Zentralvermarktung: Juristen halten Uefa-Pläne für wettbewerbswidrig

Zentralvermarktung
Juristen halten Uefa-Pläne für wettbewerbswidrig

Der europäische Fußballverband Uefa will beim Verkauf der TV-Rechte für die Qualifikationsspiele zu Welt- und Europameisterschaften als Monopolist gegenüber den Fernsehanstalten auftreten. Doch während sich Präsident Michel Platini schon die Hände reibt, sehen Juristen einen Verstoß gegen das EU-Kartellrecht - der sich selbst unter Berufung auf Präzedenzfälle nicht rechtfertigen lässt.
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Köln/ParisDie 30.000 Zuschauer waren nicht zu beneiden: Bei der 1:2-Pleite gegen Australien bot die Nationalelf am Dienstagabend eine fragwürdige Vorstellung. Den Deutschen Fußball-Bund (DFB) dürfte das wenig kümmern, denn die Partie hatte vor allem wirtschaftliche Gründe: Die Heimspiele der Nationalmannschaft sind der wichtigste Teil des Vertrags mit ARD und ZDF, mit dem der DFB einen Großteil seiner Einnahmen erzielt. Geschätzte 80 Millionen Euro erhält der Verband jährlich aus der TV-Vermarktung, doch das reicht ihm nicht. Vergangene Woche stimmte der DFB beim Kongress des europäischen Fußballverbands Uefa in Paris einem Vorhaben zu, das ihm noch mehr Geld bringen soll: Künftig soll die Uefa die TV-Rechte für die EM- und WM-Qualifikationsspiele zentral vermarkten – und als europaweiter Monopolist höhere Preise erzielen.

Doch während sich die Funktionäre bereits die Hände reiben, so könnte ihnen die EU-Kommission noch einen Strich durch die Rechnung machen. Denn nach Ansicht von Juristen verstößt der Beschluss gegen das europäische Wettbewerbsrecht: „Die Zentralvermarktung von Sportrechten ist per se wettbewerbswidrig“, sagt der Kartellrechts- und Sportrechtsexperte Marco Hartmann-Rüppel von der internationalen Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing. „Solche Wettbewerbsbeschränkungen sind nur unter strengen Voraussetzungen gerechtfertigt.“

Könnte das neue Einnahmemodell doch noch platzen? Der DFB geht davon aus, dass die von der Uefa geplante Zentralvermarktung nicht gegen EU-Wettbewerbsrecht verstößt. Auch die Uefa hat keine Bedenken - sie hofft auf die Präzedenzfälle im europäischen Sportrecht. So haben die EU-Wettbewerbshüter die Zentralvermarktung der Champions League, der englischen Premier League und der deutschen Bundesliga akzeptiert. „Die Gründe von damals aber greifen bei Länderspielen nicht“, sagt Hartmann-Rüppel. So müsse die Zentralvermarktung entweder die Produkte oder deren Vertrieb fördern oder die Effizienz steigern – etwa durch die Bildung einer starken Marke. Von der Produktentwicklung oder der Effizienzsteigerung müsse gleichzeitig der Verbraucher profitieren. Beides sei bei der Zentralvermarktung der Länderspiele nicht gegeben, sagt der Experte.

Beispiel Bundesliga: Hier rechtfertigt der Solidargedanke eine Ausnahme vom Kartellrecht. Weil die Deutsche Fußball Liga (DFL), die für die Vereine die Vermarktung übernommen hat, die Erlöse recht ausgewogen unter den Ligamitgliedern verteilt, kommt das vor allem den kleinen Klubs zugute. Die können mit dem zusätzlichen Geld beispielsweise bessere Spieler kaufen, was ihre Wettbewerbsfähigkeit steigert. Damit nimmt die Konkurrenz in der Liga zu, zudem profitieren die Verbraucher – denn in einer ausgewogenen Liga ist auch die Spannung größer.

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  • Wenn es keine Subventionen über öffentlich/rechtliche Sendeanstalten gäbe, würden die Preise nicht so utopisch sein. Und warum die sich nicht an den Kosten (Sicherheit, Infrastruktur etc.) beteiligen, bleibt auch schleierhaft. Ich kann nur sagen: "Brot & Spiele"

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