WM-Teilnehmer im Porträt
Tschechien – Die gut geölte Tormaschine

Der tschechische Trainer Karel Brückner kann sich zweier Dinge erfreuen, die es für ein erfolgreiche Fußballteam braucht. Herausragende Stars und eine funktionierende Mannschaft.

HB DÜSSELDORF. Pavel Nedved sank jubelnd auf die Knie, Trainer Karel Brückner sprach nachher vom größten Erfolg seiner Karriere - in den Play-offs der WM-Qualifikation setzte sich die Tschechische Republik gegen Norwegen durch und löste damit das Ticket für die Endrunde. Zum ersten Mal seit der Auflösung der Tschechoslowakei 1993.

13 Jahre nach Beginn der Eigenständigkeit reist der "ewige Geheimfavorit" Tschechien nun mit großen Ambitionen nach Deutschland. Seit Jahren wird das Team schon für seinen technisch brillanten und schnellen Offensivfußball gelobt, brachte es bei zwei Europameisterschaften auch zu beachtlichen Erfolgen, scheiterte aber 1998 und 2002 in der Qualifikation zur WM. Dabei gilt Tschechien - und nicht die Slowakei - als der legitime "Erbe" der großen tschechoslowakischen Fußballtradition. 1934 in Italien wurde das Team um Torjäger Oldrich Nejedly Vizeweltmeister, 1962 wiederholten Spielmacher Josef Masopust und seine Mitspieler dieses Kunststück. Am 20. Juni 1976 in Belgrad gab es dann den einzigen großen Titel für die CSSR: Im Elfmeterschießen des EM-Finales verwandelte Antonin Panenka den entscheidenden Strafstoß zum Sieg gegen Deutschland.

"Diese Mannschaft ist die beste unserer Geschichte", adelt Tschechiens Legende Masopust die Auswahl von Coach Brückner und stellt hohe Erwartungen: "Das Viertelfinale ist das Minimalziel". Einer zusätzlichen Motivationsspritze bedarf es jedoch nicht im tschechischen Team: Für die letzten verbliebenen der "goldenen Generation" sind die Titelkämpfe in Deutschland die letzte Chance, ihr Talent doch noch zu vergolden. "Ich bin glücklich, dass ich gemeinsam mit den älteren Spielern beweisen kann, dass wir noch keine verlorene Generation sind", meint Spielmacher Nedved. Der Mittelfeldmotor von Juventus Turin ist der Kopf und das Herz des tschechischen Spiels. Eigentlich hatte der Blondschopf nach der EM 2004 seinen Rücktritt verkündet, in den Play-off-Spielen gegen Norwegen kehrte Europas Fußballer des Jahres 2003 aber dann doch zurück. Wie seine Altersgenossen Karel Poborsky, Vladimir Smicer und Kapitän Tomas Galasek will er es noch einmal wissen.

Die Rückkehr von Superstar Nedved ("Ich wollte unbedingt einen Teil dazu beitragen, dass diese tolle Mannschaft zur WM fährt") war auch ein Verdienst von Trainer Brückner. Der erfahrene Stratege führte viele Gespräche mit seinem Leitwolf und setzt voll auf dessen Führungsqualitäten. Dabei kann der wortkarge Coach auf weitere Topspieler zurückgreifen: Im Mittelfeld agiert Tomas Rosicky (Borussia Dortmund) neben Nedved in der Kreativzentrale, im Sturm soll der pfeilschnelle Milan Baros (Aston Villa) für Tore sorgen. Nach seinem Kreuzbandriss muss Jan Koller (Borussia Dortmund), feste Größe und treffsicherste Angreifer im System von Brückner, um seine Teilnahme an der Endrunde noch bangen. Und auch an Talenten mangelt es den Osteuropäern nicht: Keeper Peter Cech (Chelsea London), Angreifer Tomas Jun (Trabzonspor) oder Mittelfeldspieler Jaroslav Plasil (AS Monaco) gehören ebenfalls zum festen Stamm des Teams.

"Ich habe zwei Europameisterschaften gespielt, das war toll. Aber eine WM ist noch größer", fasst Rosicky die Euphorie in seinem Land zusammen. In Deutschland gehört das Team jedenfalls zum Kreis der Favoriten und sieht sich auch selber ganz selbstbewusst als Titelanwärter. In Gruppe E bekommt es Tschechien zum Auftakt am 12. Juni in Gelsenkirchen mit den USA zu tun. Fünf Tage später trifft Brückners Team in Köln auf WM-Neuling Ghana, zum Abschluss der Vorrunde ist am 22. Juni in Hamburg Italien der Gegner. Mit erfolgreichem Offensivfußball will Tschechien endgültig den Ruf als Geheimfavorit ablegen und sich ganz oben in der Weltspitze etablieren - einen WM-Titel konnte selbst die starke CSSR nie gewinnen.

Land:
Lage/Größe: Mittel-Europa - (Weltrang: 114): 78 866 qkm
Bevölkerung: 10 241 138 Einwohner
Hauptstadt: Prag - 1,2 Mio. Einwohner
Staatsform: Republik
Staatspräsident: Vaclav Klaus
Bruttoinlandsprodukt, Dollar pro Kopf: 2004: 10 494 US$
Landessprache: Tschechisch

Fußball: Football Association of Czech Republic (CMFS)
Präsident: Pavel Mokry
Trainer: Karel Bruckner
Gründungsjahr: 1993
FIFA-Mitglied seit: 1994

WM-Bilanz:
bisher nur WM-Teilnahmen als Tschechoslowakei (8)

Seite 1:

Tschechien – Die gut geölte Tormaschine

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%