WM-Teilnehmer im Porträt
Serbien-Montenegro – Die Unscheinbaren

Die Nachfolgemannschaft des Jugoslawischen Teams verwies in der Qualifikation die Spanier auf den zweiten Tabellenplatz und damit in die Relegation. Trotzdem geben sich die Balkan-Kicker bescheiden.

HB DÜSSELDORF. Der Neid aufs Nachbarland war greifbar: In den vergangenen Jahren war Kroatien den Kickern aus Serbien und Montenegro immer einen Schritt voraus. 1998 blieben die Serben, damals noch als Jugoslawien, bei der WM im Achtelfinale auf der Strecke - Kroatien wurde Dritter. Letztere schieden 2002 zwar schon in der Vorrunde aus - Jugoslawien hatte das WM-Ticket allerdings verpasst.

Bei der WM 2006 läuft die junge Nation erstmals als Serbien und Montenegro auf - der Staat (10,4 Millionen Einwohner) existiert unter diesem Namen seit Februar 2003 - und will die große jugoslawische Fußball-Tradition weiterführen. Bereits 1930 trat der Balkanstaat als eines von nur vier europäischen Ländern bei der ersten WM in Uruguay an und unterlag erst im Halbfinale dem Gastgeber. 1954 und 1958 scheiterte Jugoslawien jeweils im Viertelfinale an Deutschland, ehe 1962 mit Platz vier der größte Erfolg - neben Olympia-Gold 1960 - gelang. Nach einer langen Krise unterbrochen von einem starken Auftritt bei der WM 1974 fand Jugoslawien erst Ende der 80er Jahre zu alter Stärke zurück. Die große Generation von Roter Stern Belgrad um Dragan Stojkovic, Robert Prosinecki und Dejan Savicevic glänzte bei der WM 1990 in Italien. Zwar unterlag die Elf des damaligen Trainers Ivica Osim einer überragenden deutschen Mannschaft in der Vorrunde mit 1:4, nach einem 2:1 im Achtelfinale gegen Spanien scheiterte Jugoslawien aber erst in der Runde der letzten Acht nach Elfmeterschießen am späteren Finalisten Argentinien - es war der letzte internationale Auftritt, ehe der Vielvölkerstaat nach den Kriegswirren in seine Einzelteile zerbrach.

Mit Stars wie Stojkovic, Savicevic, Predrag Mijatovic, Sinisa Mihajlovic oder Vladimir Jugovic gehörte Serbien und Montenegro/Rest-Jugoslawien noch 1998 in Frankreich zu den WM-Mitfavoriten, kam aber nicht über das Achtelfinale hinaus. Und so soll anno 2006 mehr das Team der Star sein, Nationalcoach Ilija Petkovic setzt auf das Kollektiv. Und das mit Erfolg: Trotz so starker Gegner wie Spanien und Belgien marschierten die Serben ungeschlagen als Gruppensieger durch die Qualifikation. Die Chancen stehen daher gar nicht mal so schlecht, um 2006 alte WM-Rechungen zu begleichen: Zu den Vorrunden-Gegnern zählen Argentinien und die Niederlande - die Endstationen bei den Turnieren 1990 und 1998.

Das Selbstvertrauen zumindest stimmt: "Im Vergleich zur vorigen Generation sind wir individuell vielleicht nicht so gut. Aber wir machen dies durch Teamgeist und Kampfgeist wett", sagt Dejan Stankovic. Der Mittelfeldspieler von Inter Mailand ist neben Stürmer Mateja Kezman bekanntester Kicker im Kader. Stankovic, einst der berühmten Roter-Stern-Schule entsprungen, wechselte 1998 für 15 Millionen Euro zu Lazio Rom, wo er in fünf Jahren zu einem Spieler von internationalem Format reifte. In Deutschland ist der Dreh- und Angelpunkt im serbischen Spiel der große Hoffnungsträger seiner Nation - und das nicht nur sportlicher Natur, soll doch die WM das Ansehen Serbiens in der Welt maßgeblich steigern, wie Coach Petkovic betont: "Für mich persönlich bedeutet die Tatsache, dass man 2006 über unser Land spricht und uns Respekt entgegenbringt, obwohl man Probleme mit der Aussprache unseres Landesnamen hat, mehr als alles andere."

Trainer Petkovic musste zwischenzeitlich auf den verletzten Angreifer Mirko Vucinic verzichten. Für ihn wurde sein Sohn Dusan Petkovic nachnominiert. Der 32 Jahre alte Mittelfeldspieler hat aber inzwischen das Trainingslager von Serbien und Montenegro wieder verlassen. Damit reagierte er auf die harsche Kritik der heimischen Medien an seiner Nachnominierung als Ersatz für den verletzten Stürmer Mirko Vucinic. Da Petkovic nicht verletzt ist, darf die Teamleitung für ihn keinen anderen Spieler nachnominieren und geht deshalb mit nur 22 statt der erlaubten 23 Spieler in die WM-Endrunde.

Land:
Lage/Größe: Südost-Europa - (Weltrang: 106): 102 173 qkm
Bevölkerung: 10 829 175 Einwohner
Hauptstadt: Belgrad - 1,17 Mio. Einwohner
Staatsform: Staatenunion (Rechtsnachfolger der Bundesrepublik Jugoslawien)
Staats- und Ministerpräsident: Svetozar Marovic
Bruttoinlandsprodukt, Dollar pro Kopf: 2004: 2893 US$
Landessprache: Serbisch

Fußball:
Football Association of Serbia and Montenegro (FSSCG)
Präsident: Tomislav Karadzic
Trainer: Ilija Petkovic
Gründungsjahr: 1919
FIFA-Mitglied seit: 1919

WM-Bilanz:
bisher als Jugoslawien (zuletzt 1998: Achtelfinale)

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