WM-Teilnehmer im Porträt
Portugal – Das fahrige Staresemble

Mit Stars wie Deco und Luis Figo können die Portugiesen auf hochkarätige Fußballer in ihren Reihen verweisen. Doch zumeist scheiterte das Team an den hohen Erwartungen.

HB DÜSSELDORF. Die EURO 2004 im eigenen Land sollte der letzte glanzvolle Auftritt von Portugals "geração de ouro", der Goldenen Generation um Luis Figo und Rui Costa werden. Jene Altersklasse, die 1989 den Titel bei der U20-WM holte und diesen zwei Jahre später erfolgreich verteidigte. In einem stark besetzten Turnier gelang immerhin der Sprung ins Finale, dort unterlag der hohe Favorit aber "Underdog" Griechenland, zum zweiten Mal im Verlauf der Veranstaltung übrigens. So nah dran am ersten großen internationalen Titel und dennoch gescheitert - ein kleines nationales Trauma: "Wir haben eine große Chance verpasst, ich bin wahnsinnig enttäuscht", sagte Rui Costa, und Figo fiel es schwer "seine Gefühle zu schildern." Doch schon im Moment der Niederlage kündigte Portugals brasilianischer Coach Luiz Felipe Scolari ein großes Comeback an: "Das ist nicht das Ende. Wir werden weiterarbeiten und in Zukunft auch etwas gewinnen. Auf Wiedersehen bei der WM 2006."

Zumindest was den letzten Satz angeht, hat Scolari Wort gehalten: In souveräner Manier schaffte die "Seleccao" die Qualifikation zur Endrunde in Deutschland - ein im äußersten Westen Europas nicht unbedingt üblicher Vorgang. Denn obwohl die Iberer immer wieder Fußball-Weltstars herausbrachten, spielte die Nationalmannschaft in Sachen WM meist nur die zweite Geige. Nachdem sechsmal in Serie das Aus in der Qualifikation kam (1934 - 1962), folgte 1966 der größte (und bislang einzige) Erfolg bei einer Endrunde. Angeführt vom legendären Eusebio scheiterte Portugal erst im Halbfinale am späteren Weltmeister England, sicherte sich im Spiel um Platz drei letztlich durch einen 2:1-Erfolg über die Sowjetunion eben jenen. Stürmerstar Eusebio holte mit neun Treffern zudem die Torjägerkrone.

Der Glanz verflog schnell: Die Endrunden 1970 bis 1982 fanden ohne Portugal statt, 1986 schied die Elf um Jungstar Paulo Futre trotz des 1:0-Auftaktsieges gegen England bereits in der Vorrunde aus. Nach erneut drei verpassten Endrunden reichte es auch 2002 in Korea und Japan nach Niederlagen gegen die USA und Südkorea nicht einmal zum Achtelfinale. Doch trotz der Misserfolgsserie ist die Erwartunghaltung vor der WM 2006 immens hoch. Und auch Scolari bläst zum Angriff: "Der Titel ist möglich. Wir haben eine starke Mannschaft. Ich zähle uns auf jeden Fall zu den besten acht Teams der Welt", sagt der "General", der in Asien Brasilien zum fünften WM-Triumph führte. In der Qualifikation untermauerte Portugal seine Ambitionen: Mit sieben Punkten Vorsprung und ohne Niederlage gelang der Gruppensieg, zudem stellte die "Seleccao" in Pedro Pauleta (elf Treffer) den besten Torjäger der gesamten Europa-Ausscheidung.



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Der Stürmer von Paris St. Germain (Jahrgang 1973) gehört neben den schon erwähnten Luis Figo (Inter Mailand) und Rui Costa (AC Mailand) zu den routinierten Kickern im Team. Ansonsten hat Scolari bis auf Youngster Cristiano Ronaldo (Manchester United) Spieler um sich geschart, die als Mit- und Endzwanziger fast ausnahmslos in Deutschland auf dem Höhepunkt ihres Könnes auflaufen dürften. So bespielsweise Abwehrrecke Ricardo Carvalho (FC Chelsea), Angreifer Nuno Gomes (Benfica Lissabon) und vor allem Mittelfeldstratege Deco. Der Regisseur vom FC Barcelona ist mittlerweile der "spiritus rector" im portugiesischen Spiel, hat Figo den Rang abgelaufen. Der ruhige gebürtige Brasilianer, 2003 Champions-League-Sieger mit dem FC Porto, verkörpert derweil eher den besonnenen Fußballertyp inmitten seiner heißblütigen Landsleute, die auch schon mal über die Stränge schlagen - siehe EM-Halbfinale 2000. "Wir sind für jede positive Überraschung gut", formuliert Deco die Ziele eher bescheiden. Alles andere als der Einzug ins Achtelfinale gegen die Gruppengegner Mexiko, Angola und Iran wäre eine solche.

Land:
Lage/Größe: Südwest-Europa - (Weltrang: 110 ): 92 345 qkm
Bevölkerung: 10 566 212 Einwohner
Hauptstadt: Lissabon - 830 000 Einwohner
Staatsform: Republik
Staatspräsident: Jorge Sampaio
Bruttoinlandsprodukt, Dollar pro Kopf: 2004: 15 762 US$
Landessprache: Portugiesisch

Fußball:
Federacao Portuguesa de Futebol (FPF)
Präsident: Gilberto Madail
Nationaltrainer: Luiz Felipe Scolari
Gründungsjahr: 1914
FIFA-Mitglied seit: 1923

WM-Bilanz:
1966 Dritter
1986 Vorrunde
2002 Vorrunde

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