Wolfsburg atmet auf
Gefrustete Bayern hadern mit sich selbst

dpa WOLFSBURG. Rang eins futsch und die Stimmung beim Oktoberfest-Ausflug trotz gegenteiliger Bekundungen wohl vermiest: Für den deutschen Rekordmeister Bayern München endete die englische Woche mit dem 0:1 (0:1) beim VfL Wolfsburg frustrierend.

„Wir wollen eine ganz große Mannschaft werden - dann müssen wir solche Spiele gewinnen. Das ist das Schwerste, was es gibt. Da müssen wir uns noch mehr zusammenreißen. Wir müssen wissen, dass der FC Bayern überall, wo er auftritt, 120 Prozent geben muss“, sagte Torhüter Oliver Kahn nach der zweiten Auswärtspleite in der Fußball-Bundesliga nacheinander.

Bayerns Nummer eins hatte genügend Luft für seine Wutrede, denn er war über die 90 Minuten hinweg praktisch beschäftigungslos. Der Routinier bekam nur einen gefährlichen Ball auf sein Gehäuse. Der aber war drin. Nationalspieler Mike Hanke ließ sich in der 36. Minute die Chance nicht entgehen und beendete seine monatelange Ladehemmung mit einem platzierten Torschuss ins lange Eck, der letztlich die Entscheidung bedeutete. „Da haben wir einen Fehler gemacht, den wir nicht mehr korrigieren konnten“, haderte Bayern-Trainer Felix Magath.

Bis dato und auch danach hatte seine Mannschaft das Geschehen eigentlich im Griff. Mehr aber auch nicht. Der Zug nach vorn fehlte - abgesehen von einer kurzen Einlage in der 30. Minute - praktisch durchgängig. Wirkliche Chancen hatten die Gäste trotz ständiger Feldüberlegenheit auch in Halbzeit zwei nicht aufzuweisen. „Wir haben das Spiel zwar dominiert, aber zu früh in die Mitte gedrängt, um zu Chancen zu kommen. Da war kein Platz“, resümierte Magath. So konnte er wechseln, wie er wollte. Es gab eigentlich keinen Moment, in dem der Ausgleich zwingend in der Luft lag.

Das ärgerte Magath, störte Kahn und auch den Rest der Mannschaft, die nach dem Abpfiff zum großen Teil nicht einmal den Weg in die voll besetzte Fan-Kurve fand. „Jetzt gehen wir aufs Oktoberfest, ersäufen unseren Kummer und dann greifen wir wieder an“, versprach der Coach vor der zweiwöchigen Punktspielpause. Auch Kahn will auf die Maß nicht verzichten: „Mein Leben hängt nicht von einer Niederlage ab.“

Die „Wölfe“ hatten in der jüngsten Vergangenheit zu viele Pleiten wegstecken müssen. Umso frenetischer entlud sich die Freude der 30 000 Zuschauer in der ausverkauften Volkswagen Arena und der Mannschaft von Trainer Klaus Augenthaler, die einem Heimsieg seit Februar vergeblich hinterher gerannt war. „Ich habe immer gesagt, dass die Mannschaft intakt ist. Das hat sie heute bewiesen“, lobte der einstige Bayern-Star die Moral seiner Truppe. „Wir haben auch in den vergangenen Spielen schon gute Ansätze gezeigt. Nur die Ergebnisse haben gefehlt. Heute sind wir belohnt worden.“

Auch Matchwinner Hanke konnte das Glück, ausgerechnet gegen die übermächtigen Bayern gewonnen zu haben, kaum fassen. „Das Tor habe ich meinem Baby gewidmet. Das wird ein WM-Kind“, erzählte der Angreifer freudestrahlend. Geboren wird Hanke junior allerdings erst im nächsten Jahr, und bis dahin will der Vater in spe die Krise der „Wölfe“ endgültig weggeschossen haben. „Das war heute ein guter Anfang. Jetzt müssen wir nachlegen.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%