Zu hartes Training, Wohnort in den USA und „Besserwisserei“
Mit schweren Beinen

Bundestrainer Jürgen Klinsmann trifft sich heute mit Vertretern der Bundesliga-Vereine zum Krisengespräch. Die „Wohnsitzdebatte“ scheint im Streit mit dem DFB-Coach indes nur vorgeschoben zu sein. Denn es sind andere Punkte, über die sich Trainer und Manager wirklich echauffieren.

FRANKFURT/M. Am Sonntag erschien Jürgen Klinsmann überraschend beim Spiel Bayer Leverkusen gegen VfB Stuttgart. Eigentlich wollte der Bundestrainer erst 48 Stunden später aus Huntington Beach, seinem Wohnsitz in Kalifornien, anreisen – pünktlich zu seinem heutigen Gespräch mit führenden Vertretern der Bundesliga-Vereine in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main.

Mit dem unplanmäßigen Besuch der Partie vor dem „Krisengipfel“ versuchte Klinsmann, die harsche Kritik abzuschwächen, er sehe zu wenig Bundesliga-Spiele und könne sich kein fundiertes Urteil über den Leistungsstand deutscher Vereine erlauben. „Ich bin sicher, dass sich alle Wogen glätten werden“, sagte Klinsmann mit Blick auf das heutige Treffen: „Ich denke, dass wir danach wieder auf einer Wellenlänge liegen werden.“ Der 40-Jährige wird dafür die Verärgerung in der Branche ernst nehmen müssen.

Dass er den nationalen Klubfußball als zweitklassig abstempelt, gemessen an internationalen Standards, ist ein Kernpunkt der Differenzen. Während Völler früher Italien und Spanien als das Nonplusultra pries, lobt Klinsmann die Klasse der englischen Premier League. Sein Assistent Joachim Löw ging sogar soweit, dass er den FC Chelsea als Vorbild für die deutsche Nationalmannschaft nannte.

Dass die Kritik an Klinsmann von Bayern-Manager Uli Hoeneß besonders heftig war, ist vor diesem Hintergrund nachzuvollziehen. Klaus Allofs, Sportdirektor von Werder Bremen, war derjenige, der die Bruchstellen am deutlichsten hervorhob, indem er das Training der Nationalspieler in Frage stellte. Denn die Hauptkritik richtet sich nicht auf die Fitnesstests, die Klinsmann vor den Länderspielen in der Türkei (1:2) und gegen China (1:0) ansetzte. Aber dass er ein hartes Trainingsprogramm durchzieht, ohne Rücksicht auf die Anforderungen der im Europapokal beschäftigten Vereine, halten Liga-Vertreter dem DFB-Trainerstab als größten Fehler vor. Mehrere Nationalspieler haben bei ihren Klubs über die intensiven Übungseinheiten im Nationalteam geklagt. Sie passten überhaupt nicht in den Rhythmus, den die Vereine saisonübergreifend planen. Die Länderspiele müssten mit „schweren Beinen“ bestritten werde, klagte ein Spieler schon nach der Partie in der Slowakei (0:2).

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