WM-Teilnehmer im Porträt
Schweiz – Der Favoritenschreck

In einer denkwürdigen Begegnung gegen die Türkei schafften die Schweizer den Sprung auf den WM-Zug.

HB DÜSSELDORF. Die Tatsache, dass sich die Schweiz nach zwölf Jahren Abstinenz wieder für eine WM-Endrunde qualifiziert hatte, ging an jenem Novemberabend in Istanbul ein wenig unter. Zu skandalös waren die Jagdszenen, die sich nach dem 4:2 der Türken über die Eidgenossen abspielten, das letzteren nach dem 2:0-Sieg im Hinspiel das Ticket nach Deutschland bescherte. "Es war unfassbar. Türkische Spieler und Ordnungskräfte haben auf uns eingeprügelt. Ich habe Schläge gegen den Kopf und in den Rücken bekommen", berichtet Mittelfeldspieler Raphael Wicky. Als der erste Schock verdaut war, konnten sich die Schweizer dann auch freuen - verhalten freilich, wie man es von den Alpenländlern erwartet. "Die EM 2008 im eigenen Land ist schon längst ein Thema für uns. Deshalb haben wir auch schon vor einigen Jahren begonnen, junge Spieler speziell zu fördern", sagte Nationaltrainer Köbi Kuhn. "Die Entwicklung ist bereits jetzt sehr gut, und wir fahren die ersten Früchte der Arbeit ein."

Früchte, die in der vom fußballerischen Erfolg bislang nicht allzu verwöhnten Schweiz (7,2 Millionen Einwohner) seit Jahren herbeigesehnt werden. Bislang galt die Republik nur in administrativer Hinsicht als Fußball-Weltmacht, sind doch sowohl die FIFA (Zürich) als auch die UEFA (Nyon) in der Schweiz beheimatet. Sportlich wollte der Sprung in die absolute Weltspitze nicht gelingen. 1934, 1938 und bei der WM 1954 im eigenen Land drang die "Nati" jeweils ins Viertelfinale vor, konnte sich 1962 und 1966 jeweils noch für die Endrunde qualifizieren - danach folgte aber wenig erbauliches: Sechsmal in Folge war in der Europa-Ausscheidung Endstation, die bislang letzte Endrunden-Teilnahme 1994 endete im Achtelfinale (0:3 gegen Spanien). Die Durststrecke der Eidgenossen resultiert vor allem aus der heimischen Liga, die nicht zu den Top-Klassen Europas gehört, zudem mit ihrem umständlichen System mit Vor- und Endrunde nicht mehr zeitgemäß ist. So gelangen von den Schweizer Klubs nur dem FC Basel und dem FC Thun mit der Qualifikation für die Champions League Achtungserfolge.



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Die schon erwähnte Nachwuchsförderung unter Kuhn sorgt aber mittleweile für einen Aufschwung, von der zwar nicht die Schweizer Nationalliga profitiert, die aber eine stattliche Zahl von Talenten hervorgebracht hat, die sich auch bei europäischen Spitzenklubs durchzusetzen scheinen: Youngster Valon Behrami (Lazio Rom), Philippe Senderos (Arsenal London) oder Tranquillo Barnetta (Bayer Leverkusen) sind schon jetzt die großen Hoffnungsträger für die Euro 2008 in Österreich und der Schweiz. Doch schon bei der Endrunde in Deutschland könnte Kuhn eine höchst schlagkräftige Truppe beisammen haben, haben seine "Küken" doch arrivierte Mitspieler an der Seite: Mittelfeldmann Johan Vogel schaffte den Sprung nach Italien zum AC Mailand, auch Raphael Wicky (Hamburger SV), Patrick Müller (FC Basel) oder Ludovic Magin (VfB Stuttgart) bringen eine Menge internationaler Erfahrung mit.

Zudem verfügen die Schweizer einen Torjäger par excellence: Star der Truppe ist Alexander Frei von Stade Rennes, 2005 Torschützenkönig der Ligue 1, in der WM-Quali mit sieben Treffern auch erfolgreichster Stürmer seines Landes. Auf ihm liegt das Augenmerk besonders 13. Juni, wenn die Schweiz wie schon in der Qualifikation und wie bei der EM 2004 auf den großen Nachbarn Frankreich trifft. Keines dieser drei Spiele konnten Frei gewinnen - der letzte Sieg datiert aus dem Jahr 1992. Gelingt der Coup bei der WM, Frankreich-Legionär Frei würde endgültig zum Volksheld werden. Weitere Schweizer Vorrundengegner sind die Teams aus Togo und Südkorea.

DER KADER
NameVornameVereinPosition
ZuberbühlerPacalFC BaselTorwart
BenaglioDiegoNacional MadeiraTorwart
ColtortiFabioGrashopper ZürichTorwart
DjourouJohanArsenal LondonAbwehr
MagninLudovicVFB StuttgartAbwehr
SenderosPhilippeArsenal LondonAbwehr
GrichtingStephaneAJ AuxerreAbwehr
SpycherChristophEintracht FrankfurtAbwehr
BehramiValon

Lazio Rom

Abwehr
MüllerPatrickOlympiquelyonAbwehr
DegenPhilippBorussia DortmundAbwehr
MargairazXavierFC ZürichMittelfeld
VogelJohannAC MailandMittelfeld
CabanasRicardo1.FC KölnMittelfeld
WickyRaphaelHamburger SVMittelfeld
GygaxDanielOSC LilleMittelfeld
DegenDavidFC BaselMittelfeld
DzemailiBlerimFC ZürichMittelfeld
BarnettaTranquilloBayer LeverkusenMittelfeld
FreiAlexanderStade RennesAngriff
StrellerMarco1.FC KölnAngriff
LustrinelliMauroSparta PragAngriff
YakinHakanYoung Boys BernAngriff

Land:
Lage/Größe: Mittel-Europa - (Weltrang: 133): 41 285 qkm
Bevölkerung: 7 489 370 Einwohner
Hauptstadt: Bern - 127 153 Einwohner
Staatsform: Parlamentarischer Bundesstaat
Bundespräsident: Samuel Schmid
Bruttoinlandsprodukt (BIP), Dollar pro Kopf: 2004: 48 384 US$
Landessprache: Deutsch, Französisch, Italienisch, z. T. Rätoromanisch

Fußball:
Schweizerischer Fußball-Verband (SFV/ASF)
Präsident: Ralph Zloczower
Trainer: Jakob "Köbi" Kuhn
Gründungsjahr: 1895
FIFA-Mitglied seit: 1904

WM-Bilanz
1934: Viertelfinale
1938: Viertelfinale
1950: Vorrunde
1954: Viertelfinale
1962: Vorrunde
1966: Vorrunde
1994: Achtelfinale

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