Zum Abschied Philipp Lahms
Abgang mit Größe

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Kein Risiko, dafür volle Konzentration

Lahm, das war nie einer für die epischen Momente. Oder, selten. Bei der EM 2008 schoss er die Nationalmannschaft mit der letzten Aktion des Spiels ins Finale. Bei der WM 2006 in Deutschland erzielte er das erste Tor des Turniers. Aber sonst? Er ist ein Eroberer, ein Schatten, ein Strippenzieher, ein Lenker. Einer, von dem sich Toni Kroos vieles abgeschaut haben dürfte. Lahm spielte eigentlich immer, war selten verletzt, nie gesperrt. Doch wenn er nicht spielte, wusste man sofort, was fehlt. Er war der, der eine Mannschaft sofort auf ein höheres Niveau brachte. Seine Fehler, seien es Fehlpässe, Fehlschüsse, unnötige Fouls, sie lassen sich an einer Hand abzählen. Und auch das ist kaum übertrieben.

Dass es ausgerechnet sein Fehlpass war, der im DFB-Pokalhalbfinale den Sieg Dortmunds einleitete, wird ihn selbst am meisten ärgern. Doch gleichzeitig in Lahm niemand, der verpassten Chancen nachweint. Der damalige Kapitän der Nationalmannschaft war damals der erste Spieler, der nach dem WM-Titel seinen Rücktritt erklärte. Da war er erst 30, hatte aber bereits 113 Länderspiele in den Knochen. Ein paar Jahre Vereinsfußball auf hohem Niveau, das wollte er damals. Das hat er bekommen. Kein Risiko, dafür volle Konzentration. Es ist das, was ihn von Megastars wie Ronaldo, aber auch Schweinsteiger oder Kahn unterscheidet. Und was ihn auf dem Platz so unersetzlich machte.

Lahm wollte nicht auf dem Zenit aufhören. Aber er wollte aufhören, solange er sich aussuchen kann, wo, auf welcher Position und mit welchem Erfolg er spielt. Nicht noch zwei Saisons irgendwo Geld einsacken und als Zirkusattraktion auftreten. Der Mann, dessen Entschlossenheit ein Leben lang hinter einem bübischen Lachen und dem Aussehen eines 23-Jährigen mit fliehendem Haaransatz verborgen lag und häufig unterschätzt wurde, trifft alle Entscheidungen selbst. Wie damals, als er von Michael Ballack die Kapitänsbinde übernahm. Ballack lies mehrfach durchblicken, dass Lahm als verlängerter Arm des Trainers mit dafür verantwortlich war, dass die Stelle überhaupt vakant wurde. Auch das ist Lahm: sich unterschätzen lassen, um einen Wettbewerbsvorteil zu haben.

Bei den Bayern wird wohl Joshua Kimmich in seine Fußstapfen treten. Nicht als Kapitän, aber mit der Ambition, weltbester Außenverteidiger zu werden. Lahm wechselt in anderes Fach. Manager bei den Bayern wäre er gern geworden, mit der Selbstverständlichkeit, der weltbeste zu sein. Dass ausgerechnet Uli Hoeneß das verhindert hat, ist tragisch, denn so verlieren die Münchener, zumindest vorerst, ihr letztes absolutes Urgestein. Andererseits ist es verständlich, denn Hoeneß beklagt die mangelnde Erfahrung seines einstigen Zöglings – und Lahm selbst dürfte dieser Argumentation zugänglich sein. Aber wie er so ist, ganz Profi, sparte sich Lahm markige Worte und wird nun erst einmal Privatier. Eine spätere Rückkehr schloss er explizit nicht aus.

Auf dem Rasen wird er fehlen. Daneben dürfte vom Zauberlehrling noch einiges zu erwarten sein. Eines wird ihm sicherlich nie abhanden komme: der Respekt.

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