WM-Teilnehmer im Porträt
Saudi-Arabien – Heiß auf Wiedergutmachung

Saudi-Arabiens Fußballer wollen bei ihrer vierten WM-Teilnahme seit 1994 die Schmach von Sapporo tilgen.

HB DÜSSELDORF. An den letzten Auftritt bei einer WM-Endrunde denkt man in Saudi-Arabien nicht allzu gerne zurück: Mit großen Erwartungen war das Königreich 2002 nach Korea und Japan gereist - und erlitt gleich im ersten Spiel kapitalen Schiffbruch. Eine glänzend aufgelegte deutsche Mannschaft demütigte die stolzen Saudis mit 8:0. Es folgten weitere Pleiten gegen Kamerun (0:1) und Irland (0:3), die Trainer Nasser Al-Johar den Job kosteten. Vier Jahre später bietet sich nun die Chance zur Revanche - auch wenn die Saudis in Gruppe H gegen Spanien, Tunesien und die Ukraine klarer Außenseiter sind.

Um die alten Fehler tunlichst zu vermeiden, wurde trotz souveräner Qualifikation vor der WM 2006 noch einmal der Trainer gewechselt: Gut sechs Monate vor dem Start des Turniers wurde der argentinische Coach Gabriel Calderon gefeuert und durch den Brasilianer Marcos Paqueta ersetzt - er ist der 15. Trainer in den vergangenen elf Jahren! Der 47-Jährige, der 2003 mit Brasilien U17- und U20-Weltmeister geworden war, hatte in diesem Jahr den saudi-arabischen Klub Al Hilal zu Meisterschaft und Pokalsieg geführt. Mit Paqueta will das arabische Land, in dem Fußball bis 1951 verboten, an die vielversprechenden Ansätze der 90er Jahre engeknüpft werden. Nachdem die Saudis 1989 die U 16-Weltmeisterschaft gewonnen hatten, folgte 1994 der Durchbruck im Seniorenbereich. Bei ihrer ersten WM-Teilnahme unterlag der Debütant in den USA den Niederlanden nur knapp mit 1:2, zog mit anschließenden Siegen gegen Marokko (2:1) und Belgien (1:0) ins Achtelfinale ein, wo gegen den späteren Dritten Schweden das Aus kam (1:3). 1998 schieden die Saudis bereits in der Vorrunde aus.



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Damals wie heute bestand der Kader der Araber ausschließlich aus Profis aus der heimischen Liga, die ab den 70ern vom finanzkräftigen Staat mächtig gefördert wurde. Eine Truppe gänzlich ohne Legionäre ist derweil Vor- wie Nachteil. In Deutschland wird eine absolut eingespielte Mannschaft auflaufen, kann Paqueta seine Kicker, die sich ohnehin bestens kennen, doch frühzeitig zusammenziehen und ausgiebig vorbereiten. Andererseits ist angesichts des doch mäßigen Niveaus in der Saudi-Liga gerade die mangelnde Erfahrung mit europäischer Härte und Schnelligkeit eine große Umstellung. Unter den Gruppengegnern Spanien, Ukraine und Tunesien ist Saudi-Arabien daher krasser Außenseiter.

Star im Team ist zweifelsohne Angreifer Sami Al-Jaber. Die "lebende Legende" wird in seinem Heimatland wie ein König verehrt. Eigentlich hatte der 34 Jahre alte Rekord-Nationalspieler aus der "goldenen Generation" um Torhüter-Denkmal Mohamed Al-Deayea und Saeed Al-Owairan seine Karriere im grün-weißen Dress bereits beendet, aber nach der lauen Vorstellung beim Golf-Cup verlangte das Volk abermals nach seinem Helden. Doch nicht nur die Rückkehr von Al-Jaber sorgt für einen Hoffnungsschimmer, auch die überzeugenden Auftritte in der WM-Qualifikation geben Anlass zum Optimismus - die Elf von der arabischen Halbinsel könnte in die Fußstapfen der 94er-Auswahl treten. Der junge Angreifer Yasser Al-Qahtani gilt als großes Talent, zudem konnte Calderon Mittelfeldstratege und Asiens Fußballer des Jahres 2000, Nawaf Al-Temyat, nach zwei Jahren Pause ebenfalls zum Comeback bewegen. Auf dem Weg nach Deutschland gewannen die Saudis überraschend vor Südkorea, WM-Halbfinalist von 2002, Usbekistan und Kuwait die Gruppe A der Asienzone. Dabei blieben die Grün-Weißen in allen sechs Partien ungeschlagen. Zweifacher Torschütze beim entscheidenden 3:0-Erfolg über Usbekistan: Sami Al-Jaber.

Land:


Lage/Größe: Vorder-Asien (Weltrang: 13) - 2 240 000 qkm
Bevölkerung: 26 417 599 Einwohner
Hauptstadt: Riad - 2,2 Mio. Einwohner
Staatsform: Islamische absolute Monarchie
Staatsoberhaupt und Ministerpräsident: König Abdullah Ibn Abdelasis
Bruttoinlandsprodukt (BIP), Dollar pro Kopf: 2004: 10 662 US$
Landessprache: Arabisch

Fußball:
Saudi Arabian Football Federation (SAFF)
Präsident: Prinz Sultan bin Fahad bin Abdul Aziz
Nationaltrainer: José Calderon
Gründungsjahr: 1959
FIFA-Mitglied seit 1959

WM-Bilanz:
1994 Achtelfinale
1998 Vorrunde
2002 Vorrunde

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