem Vorrunden-Aus der Verlierer Gewinne - Mitspieler können attraktive Preise gewinnen!



 www.handelsblatt.com/wmboerse



Seit 1921 ist der Fußball in Japan organisiert, den Status eines "Entwicklungslandes" legten die Asiaten aber erst gegen Ende des Jahrhunderts ab. Einer der wenigen Höhepunkte bis dahin war der sensationelle 3:2-Erfolg gegen Schweden bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin sowie der Gewinn der Bronzemedaille 1968 in Mexiko. Nach zahlreichen vergeblichen Anläufen klappte es 1998 auch endlich mit der ersten WM-Teilnahme. In Frankreich setzte es aber drei Niederlagen, darunter auch ein 1:2 gegen Jamaika.

Trainer Zico setzt in seinem Kader auf einen Mix aus international unerfahrenen Spielern der heimischen J-League und in Europa tätigen Legionären. Zu letzteren gehört Hidetoshi Nakata, der vielleicht beste, garantiert aber bekannteste Spieler Japans. Nach Engagements in Parma, Rom, Bologna und Florenz spielt Asiens Fußballer der Jahre 1997 und 1998 seit 2005 in der englischen Premier League bei den Bolton Wanderers. Die in seiner Heimat wie ein Popstar verehrte Merchandising-Ikone fällt nicht nur auf dem Platz durch geniale Pässe, sondern regelmäßig auch durch rot gefärbte Haare, modische Kinn-Bärtchen oder extravagante weiße Fußballschuhe auf. Nach lauter werdender Kritik der heimischen Medien will Nakata in Deutschland noch einmal seine fußballerische Klasse unter Beweis stellen: "So viele Gelegenheiten gibt es ja nicht, sich auf großer internationaler Bühne zu zeigen."

Die einzige Überraschung war die Nominierung von Angreifer Seiichiro Maki von JEF United Chiba für Yokohamas Stürmer Tatsuhiko Kubo. Diese Maßnahme begründete der japanische Trainer wie folgt: "Kubo war physisch nicht auf der Höhe. Außerdem ist Maki ein ganz interessanter Spieler, der uns neue Optionen eröffnet. Das ist eine Mannschaft, auf die die Japaner stolz sein können", erklärte Zico: "Wir müssen uns allerdings an den Ergebnissen messen lassen."

Mit Naohiro Takahara steht auch ein Bundesliga-Profi in der japanischen Auswahl. Der Stürmer kam in der abgelaufenen Saison auf insgesamt 21 Einsätze für den Hamburger SV und traf dabei einmal ins gegnerische Tor. In der kommenden Spielzeit wird Takahara das Trikot von Eintracht Frankfurt in der Bundesliga tragen.

Für den japanischen Abwehrspieler Makoto Tanaka ist die Fußball-WM bereits vor dem Anpfiff zu Ende. Der 30-Jährige vom J- League-Club Jubilo Iwata musste wegen einer schweren Oberschenkelverletzung in die Heimat zurückkehren. Für ihn rückt Teruyuki Moniwa ins Team.

Land:
Lage/Größe: Ost-Asien (Weltrang: 60) - 377 837 qkm
Bevölkerung: 127 417 244 Einwohner
Hauptstadt: Tokio - 11,8 Mio. Einwohner
Staatsform: Parlamentarische Monarchie
Staatsoberhaupt: Kaiser Akihito
Ministerpräsident: Junichiro Koizumi
Bruttoinlandsprodukt, Dollar pro Kopf: 2004: 36 575 US$
Landessprache: Japanisch

Fußball:
Japan Football Association (JFA)
Präsident: Saburo Kawabuchi
Nationaltrainer: Zico
Gründungsjahr: 1921
FIFA-Mitglied seit 1929

WM-Bilanz:
1998 Vorrunde
2002 Achtelfinale

Seite 1:

Japan – Neuer WM-Abonnent aus Asien

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%