Motorsport
Alonso auf dem Weg zum jüngsten WM-Sieger

Mit 24 Jahren könnte Renault-Pilot Fernando Alonso am Ende der Saison der jüngste Formel-1-Weltmeister aller Zeiten werden. Bisher hat sich der Spanier einen beruhigenden Vorsprung in der WM-Wertung herausgefahren.

Auf der Rennstrecke scheint Fernando Alonso nichts und niemanden zu fürchten, doch wenn am Freitag das Handy klingelt und Spaniens König Juan Carlos seine mittlerweile fast schon obligatorischen Glückwünsche übermittelt, wird "Fernando I" wieder nervös sein und wie üblich ganz ehrfürchtig lauschen. Obwohl Alonso mit sechs Saisonsiegen auf dem besten Weg zum jüngsten Formel-1-Weltmeister aller Zeiten ist, hat sich der sympathische Renault-Pilot keineswegs an den Rummel um seine Person gewöhnt. "Ich finde es immer noch sehr merkwürdig, berühmt zu sein", gesteht Alonso und wirkt dabei absolut glaubwürdig: "Natürlich, denn ich bin ein ganz normaler Typ."

Normalität bedeutet für den "neuen Michael Schumacher", wie Renault-Teamchef Flavio Briatore seinen Schützling Alonso gerne bezeichnet, sogar, mit dem Papst verglichen zu werden. "Deutschland hat Benedikt XVI, Spanien hat Alonso", meinte unlängst Radio Marca über den neuen Volkshelden, der am Freitag seinen 24. Geburtstag feiert.

Alonso auch in Budapest der Topfavorit

Gut möglich, dass Alonso deshalb binnen drei Tagen gleich zweimal mit Juan Carlos telefonieren darf, denn auch beim Großen Preis von Ungarn am Sonntag in Budapest (14.00 Uhr/live bei RTL und Premiere) gilt der in der WM-Fahrerwertung mit 36 Punkten vor Mclaren-Mercedes-Fahrer Kimi Räikkönen (Finnland) führende Alonso als Topfavorit.

Und nicht nur das. Inzwischen hat sich Alonso, der vor zwei Jahren in Budapest als jüngster Pilot überhaupt seinen ersten Grand Prix gewann, selbst im Ferrari-Land Italien größten Respekt erfahren. "Alonso ist der neue König der Formel 1", urteilte die "La Gazzetta dello Sport" und sieht den Spanier längst nicht mehr nur als "Kronprinz" von Weltmeister Schumacher. Erst recht nicht nach den beiden Erfolgen in Hockenheim am vergangenen Wochenende und auf dem Nürburgring Ende Mai.

Schumacher beeindruckt

Auch "Schumi" selbst glaubt, dass sich der 1,71 m große Mann aus Oviedo (Alonso: "Ich wäre gerne etwas größer") im WM-Rennen angesichts der Mclaren-Mercedes-Pannenserie mit drei technischen Defekten in Folge eigentlich nur noch selbst schlagen kann. "Von seiner Position aus kann Fernando den Titel eigentlich nur noch verlieren", meinte Schumacher, der nach zwölf von 19 Rennen als Dritter der Fahrerwertung bereits 40 Punkte hinter Alonso liegt.

Kein Wunder also, dass die Vergleiche zwischen dem wohl bald entthronten Schumacher und seinem vermeintlichen Nachfolger derzeit auf vollen Touren laufen. Briatore, der mit dem Kerpener im Benetton-Team zwei Titel holte, sieht Youngster Alonso vor allem wegen seines Alters im Vorteil. "Als Schumacher mit uns 1994 zum ersten Mal Weltmeister wurde, zeigte er ähnliches Talent. Da war er 25 Jahre alt, Fernando wird am Freitag aber erst 24", betonte Briatore, der Alonso allerdings noch das letzte Quäntchen professionelle Härte abspricht: "Schumacher wollte seinen Teamkollegen immer regelrecht vernichten."

Weltmeisterliche Zahlen für Alonso

Vielleicht auch deshalb trieb Briatore seine Piloten vor der Saison in seinem kenianischen Luxushotel beim Moutainbiken durch den tiefen Sand. Aggressiv und angriffslustig wie ein Löwe präsentiert sich Alonso ("Als Zweijähriger habe ich gleichzeitig Sprechen und Kartfahren gelernt") dann auch seit Saisonbeginn: Sechs Siege, vier Pole Positions, in nur drei von zwölf Rennen nicht mindestens in den Top 3, dabei nur ein Ausfall - allein die Zahlen wirken weltmeisterlich.

Die Überlegenheit des stets höflichen und eher zurückhaltenden Teenieschwarms, der die Renault-Mitarbeiter im Fahrerlager gerne mit verblüffenden Zaubertricks unterhält, dokumentiert ein simples Rechenexempel: Selbst wenn Räikkönen die restlichen sieben Rennen gewinnen sollte, würde Alonso jeweils ein vierter Platz reichen, um am Ende immer noch einen Punkt mehr auf dem Konto zu haben als der "Iceman".

Ex-Weltmeister Emerson Fittipaldi jedenfalls ist schon sicher, spätestens beim Finale am 16. Oktober in Schanghai um einen Rekord ärmer zu sein. "Alonso wird als jüngster Weltmeister Geschichte schreiben und eine neue Ära beginnen", behauptet der Brasilianer, der 1972 mit 25 Jahren und acht Monaten die WM gewann. Alonso will mit 24 Jahren und drei Monaten ganz oben stehen - und wie immer ehrfürchtig die Handy-Grüße seines Königs empfangen.

© SID

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