Zu rutschig, zu hart, zu hoch
Spieler werden mit WM-Rasen nicht grün

Spieler und Trainer sind nach den ersten vier WM-Tagen ganz und gar nicht mit dem Zustand des Rasens in den Stadien zufrieden. Das "Rasen-Kompetenzteam" weist allerdings jede Kritik zurück.

Mit dem Zustand des "heiligen Grüns" in den Stadien können sich Spieler und Trainer der bislang beteiligten Teams nicht anfreunden: Zu rutschig, zu lang, zu hart, zu fleckig sei der Rasen. Das eigens für die Endrunde geschaffene Rasen-Kompetenzteam des Organisationskomitees (OK) aber wehrt sich gegen die Vorwürfe. "Wir sind mit unserer Arbeit nicht unzufrieden, bislang hat sich auch noch kein Team offiziell beschwert. Ich weiß nicht, ob eine andere Weltmeisterschaft jemals so gleichmäßige Rasenflächen hatte", sagt Kompetenzteam-Mitglied Rainer Ernst.

Landschaftsarchitekt Ernst und sein Kollege Engelbert Lehmacher sind zusammen mit den Greenkeepern der WM-Stadien für die Beschaffenheit der Grüns verantwortlich - doch nach Ansicht einiger Akteure haben sie nicht optimal vorgearbeitet. "Der Rasen ist zu rutschig, alle Spieler haben damit zu kämpfen", sagte der deutsche Kapitän Michael Ballack. Zu diesem Schluss konnten nicht nur die Zuschauer der Partie zwischen Italien und Ghana am Montagabend in Hannover (2:0) gelangen, als Spieler beider Teams mehrfach den Halt verloren.

Noch nicht optimal angewachsen

"Rasenflüsterer" Ernst gibt zu, dass der nach Beendigung der Bundesliga-Saison in allen zwölf WM-Stadien und 24 Trainingsplätzen sowie dem Schiedsrichter-Hauptquartier in Neu-Isenburg verlegte Rasen noch nicht optimal angewachsen ist. "Das Problematische an unserer Arbeit ist, dass wir von der Witterung abhängig sind. In den Wochen vor dem Start der WM war es zu kalt, aber das Problem der Standhaftigkeit dürfte in den nächsten Tagen nicht mehr auftreten."

Dafür aber wohl andere: Beim Spiel zwischen England und Paraguay (1:0) durchzogen braune Flecken verbrannter Rasenfläche das Grün im Frankfurter Stadion. Über den trockenen Untergrund in Leipzig beim Vorrundenspiel der Niederlande gegen Serbien und Montenegro in Leipzig (1:0) äußerten erstmals Spieler ihren Unmut. "Wir wollten eigentlich attraktiveren Fußball spielen, aber der Rasen war zu hart", sagte Oranje-Stürmer Ruud van Nistelrooy, dem wie seinen Kollegen Bälle versprungen waren. Der Platz hätte besser bewässert werden müssen, lautete die Forderung.

Diesen Vorwurf will das Kompetenzteam nicht auf sich sitzen lassen. "Da sind uns die Hände gebunden. Das enge zeitliche Korsett der Fifa besagt, dass wir nur bis fünf Stunden vor Beginn der Partie wässern dürfen", sagte der 53-Jährige. Auch bei Temperaturen über 30 Grad dürfe keine Ausnahme gemacht werden.

Über die Beschwerde des japanischen Nationaltrainers Zico, der Rasen sei zu hoch geschnitten, kann Ernst nur schmunzeln. Die Grashalme hätten mit exakt 28 Millimeter alle die gleiche Länge, darüber wurden sämtliche Mannschaften im Vorfeld aufgeklärt.

Keine Wettbewerbsverzerrung

Um den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung erst gar nicht aufkommen zu lassen, wurden Mitte Mai sämtliche Rasenflächen in den Stadien herausgefräst und insgesamt 96 000 Quadratmeter Rollrasen der beiden Produktionsfirmen aus den Niederlande und Hessen neu verlegt - auf Kosten der Stadionbetreiber (jeweils etwa 100 000 Euro).

© SID

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