Zehn Jahre Bosman-Urteil
Alle Macht den Spielern

Der Sieg des belgischen Fußball-Profis Jean- Marc Bosman am 15. Dezember 1995 vor dem Europäischen Gerichtshof hat das Transfersystem revolutioniert und der Bundesliga die gravierendste sportpolitische Niederlage bereitet.

dpa DÜSSELDORF. „Es ist die größte Katastrophe des Club-Fußballs“, stellte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem zehnten Jahrestag des Bosman-Urteils fest. „Die Zeche haben die Vereine bezahlt. Das Urteil hat nur den Spielern geholfen. Ihre Gehälter sind gestiegen - und die Ablösesummen sind weggefallen.“

Für Schalke-Manager Rudi Assauer hat sich die Fußball-Welt in ökonomischer Hinsicht entscheidend verändert. „Der Europäische Gerichtshof hat uns mit seinem Urteil, ich will nicht sagen dramatische, aber doch drastische Einbußen beschert“, resümierte er. „Vor allem, was Spielerverpflichtungen, Ablösesummen und Ausbildungsentschädigungen angeht, wird es enorm kompliziert.“

Besonders einschneidend sind nach Ansicht von Ex-Nationalspieler Wolfgang Overath die Folgen für die nicht so solventen Clubs. „Das Bosman-Urteil ist fast der Tod der kleinen und mittleren Vereine“, sagte der Präsident des Bundesliga-Aufsteigers 1. FC Köln. Denn gerade diese Vereine hätten immer davon gelebt, junge Spieler auszubilden und sie mit Transfer-Gewinn zu verkaufen. „Dieses Geld ist jetzt weg.“ Es gibt zwar eine Regelung für eine Ausbildungsentschädigung durch die Europäische Fußball-Union (Uefa), die aber laut Bayer 04 Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser erhebliche Lücken hat: „Wie groß die sind, zeigt, dass bei der Uefa 2 500 Verfahren zu diesem Thema anhängig sind.“

Der Wegfall der Ablösesummen und der durch die Kirch-Krise verursachte Rückgang der Fernseheinnahmen haben enorme Löcher in die Kassen der Profi-Vereine gerissen. Für René C. Jäggi, scheidender Vorstandsvorsitzender und Sanierer des 1. FC Kaiserslautern, sind die nackten Zahlen Beleg für den Negativtrend: „Siehe Gewinn- und Verlustrechnung sowie Bilanzen.“ Die einzigen, die sich freuten, seien die Spieler und deren Berater. „Sie und die wenigen finanzstarken Vereine sind die Profiteure“, sagte Jäggi. „Die Schere zwischen Arm und Reich ist weiter auseinander gegangen. Einige können sich teure Spieler leisten, andere nicht“, betonte Assauer.

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