Zweite Bundesliga
Kaiserslautern trotzt Köln einen Punkt ab

In der ersten Halbzeit war es ein sehenswertes und erstligataugliches Spitzenspiel, was die beiden 1. FCKs boten. Doch beide Teams nutzten ihre Chancen nicht und zeigten im zweiten Durchgang Mängel.
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Der 1. FC Kaiserslautern hat seine Schwächephase überwunden. Der Auftritt der Pfälzer in Köln unter dem neuen Trainer Kosta Runjaic konnte sich vor allem in der ersten Halbzeit sehen lassen. Das 0:0 bei den zuletzt so starken Kölnern ist ein Achtungserfolg, auch wenn die Gastgeber zumindest im zweiten Durchgang vieles schuldig blieben.

Kaiserslauterns Runjaic nahm im Vergleich zur 1:0-Niederlage in Sandhausen drei Veränderungen vor: Dick kehrt nach Rot-Sperre in die Viererkette zurück und verdrängte Fortounis auf die Bank, Matmour spielte rechts vorne. Außerdem erhielt Simunek in der Innenverteidigung den Vorzug vor Heintz, während Torrejon als zweiter Sechser anstelle von Ring agierte.

Bei Köln gab es nur Änderung: Für Jonas Hector, der beim 4:0 in Cottbus krank war, musste Kevin Wimmer auf der linken Abwehrseite Platz machen. Und natürlich stand nach seinem eindrucksvollem Auftritt in Cottbus auch Stürmer Patrick Helmes wieder in der Startelf. Er wurde bei seiner Rückkehr ins Kölner Stadion frenetisch von den Fans begrüßt und ist einer der größten Hoffnungsträger für den Aufstieg. Erstligareif war die Stimmung allemal. Gut 50.000 waren Fans im Stadion - ausverkauft. Auch die Gäste aus Kaiserslautern waren zahlreich vertreten und sorgten für gute Stimmung.

Und die hätten nach zwei Minuten einahe Grund zum jubeln gehabt. Willi Orban stürmte in die Hereingabe von Marcel Gaus, doch der drosch in höchstem Tempo über das Tor. Kurz darauf verstolperte Simon Zoller in aussichtsreicher Position. Was hatte Idrissou wohl aus dieser Chance gemacht? Doch der Stoßstürmer der Gäste fehlte immer noch rotgesperrt.

Die Gastgeber nahmen das als Warnschuss ernst: Haarscharf stand Patrick Helmes in der fünften Minute im Abseits. Das wäre sehr wahrscheinlich das 1:0 gewesen. Nur Sekunden später musste Lauterns Keeper Tobias Sippel sein ganzes Können gegen Anthony Ujah aufbieten. Eine aufregende Party von Anfang an, weil beide Teams den Weg nach vorn suchten. Die Gäste - angefeuert vom ständig auf und ab tiegernden Coach Runjaic - hatten mehr Ballbesitz und agierten zumeist mit Kurzpässen. Die Kölner suchten den schnellen, vertikalen Weg nach vorn zu ihren beiden Stürmern. So wie in der 15. Minute, als eine tolle Flanke von Helmes Ujah fand - doch sein Flugkopfball landete knapp neben dem linken Pfosten.

Doch auch die Pfälzer hatten ihre gefährlichen Szenen, wenn auch manchmal eher aus dem Zufall heraus. So verzog Zoller nach energischem Einsatz von Gaus auf der linken Seite nur knapp (22. Minute). Wesentlicher Akteur bei den Gästen war Oliver Ocean, der die Bälle an sich zog und gut verteilte.

Zum Leidwesen der Kölner Fans musste Bruno Nascimento nach 23 Minuten den Platz verletzungsbedingt verlassen. Für ihn rückte Kevin Wimmer in die Viererkette. Doch das unterbrach den Spielfluss nicht. Das Zuschauen machte weiter Freude: Auf Kölner Seite verzog Helmes einen Freistoß nur knapp, eine Minute später zwang Rechtsverteidiger Dick Kölns Keeper Timo Horn zu einer Glanzparade. Direkt danach setzt Orban einen Kopfball an die Latte. Wieder im Gegenzug fehlen Marcel Risse bei einem Fernschuss nur Zentimeter zum 1:0 für Köln. Nach einer halben Stunde hätte es gut und gern 2:2 oder 3:3 stehen können. Die letzte Großchance hatte Helmes nach einem feinen Zuspiel von Hector. Doch der Linksschuss des agilen Stürmers trudelt knapp vorbei. So blieb es zur Halbzeit bei einem 0:0 der allerbesten Sorte und der Ahnung, dass dieses Spiel keinen Verlierer verdient hätte, wenn so weitergeht.

Der Start in die zweite Halbzeit verlief deutlich gemächlicher. Die Gäste zogen sich spürbar zurück. Das Pressing schon jenseits der Mittellinie gaben sie zunächst auf. Köln musste nun gegen eine tief stehe Abwehr anrennen und tat sich auf dem engen Raum durchaus schwer. Eine Viertelstunde passierte praktisch gar nichts. Selten hat eine Halbzeitpause dem Fluss eines Spiel so geschadet. Die beiden Kölner Stürmer hingen in der Luft und vor allem Ujah ist eben eher ein Vollstrecker als ein feiner Fußballer. In dieser Phase war auch zu erkennen, dass das Vierer-Mittelfeld der Gastgeber gegen starke Gegner nicht immer den höchsten Ansprüchen gerecht werden kann. Von Kombinationsspiel war zumindest in dieser Phase weit und breit nichts zu sehen. Die Gäste ihrerseits erkannten, dass hier mehr möglich war und bemühten sich um einen recht langsamen aber kontrollierten Spielaufbau. Doch unnötige Fehlpässe machten dies immer wieder zunichte.

So brachte Kölns Trainer Stöger in der 65. Minute den nächsten Hoffnungsträger der Fans: Slawomir Peszko kam für Yannick Gerhardt, der im zentralen defensiven Mittelfeld ein ordentliches Spiel absolvierte, ohne nennenswerte Akzente setzen zu können. Peszko zeigte gleich in seiner ersten Szene, was er drauf hat: Nach einem fulminanten Antritt konnte ihn Dick erst per rüdem Foul kurz vor dem Strafraum stoppen. Der folgende Freistoß hatte die bis dahin beste Chance des zweiten Durchgangs zur Folge, als Helmes Ball bei Peszko landet, doch der nicht schnell genug reagieren kann.

Plötzlich kam Hektik in die Partie, an der beide Teams Anteil hatten. Schiedsrichter Felix Brych hatte die Lage trotz ohrenbetäubender Pfeifkonzerte aber stets im Griff. In der Schlussviertelstunde schienen sich die Gäste mehr und mehr mit dem Unentschieden zu begnügen. Lieber Ballkontrolle als riskantes Spiel nach vorn hieß die klare Devise. Und da auch den Kölnern nicht mehr viel einfiel, blieb es beim letztendlich gerechten 0:0-Unentschieden.

Für die Gastgeber bedeutet dies einen kleinen Dämpfer auf dem Weg Richtung Erste Liga, auch wenn die Domstädter wegen der Niederlage von Union Berlin gegen Greuther Fürth auf Platz zwei vorrückten. Kaiserslautern hat dagegen bewiesen, dass sie zurecht zu den Aufstiegsaspiranten gehören.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c

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