Zweifel an Nationalmannschaft werden größer
„Wehret den Anfängen!“

Ein böser Geist mäandert durch die Köpfe der Sachverständigen in Fußball-Deutschland: Das frühe WM-Aus, die Blamage im eigenen Land. Ein Geist, den die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit ihren schwachen Auftritten in den Niederlanden (2:2) und der Slowakei (0:2) heraufbeschworen hat, und der mit der 1:2 Niederlage am Samstagabend in der Türkei vollends erschienen ist. Die bisher zaghafte Kritik an Bundestrainer Jürgen Klinsmann und seinen Spielern wird lauter – samtig verpackt in gute Ratschläge.

ISTANBUL. „Ein leises Murren geht durch Deutschland“ , sagte WM-Organisator Franz Beckenbauer nach dem Spiel. „Klinsmann muss sich helfen lassen. Wehret den Anfängen!“ Er forderte Klinsmann zur engeren Zusammenarbeit mit den Bundesliga-Trainern auf. Wie die ihm helfen sollen, ließ der „Kaiser“ jedoch offen. Dieter Hoeneß, Manager von Hertha BSC, sagte: „Es gibt viele Dinge zu klären. Wir müssen alle an einem Strang ziehen – Bundesliga und Nationalmannschaft.“ Klinsmann selbst gab sich nach dem Spiel in der Öffentlichkeit ungewohnt kritisch: „Das war in keiner Weise das, was wir uns erwartet hatten“, sagte er zur ersten Halbzeit. Seine Mannschaft habe den Türken viel zu viel Raum gelassen, sei nicht aggressiv genug zu Werke gegangen, und insbesondere Yildiray Bastürk hätte in den ersten 30 Minuten machen können, was er wollte. „Die Spieler müssen sich noch mehr über ihre Fehler klar werden“, forderte der Bundestrainer. Ihm sei in der Halbzeit der Kragen geplatzt, in der Kabine sei er sehr laut geworden.

In der Tat passte bei der Deutschen Mannschaft vor allem in der ersten Halbzeit nichts zusammen. „Das war nichts, da brauchen wir uns nichts vor zu machen“, sagte Torwart Oliver Kahn, der bei beiden Gegentreffern keine Abwehrchance hatte. „Wir brauchen nicht drum herum zu reden, das war ganz schlecht, wir waren zu ängstlich“, sagte Sebastian Deisler. „Ich weiß auch nicht, was los war, wir können es viel besser“, sinnierte Innenverteidiger Per Mertesacker.

Ob sie es besser können, daran zweifelt Christoph Daum. Der deutsche Trainer des türkischen Erstligisten Fenerbahce Istanbul sagte nach dem Spiel: „Mit Begeisterung alleine kann man auf Dauer keine Erfolge erzielen.“ Jürgen Klinsmann würde vieles richtig machen, aber „wenn man die Euphorie abzieht, reiche die Substanz der Mannschaft nicht aus.“ Der Bundestrainer hätte einfach nicht die Spieler zur Verfügung, die er brauche.

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