Abschied von Bernie Ecclestone: „Bin einfach weg“

Abschied von Bernie Ecclestone
„Bin einfach weg“

Bernie Ecclestone verlässt die Formel 1, eine 40 Jahre dauernde Ära geht zu Ende. Der 86-jährige Patriarch war als Chef der Rennserie sowohl Lösung als auch Ursache so mancher Probleme. Es geht eine schillernde Figur.
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LondonBernie Ecclestone „würde lieber in einer Benzinlache sterben, als den Chefsessel der Formel 1 zu räumen“, sagte ein Wegbegleiter einmal über den heute 86-jährigen Briten. Doch nach 40 Jahren ist die Zeit des weißhaarigen Milliardärs als Chef zu Ende: Der neue Besitzer der Formel 1, der amerikanische Medienkonzern Liberty Media, hat einen neuen Chef ernannt. Chase Carey ist nun „Chief Executive Officer“ der F1 – Ecclestone wurde auf das Ehrenamt als „Chairman Emeritus of F1“ verwiesen.

In der offiziellen Erklärung wird Ecclestone mit höflichen Worten zitiert – doch Journalisten der „Auto, Motor und Sport“ gegenüber wurde der knorrige Brite wie gewohnt deutlich: „Ich wurde abgesetzt“, zitiert ihn das Magazin, „bin einfach weg“. Was seine neuen Aufgaben als „Chairman Emeritus of F1“ sind, weiß selbst Ecclestone nicht: „Meine neue Position ist jetzt so ein amerikanischer Ausdruck. Eine Art Ehren-Präsident. Ich führe diesen Titel ohne zu wissen, was er bedeutet.“

Der Brite ist für seinen offenen Worte bekannt, seine Sprüche legendär. „Wir sind nicht so etwas wie die Mafia, wir sind die Mafia“, sagte er einmal. Wer den gerade einmal 1,58-Meter kleinen Mann unterschätzt, macht einen großen Fehler. „Er ist ein Schlitzohr“, sagen Wegbegleiter mit typisch britischer Zurückhaltung über Ecclestone. Mit seiner Bewunderung für den russischen Präsidenten Wladimir Putin hielt dieser ebenso wenig hinter dem Berg wie mit anerkennenden Worte für Adolf Hitler. „Wenn man 30 Jahre alt ist, muss man vorsichtig sein, was man tut und was man sagt, weil man noch viel Zeit vor sich hat“, sagte er einmal. „Wenn man älter ist, kann man die Dinge etwas leichter nehmen“. Doch weder sein hohes Alter noch sein Milliardenvermögen haben Ecclestone davon abgehalten, bis zuletzt die Fäden in der Formel 1 zu ziehen.

Schon früh hatte Ecclestone, geboren in einer kleinen Küstenstadt im Osten Englands als Sohn eines Fischers, begonnen, selbst Geld zu verdienen. Mit elf Jahren verkaufte er an seine Schulkameraden Kekse und Brötchen. Mit 16 Jahren verließ er ohne Abschluss die Schule und baute ein Geschäft mit Gebrauchtwagen auf. Seine Leidenschaft für Autos führte ihn schließlich zur Formel 1. In seinen frühen Jahren fuhr Ecclestone selbst Autorennen, doch mit mäßigem Erfolg. Zudem seien seine Augen zu schlecht gewesen, sagte er selbst. Nach mehreren Unfällen gibt er das Fahren auf. Dafür kauft er Ende der 70er-Jahre die kommerziellen Rechte an dem Rennzirkus – und macht die Formel 1 in den folgenden vier Jahrzehnten durch die Vermarktung der Rechte zu einem Milliardenbusiness.

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