Zahlreiche Übungsleiter stehen vor dem Aus
Parreira - ein mögliches Opfer unter vielen

28 Teams sind bei der WM-Endrunde bereits ausgeschieden. Gerade bei den "großen" Fußball-Nationen fordert ein frühes Aus immer wieder Opfer in der Trainer-Gilde. Auch diesmal mussten Zahlreiche Übungsleiter gehen.

In Brasilien gehört es fast schon zum guten Ton, einen Trainer nach erfolgloser WM zu entlassen. Sollte Carlos Alberto Parreira daher beim blamierten und entthronten Weltmeister weiter im Amt bleiben, wäre das bereits ein Grund die heimischen Geschichtsbücher umzuschreiben. "Es gab in unserem Land noch keinen Trainer, der nach einer erfolglosen WM weitergearbeitet hat", sagte der 63-Jährige nach dem Viertelfinal-Aus des fünfmaligen Titelträgers. Sein Rücktritt scheint beschlossene Sache zu sein, womit Parreira Nationalcoach Nummer zwölf wäre, dessen Ära zu Ende geht.

Parreira, der sich zum dritten Mal nach 1983 und 1994 von der "Selecao" verabschieden würde, will jedoch erst nach seiner Rückreise in die Heimat Auskunft über seine Zukunft geben. Dass sich die Medien aus Südamerika nach der 0:1-Pleite gegen Frankreich kaum für seine Pläne interessierten, spricht Bände. Denn Perreira wird das Gesetz der brasilianischen Trainer-Serie nach dem schlechtesten WM-Ergebnis seit 1990 (Achtelfinal-Aus) nicht brechen, da sind sich die Experten sicher.

Sein argentinischer Kollege Jose Pekerman kam den heimischen Journalisten zuvor und erklärte bereits wenige Minuten nach dem WM-Aus des Top-Favoriten Argentinien gegen Gastgeber Deutschland (1:1 n.V, 2:4 i.E.) seinen Rücktritt. "Das war´s. Ein Zyklus ist zu Ende, ich werde sicher nicht weitermachen", sagte Pekerman. Zwölf Jahre hatte er an seinem Projekt 2006 gearbeitet, zunächst in der Nachwuchsabteilung des Verbandes und seit September 2004 auf dem Chefposten. Auch für ihn war das plötzliche Aus ein schwerer Schlag, wie er mit den Tränen kämpfend bekannte. Angeblich liegen dem 56-Jährigen Angebote diverser Klubs im Ausland vor.

Auch Eriksson zeigt Gefühle

Obwohl sein Abschied vor dem Vertragende 2008 seit Monaten feststand, zeigte auch Sven-Göran Eriksson Gefühle. "Fünfeinhalb Jahre sind eine lange Zeit. Ich bin traurig, enttäuscht und sogar verärgert, dass wir nicht mehr erreicht haben", meinte der Schwede nach dem 1:3 im Elfmeterschießen gegen Portugal (0:0 n.V.). Die Latte für Nachfolger Steve Mcclaren vom Uefa-Cup-Finalisten FC Middlesbrough (Vertrag bis 2008) für die im September beginnende EM-Qualifikation liegt nicht viel niedriger. Denn das Mutterland des Fußballs wartet seit nunmehr 40 Jahren vergeblich auf einen Titel. Eriksson muss sich um seine Zukunft keinen Kopf machen, unter anderem Real Madrid ist als neuer Arbeitgeber im Gespräch.

Die Königlichen, der englische Verband (FA) sowie Fenerbahce Istanbul, das einen Nachfolger für Christoph Daum sucht, hatten ihre Fühler nach Luiz Felipe Scolari ausgestreckt. Nach der Vize-Europameisterschaft 2004 und dem jüngsten Einzug ins WM-Halbfinale rechnen die Portugiesen mit dem Verbleib des Brasilianers für weitere zwei Jahre. Doch noch ist die Zukunft von "General Felipao" offen - wie bei insgesamt acht weiteren WM-Trainern.

Fans halten Aragones im Amt

Nägel mit Köpfen machte Spaniens Nationaltrainer Luis Aragones. Nachdem er die Stimmung im Land nach dem Achtelfinal-Aus gegen Frankreich (1:3) ausgelotet hatte und sich sogar rund 65 Prozent der Fans in diversen Umfragen für ein weiteres Engagement aussprachen, verlängerte der 67-Jährige seinen Vertrag um zwei Jahre. "Weil ich eine gute Basis sehe. Ich denke, dass ich mit dieser Mannschaft noch Einiges bewegen kann", sagte der Ex-Profi, der mit seiner verjüngten Mannschaft die ersten Früchte bei der EM in zwei Jahren ernten will.

So weit will Raymond Domenech derzeit nicht denken. Der Franzose genießt den augenblicklichen Höhenflug, nachdem ihm beim schwerfälligen WM-Start der "Equipe Tricolore" heftiger Gegenwind ins Gesicht blies. Doch spätestens nach dem überzeugenden 1:0-Sieg gegen Titelverteidiger Brasilien sind die Kritiken verstummt, die unter seiner Regie im Rahmen einer Verjüngungskur beinahe verpasste WM-Qualifikation vergessen.

Mit seinen "Fußball-Rentnern", der im Schnitt ältesten Mannschaft des Turniers um den reaktivierten Zinedine Zidane, steuert Domenech auf Titelkurs. Ob Frankreichs Verband - oder er sich selbst - den zweiten Versuch der anstehenden Verjüngungskur mit Blick auf 2008 zutraut, steht in den Sternen.

© SID

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