WM-Testlauf
Bühne frei für den Confed Cup in Afrika

Ein Jahr vor der Fußball-Weltmeisterschaft lädt Südafrika beim Confederations Cup zur großen Generalprobe. Vom 14. bis 28. Juni soll beim Testlauf in Johannesburg, Pretoria, Rustenburg und Bloemfontein der WM-Ernstfall geprobt werden - und den Kritikern mit einem emotionalen Fußball-Fest das freundliche und farbenfrohe Gesicht Afrikas gezeigt werden.

HB JOHANNESBURG. Sportlich ist die achte Auflage des Konförderationen-Turniers erstklassig besetzt. Weltmeister Italien fordert Rekordchampion und Titelverteidiger Brasilien. Ägypten und die USA sind in dieser Gruppe nur Außenseiter. Europameister Spanien bekommt es mit der wieder erstarkten Gastgeber-Elf "Bafana Bafana" zu tun - und die Exoten aus dem Irak und Neuseeland sorgen für Fußball-Multikulti-Flair.

Im weltweiten Fokus stehen in Südafrika aber für zwei Wochen die großen Problembereiche Sicherheit und Turnier-Logistik mit den Schwerpunkten Transport und Unterbringung von Teams und Fans. Die Organisatoren sehen sich auf einem guten Weg. "Ja, das Image des Landes hat sich im Ausland bereits dramatisch gewandelt", sagte Chef-Organisator Danny Jordaan. Der noch im Vorjahr von Fifa-Präsident Joseph Blatter mit einem Plan-B nicht ausgeschlossene Turnier-Entzug ist derzeit vom Tisch. "Ich denke, dass das Land gut vorbereitet ist", sagte DFB-Schatzmeister Horst R. Schmidt, der vom Weltverband Fifa als erfahrener WM-Macher als Berater engagiert wurde und vor Ort wertvolle Amtshilfe leistet. Der Architekt des Sommermärchens 2006 erinnerte daran, dass auch in Deutschland ein Jahr vor der WM noch das "eine oder andere Problem im organisatorischen Ablauf" herrschte.

Südafrika sieht sich gut präpariert, die Kontinental-Champions zu empfangen. Mit großem Stolz zelebrierte die Kap-Republik am Sonntag - knapp ein Jahr vor Beginn der WM - die Einweihung der ersten neuen WM-Arena, des Nelson Mandela Bay Stadions, in Port Elizabeth. "Für uns ist die Eröffnung des ersten WM-Stadions ein enormer Fortschritt. Es demonstriert die Kraft von Südafrikas Bauindustrie und beweist unseren Willen, alles in die Tat umzusetzen", sagte der umtriebige WM-OK-Chef Jordaan. Im Dezember sollen die zehn WM-Stadien fertig sein, sechs davon sind komplett neu, vier umgebaut.

"Afrika ist das Theater, Südafrika ist die Bühne" - mit diesem Motto wollen die Veranstalter Besucher in den "Zuschauerraum" - sprich: in die Stadien - locken. Doch nachdem der Kartenverkauf eher schleppend anlief, vereinfachten die Organisatoren das Verfahren, um den Absatz anzukurbeln. Dennoch blieb der Verkauf hinter den Erwartungen zurück. Etwa 70 Prozent der Karten sind verkauft, fast die Hälfte davon allerdings an einen Großsponsor. "Auf der anderen Seite müssen wir uns natürlich auch in Erinnerung rufen, dass wir das in Deutschland auch nicht geschafft haben. Damals kamen wir auf 86,7 Prozent verkaufte Eintrittskarten", sagte Schmidt.

Am Sonntag beginnt der Confederations Cup als WM-Generalprobe in den vier Städten Johannesburg, Rustenburg, Mangaung/Bloemfontein und Tshwane/Pretoria. Danach dürfte deutlicher werden, wie weit das Land am Kap der guten Hoffnung in Wirklichkeit ist. Denn Südafrika bleibt ein Land der großen Gegensätze, gebeutelt von großer Armut, Gewalt und Kriminalität. Gleichsam geliebt von vielen wegen seiner atemberaubenden Schönheit und der Gastfreundlichkeit seiner Menschen, die wiederum mit großer Vorfreude der WM im kommenden Jahr (11. Juni bis 11. Juli 2010) entgegenblicken.

Der WM-Testlauf findet zu einer Zeit statt, in der auch Südafrika von der globalen Krise getroffen wird. "Technisch gesehen geht das Land im zweiten Quartal 2009 in eine Rezession", sagt der Star-Ökonom des Landes, Iraj Abedian. Sie fällt im internationalen Vergleich jedoch noch relativ milde aus. Beruhigend für ausländische Investoren - wie auch die Fifa - wirkte sich der friedliche Verlauf der Wahlen und des Übergangs der Macht auf den neuen Präsidenten Jacob Zuma aus. Nach monatelanger Skepsis wird seine Regierung mit vorsichtigem Optimismus gesehen.

Das größte Problem dürfte weiterhin die Sicherheit sein. Nach wie vor werden am Kap etwa 50 Morde und 100 Vergewaltigungen gezählt - pro Tag wohlgemerkt. Hinzu kommen unzählige Raubüberfälle, "Car Napping" gehört ebenfalls zum Alltag im einstigen Apartheid-Staat. Zumindest mit Blick auf die gefürchteten Hooligans vorgesorgt: Interpol hat ein Büro am Kap eröffnet und die Behörden mit den Listen der bekannten Fußball-Rowdies versorgt.

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