ZDF vor Ausstieg aus Rechtepoker
Es gibt kein Grundrecht auf Champions League

Die Champions League im Free-TV – das war einmal. Die Fußball-Eliteklasse verschwindet hinter der Bezahlschranke, entweder gleich, sonst in absehbarer Zeit. Und das ist auch eindeutig richtig so. Ein Kommentar.
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DüsseldorfDer Profifußball, er droht hinter der Bezahlschranke zu verschwinden. „Bild“ und „Kicker“ berichten unisono, dass im laufenden Ausschreibungsverfahren für die Übertragungsrechte der Champions League für das ZDF die Schmerzgrenze erreicht ist. Aus, Ende, vorbei – keine Königsklasse mehr im Free-TV. Gegen die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt bieten die Sendergruppe Sky und der Streamingdienst Dazn.

Das ZDF hat vorerst dementiert, doch es ist unwahrscheinlich, dass sich das gebührenfinanzierte Zweite Deutsche Fernsehen jetzt noch auf ein Wettbieten mit den Privaten einlässt. Das Gebot liegt bereits bei 70 Millionen Euro jährlich und damit mehr als 15 Millionen Euro höher als bei der vergangenen Rechtevergabe. Die Uefa, sie möchte für drei Jahre insgesamt 600 Millionen Euro sehen. Die Rechtepakete könnten dann Sky und Dazn in unterschiedlicher Gewichtung unter sich aufteilen. Und man muss sagen: Das ist richtig so.

Wenn über Entwicklungen im Vereinsfußball gesprochen wird – egal, ob sportlich oder wirtschaftlich –, wird meist der Begriff „Verhältnis“ bemüht. Es herrschen spanische Verhältnisse, wenn wenige Spitzenklubs den gesamten Ligabetrieb dominieren. Dies gilt als wenig erstrebenswert, da für die Zuschauer unattraktiv. Die Vereine hingegen gieren nach englischen Verhältnissen: Klubs, die aus der TV- und Eigenvermarktung so viel Geld ziehen, dass selbst die Abstiegskandidaten der Premier League über höhere Einnahmen verfügen können als der Großteil der Bundesligisten.

Einer der Schlüssel dazu: Die Engländer verkaufen die Übertragungsrechte an Sender, die sie nicht über Werbung oder öffentliche Mittel finanzieren, wie in Deutschland, sondern die sie weiterkaufen – an uns, die Endverbraucher. Das Pay-TV-Prinzip ist in weiten Teilen der westlichen Welt eine Selbstverständlichkeit. Egal ob Filme, aktuelle Serien oder Sport: Wenn ich etwas sehen möchte, muss ich dafür zahlen.

In Deutschland hat sich über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die über die im Rundfunkstaatsvertrag garantierte Grundversorgung eine andere Fernsehkultur entwickelt. Dabei handelt es sich mehr um die Illusion von „Free-TV“, da inzwischen jeder Haushalt die Gebühr zwangsverordnet bekommt, jedoch keinerlei Möglichkeit der Programmgestaltung hat. Natürlich lässt sich da argumentieren: Wenn ich schon zahle, will ich auch Fußball sehen! Aber Fußball gibt es ja auch weiterhin. Länderspiele, Großturniere, derzeit noch den DFB-Pokal.

Daraus ein Grundrecht auf Champions-League-Spiele abzuleiten, wäre aber grundfalsch. Natürlich weckt ein Champions-League-Finale mit deutscher Beteiligung öffentliches Interesse und sollte daher auch frei übertragen werden. Das heißt aber nicht, dass das bei ARD und ZDF geschehen muss. Und es heißt auch nicht, dass das ZDF jede Summe mitbieten muss, nur um die persönlichen Vorlieben einer Gruppe Fußballfans zu erfüllen. Es gibt in Deutschland immer noch weitaus mehr Menschen, die sich nicht für die einzelnen Partien von Borussia Dortmund, dem FC Bayern München oder auch Bayer Leverkusen interessieren, als umgekehrt.

Mit dem Geld, was sich das ZDF jetzt wahrscheinlich spart, sollte das Zweite sich allerdings einem anderen Teil des Grundversorgungsauftrags annehmen: dem Breitensport. Wieder mehr Zeit für Leichtathletik, Länderspiele von Nationalmannschaften anderer Sportarten, Turnen, Ringen – die Liste potenzieller Einsatzgebiete ist lang.

Kommentare zu " ZDF vor Ausstieg aus Rechtepoker: Es gibt kein Grundrecht auf Champions League"

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  • @Berger
    Ich stimme Grutte Pier überhaupt nicht zu.
    Die schwitzenden Millionäre spielen in der absolut beliebtesten Sportart Deutschlands und jeder Hilfsarbeiter, Hartz IV Empfänger und 400€-Jobber hat daran sehr große Freude. Diese Leute bleiben ggf. in Zukunft außen vor. Wenn ich außerdem sehe, was ich vom Öffentlich-Rechtlichen heutzutage inklusive der Spartensender geboten bekomme, sind die Gebühren 10 x mehr gerechtfertigt als vor 20 Jahren. Was Privatfernsehen dazu im Gegensatz anbietet, ist doch absolut unerträglich.

  • Richtig. Danke für den guten Kommentar Herr Möthe!

    Eine sinnvolle Alternative wäre, die eingesparten Kosten durch eine Senkung des Rundfunkbeitrags an die Bürger zurück zu geben.

    Ausnahmsweise stimme ich auch Grutte Pier zu, dass eine Reduzierung auf das "Wesentliche" dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gut tun würde, wobei das ZDF ja schon jetzt der wesentlich billigere Teil der Senderanstalten ist.

  • So schreibt jemand, der als Journalist ein fettes Gehalt bezieht und sich nicht um Sozialschwache schert, die vielleicht auch mal ein Championsleague-Spiel sehen wollen und sich keinen Bezahlsender leisten können. Soziale Kälte nennt man das wohl.

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