Zukunftsmarkt: Schöne digitale Sportwelt

Zukunftsmarkt
Schöne digitale Sportwelt

Vereine wollen wieder „Herr ihrer Nutzerdaten“ sein, Sponsoren effektiver im Netz werben und Fans schneller mitdiskutieren: Die digitale Zukunft des Profisports ist längst da, schreitet voran und verändert ihn selbst.
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DüsseldorfUm ein Fußballspiel zu gucken, reichen künftig Brillen, digitale Brillen. Statt ins Stadion zu gehen, sitzen Vater und Sohn dann auf einer Bank im Freien und blicken in den Himmel, während sie gleichzeitig das Fußballspiel via Google Glass verfolgen. Das Bild wird ihnen auf das Brillenglas projiziert.

Das, was sie sehen, können sie mit simplen Handbewegungen ihre eigenen Wünsche umsetzen: Vor dem Spiel können sie ihre persönliche Wunschaufstellung eingeben, sie können der Mannschaft digital das Lieblingstrikot überstreifen und die Statistiken ihres Lieblingsspielers abrufen – alles ohne Fernseher, Radio oder Smartphone, alles individuell nach ihrem Geschmack.

Auch, wenn es Google Glass schon gibt: Noch ist diese Vorstellung eine Vision. Wenn es nach einer Studie des Sportrechte-Vermarkters Sportfive geht, könnte ein Fußballspiel aber schon 2025 so aussehen – und auch die Stadionbesucher selbst könnten davon profitieren.

Die Digitalisierung startet aber nicht erst in zehn Jahren, sie hat längst begonnen – und macht vor dem Sport nicht halt. Für Vereine, Sportler und Unternehmen ist die virtuelle Kommunikation eine große Chance. Sie bietet neue Einnahmen durch TV-Rechte und einen direkteren Kontakt zum Fan. Für die Sportarten selbst bedeutet das eine große Herausforderung – die Digitalisierung könnte etwa im Fußball die Regeln beeinflussen.

Schon heute verändert sich das Nutzerverhalten von Konsumenten und Fans. Wer früher einkaufen ging, nahm vielleicht einen Freund mit, der mit Rat und Tat zur Seite stand. Dieses Verhalten hat sich kaum gewandelt – nur, dass Einkaufen heutzutage viel häufiger digital passiert und wir uns deshalb auf Empfehlungen von Freunden und Bekannten auf Facebook, Twitter & Co. verlassen.

Das verändert auch das Sponsoring im Sport. Nach Meinung von Klemens Skibicki, Professor und Mitbegründer des Deutschen Instituts für Kommunikation und Recht im Internet, ist die digitale Welt längst im Alltag angekommen: „Digitalisierung passiert nicht erst in zehn Jahren, sie ist längst da.“ Auch im Sport.

Die Anfänge der sportlichen Digitalisierung lassen sich an der Kommunikation beobachten. Früher erreichten Fußballvereine ihre Fans über Zeitungen, über Newsletter per Post, über das Stadionmagazin. Heutzutage reicht ein Post bei Facebook, um Tausende Fans über den Transfer von Mario Götze zum FC Bayern, den neuen Sportdirektor Jörg Schmadtke vom 1. FC Köln, die aktuelle sportliche Lage des HSV zu informieren. Dasselbe gilt für Unternehmen – und sie können den Sport dabei für sich nutzen.

Die Zahlen, die Skibicki jüngst auf dem Sportkongress SpoBis in Düsseldorf vorgestellt hat, zeigen, dass Werbung – auch in sozialen Netzwerken – nahezu ineffektiv ist: Die meisten, rund 90 Prozent, vertrauen auf Empfehlungen ihrer Freunde, Werbung in sozialen Netzwerken (46 Prozent) hingegen ist noch irrelevanter als ein Spot im Fernsehen (50 Prozent).

Doch das bedeutet nicht, dass Unternehmen in sozialen Netzwerken nicht wahrgenommen werden oder wahrgenommen werden können. Im Gegenteil: Mit Hilfe des Sports können Konzerne ihre Zielgruppe noch direkter erreichen – zum Beispiel durch einzelne Sportler. „Das Thema Sport ist sensationell, um sich zu positionieren“, sagt Skibicki.

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