Zukunft von Parreira noch unklar
Parreira: "Die Leiche mit Anstand begraben"

"Lasst uns die Leiche mit Anstand begraben und aus der Asche stärker zurückkehren als je zuvor", forderte Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira noch im Frankfurter Hotel-Foyer den Generationenwechsel.

Als die WM-Versager am Montag um 5.30 Uhr in der morgendlichen Dämmerung von Sao Paulo landeten, hatten sich nur ein paar Schaulustige unter die wartenden Familienangehörigen und die Journalistenschar gemischt. Das Land der ausgetanzten Sambafußballer ist nach dem Viertelfinal-K.o. gegen Frankreich schnell zur Tagesordnung übergegangen.

"Lasst uns die Leiche mit Anstand begraben und aus der Asche stärker zurückkehren als je zuvor", forderte Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira noch im Frankfurter Hotel-Foyer den Generationenwechsel und mahnte: "Jetzt ist nicht die Zeit der Hexenjagd gekommen."

"Für 2010 und 2014 müssen wir einen neuen Weg gehen"

Überraschend in der Wir-Form erklärte Parreira dann weiter: "Für 2010 und 2014 müssen wir einen neuen Weg gehen." Doch die Nachfolger scharren schon mit den Hufen, auch wenn der als Nummer eins auserkorene Kandidat Wanderley Luxemburgo heftig abwinkt. "Ich bleibe mit viel Stolz Trainer von Santos und habe vor, meinen Vertrag zu erfüllen", sagte der 54-Jährige, der beim Pele-Klub bis Ende 2007 gebunden ist.

Parreira will erst in den nächsten Wochen ein Gespräch mit Präsident Ricardo Teixeira über seine weitere Zukunft beim Verband CBF suchen. "Jetzt ist erst einmal die Stunde gekommen, um die Wunden zu lecken", meinte der diesmal gescheiterte Weltmeister-Coach von 1994, der sich den Rest der WM zu Hause am Fernseher anschaut und dann "eine Zeit lang nicht an Fußball denken will".

Volk fordert Rücktritt der alten Haudegen

Wie von Parreira erwartet das fußballverrückte Volk am Zuckerhut auch den Rücktritt der alten Haudegen. Bislang hat sich jedoch nur Juninho klar geäußert. "Für mich ist das Kapitel Selecao abgeschlossen. Und diejenigen von uns, die schon jenseits der 30 sind, sollten den Jüngeren Platz machen", mahnte der Regisseur des französischen Meisters Olympique Lyon.

Dazu gehören auch Cafu (36) und Roberto Carlos (33), die bei der Abfahrt in Frankfurt die ganze Wut der Fans abbekamen. Gut 200 Brasilianer skandierten am Sonntagabend vor dem Sheraton-Hotel in der Innenstadt "Schande", entzogen den Oldies mit Pfiffen und obszönen Gesten die jahrelang gewährte Gunst. Erst ein Polizeispalier sperrte den Weg für den Bus frei.

Bei der Landung in Sao Paulo gab es aber wieder zaghaften Applaus

Bei der Landung in Sao Paulo gab es aber wieder zaghaften Applaus. Ein paar Frühaufsteher riefen den Ankommenden das Wort "verkauft" entgegen. Das entzauberte "magische Quartett" Ronaldo, Adriano, Ronaldinho ("Müssen jetzt vier Jahre nach vorne denken") und Kaka hatte erst gar nicht den Flug in die Heimat angetreten. Der in Italien als "Imperatore" betitelte Adriano hakte das Debakel schnell ab. "Ich möchte 2010 Weltmeister werden und den Titel in meinem Lebenslauf haben", sagte der Stürmer von Inter Mailand. Und auch der Verband kehrte die WM schnell unter den Tisch. Auf der Internet-Homepage löschte der CBF noch am Sonntag alle Seiten zur Endrunde in Deutschland.

© SID

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