Zweiter Prozesstag
Ante S. packt im Wettskandalprozess aus

Im Prozess um manipulierte Fußballspiele hat der Hauptangeklagte am Donnerstag einen ehemaligen Profi-Spieler als Komplizen geschildert.

HB BERLIN. Der Kroate Ante S. sagte vor dem Berliner Landgericht, er habe dem mitangeklagten ehemaligen Chemnitzer Profi-Spieler Steffen Karl in einem Fall über einen Mittelsmann 10 000 Euro gezahlt, damit dieser bei der Regionalliga-Partie Chemnitzer FC gegen Dynamo Dresden im April 2004 „mit angezogener Handbremse“ spiele. Erste Aussagen des 29-jährigen Ante S. zum mitangeklagten ehemaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer werden für den Nachmittag erwartet.

Ante S. setzte damit seine beim ersten Prozesstag am Dienstag begonnene Aussage fort. Demzufolge zahlte er bereits in der Saison 2002/2003 eine „Motivationsprämie“ von 15 000 Euro an Dynamo Dresden, nachdem er zuvor hohe Wetten auf den Verein abgeschlossen hatte. Später habe er die dadurch bestehenden Kontakte für weitere Spielmanipulationen genutzt.

Der mögliche Wettgewinn für Ante S. in Höhe von 636 510 Euro blieb aber aus, weil er das Spiel in einer Wette mit der Partie der türkischen Süper Lig Ankaragücü gegen Galatasaray Istanbul (1:0) kombinierte. In dieser Partie sollten zwei Spieler mit 15 000 Euro bestochen werden, damit Ankara verliert. Dazu kam es aber nicht, weil der Spieler Erhan Albayrak nicht aufgestellt wurde. „Ich war sehr frustriert, dass es nicht geklappt hat. In solchen Fällen, wenn es besonders wehtat, habe ich den Wettschein aufgehoben“, schilderte Ante Sapina.

Neben Ante S., dem 26-jährigen Hoyzer, dem Ex-Spieler Karl müssen sich der ehemalige Schiedsrichter Dominik Marks und zwei Brüder von Ante S. wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs verantworten. Alle Angeklagten haben über ihre Anwälte bereits mitteilen lassen, sich zu den Vorwürfen äußern zu wollen.

In der knapp 300 Seiten umfassenden Anklageschrift hat die Staatsanwaltschaft 23 Spiele aufgelistet, deren Verlauf nach ihrer Überzeugung manipuliert wurde oder bei denen es zumindest Betrugsversuche gab. Ante S., der sich als einziger der Angeklagten noch in Untersuchungshaft befindet, soll auf verschobene Spiele hohe Wettsummen kassiert haben. Wettanbietern sei dabei ein Schaden von rund zwei Millionen Euro entstanden. Den Angeklagten drohen Haftstrafen bis zu zehn Jahren.

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