Zweite Fußball-Bundesliga
Köln will Trainer Daum „mit aller Gewalt“

Der Patient 1. FC Köln suchte Hilfe im Krankenhaus: Am Bett des Trainerkandidaten Christoph Daum monologisierte Manager Michael Meier über die Vorzüge des angeschlagenen Zweitligisten. Weil dem vermeintlichen Heilsbringer nach einer Halsoperation das Sprechen schwer fiel, wurde der Manager dabei nur selten unterbrochen.

HB KÖLN. Im Auftrag der Vereinsspitze versuchte sich Meier an der großen Lösung. Voller Hoffnung, dass sich Daum nach der Trennung der Kölner von Trainer Hanspeter Latour auf die heikle Misson einlässt. „Wir wollen Christoph Daum mit aller Gewalt“, bekannte FC-Präsident Wolfgang Overath.

Anders als in den vergangenen Jahren, als man den Forderungen der Fans nach Daum nur halbherzig nachkam, rollt die Clubführung diesmal den roten Teppich aus. Immerhin vier Trainer (Koller, Stevens, Rapolder und Latour) hat Overath in seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit verschlissen. Geblieben ist ein Verein, der vergeblich nach Höherem strebt.

Nicht zuletzt deshalb soll nun ein Fußball-Lehrer her, der in Köln Kultstatus genießt. Dafür würde der FC sogar tief in die Vereinskasse greifen. Dem Vernehmen überbrachte Meier ein Angebot über vier Jahre. Bedenken über zu hohe Kosten hält Overath für sekundär: „Darüber soll sich niemand den Kopf zerbrechen. Wir wollen Daum, und wir können ihn finanzieren.“

Immerhin bat der Umworbene um Bedenkzeit - und dürfte sich bei einem Blick in Kölner Zeitungen am nächsten Morgen fast wie ein Messias vorgekommen sein. „Ganz Köln fordert Daum auf: Rette den FC“, titelte der „Express“, flankiert von den aufmunternden Worten zahlreicher Prominenter, die dessen Rückkehr zum Traditionsclub befürworten.

Gleichwohl bezweifeln viele Insider, dass sich Daum von der ihm schmeichelnden Medienkampagne beeinflussen lässt. So wie Udo Lattek. „Früher war ein Angebot aus Köln wie ein Lottogewinn, das ist heute nicht mehr der Fall. Daum hat einen Namen zu verlieren, von daher wird er sich das genau überlegen“, kommentierte der einstige FC-Coach im „Deutschen Sportfernsehen“ (DSF).

Eine Entscheidung soll laut „Express“ am Samstag fallen - ausgerechnet zum Start in die Karnevalsaison am 11.11.. Immerhin kann der Fast-Bundestrainer sechs Jahre nach seiner Kokain-Affäre mit der zwischenzeitlichen Flucht nach Amerika auf attraktivere Angebote aus der Bundesliga hoffen. Wo immer in den vergangenen Wochen einer seiner Kollegen in Frage stand, wurde über ein Daum-Comeback auf nationaler Bühne spekuliert.

Doch nirgends genießt er einen besseren Ruf als in dem Verein, bei dem er Ende der 80er Jahre auf der Bundesliga-Trainerbank debütierte. Seither sehnen sich die FC-Fans in jene „superjeile Zick“ zurück, in der Köln größter Widersacher des Branchenführers FC Bayern München war. Doch was passiert, wenn Daum absagt? Schon kursieren rund um das Geißbockheim Gerüchte über ein Engagement von Peter Neururer. Der Rummel um Daum dürfte die Suche nach einem anderen Latour-Nachfolger allerdings erheblich erschweren. Wer arbeitet schon gern mit dem Makel, nur eine Notlösung zu sein?

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