Alonso nur Achter
Indianapolis: Schumacher feiert dritten Saisonsieg

Mit einer geheimnisvollen Reifenmischung hat Michael Schumacher zurück in die Erfolgsspur gefunden und damit den letzten Strohhalm im Formel-1-Titelrennen ergriffen. Ein Jahr nach dem "Rennen der Schande" in Indianapolis feierte der siebenmalige Weltmeister schon seinen insgesamt fünften Sieg beim Großen Preis der USA - diesmal gegen seine versammelte Kollegenschar, darunter auch Titelverteidiger Fernando Alonso (Spanien). Der Renault-Pilot rettete bei seinem schlechtesten Saisonergebnis als Fünfter vier Punkte ins Ziel und führt die Gesamtwertung nach dem zehnten von 18 WM-Läufen jetzt nur noch mit einem Vorsprung von 19 Zählern vor Schumacher an.

"Wir sind wieder zurück im Titelkampf, das war ein ganz großer Schritt", sagte Schumacher, und seine Augen funkelten dabei wieder angriffslustig. Das ganze Team sei gut vorbereitet gewesen, und er wusste, dass Ferrari ein gutes Auto habe, sagte der 37-Jährige: "Es sind noch 80 WM-Punkte zu holen, in der WM ist wieder alles drin. Wir werden weiter kräftig Gas geben, damit wir am Ende ganz vorn stehen." Schumacher sprach von einem perfekten Wochenende: "Pole Position, dann mein Sieg und unsere Fußballer im WM-Halbfinale - besser kann es nicht laufen."

Massa macht ersten Ferrari-Doppelsieg 2006 perfekt

Zweiter wurde der Brasilianer Felipe Massa, der damit den ersten Ferrari-Doppelerfolg in diesem Jahr perfekt machte. Platz drei belegte überraschend der Italiener Giancarlo Fisichella vor seinem Landsmann Jarno Trulli im Toyota. Nur neun Autos erreichten im Glutofen von Indy das Ziel, nachdem beim Skandalrennen 2005 nur sechs Boliden gestartet waren.

Alonso, der erstmals nach 15 Rennen nicht auf dem Podest stand, versteckte seine Augen hinter einer dunklen Sonnenbrille und gab sich betont lässig. "Mein Auto hatte Balanceprobleme, aber die WM ist nicht in Gefahr", erklärte der Spanier und rechnete vor: "Ich habe im vergangenen Jahr in Montreal und Indy keinen Punkt geholt, jetzt aber 14, das ist doch gar nicht so schlecht." Um den Titel mache er sich keine Sorgen, in Europa laufe wieder alles normal, sagte der Weltmeister, der sich auf das Renault-Heimspiel am 16. Juli in Magny-Cours freut: "Da schlagen wir zurück."

Rosberg geht leer aus

Schumacher, der zuletzt mit seinen Bridgestone-Reifen gegen die Michelin-Gummis von Alonso fast chancenlos war, reckte nach dem 87. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere glücklich die Faust in den blauen Himmel über Indianapolis. In ihrer Zauber-Küche in Japan haben die Bridgestone-Experten offenbar die Zutaten für einen Wunderreifen entdeckt, auch wenn Schumacher das vor dem Rennen hartnäckig abgestritten hat.

Ralf Schumacher hatte bereits WM-Punkte vor Augen, als er zehn Runden vor Schluss seinen Toyota an Platz fünf fahrend in der Box abstellen musste. Auch Neuling Nico Rosberg (Wiesbaden) ging auf Position neun im Williams-Cosworth leer aus.

Schrecksekunde für Heidfeld

Für Nick Heidfeld war das Rennen schon nach wenigen Sekunden vorbei. Der Mönchengladbacher überschlug sich nach einer Kollision mehrfach mit dem BMW-Sauber, blieb aber wieder durch ein Wunder ebenso wie alle anderen Fahrer unverletzt. Heidfelds Teamkollege Jacques Villeneuve (Kanada) kam nur 25 Runden weiter, dann musste der Ex-Weltmeister auf Platz sieben fahrend sein Auto mit einem Defekt abstellen.

"Das war der erste Überschlag meiner Karriere", sagte Heidfeld sichtlich gefasst. Es habe im ersten Moment schlimer ausgesehen als es in Wirklichkeit war, meinte "Quick Nick": "Alles ganz harmlos, denn der Einmschlag war ja nicht hart."

Motoya fährt Räikkönen ins Heck

Für das einstige Top-Team Mclaren-Mercedes setzte sich die Pleitenserie in Indy fort. Juan Pablo Montoya (Kolumbien) krachte bei der Massenkarambolage seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen (Finnland) ins Heck - es war das Ende aller Träume bei den Silberpfeilen.

Mit einem Grinsen im Gesicht meinte Montoya lapidar, dass Räikkönen zu hart gebremst habe, und damit sei die Sache für ihn erledigt. Der "Iceman" schaute dagegen noch grimmiger drei als ohnehin, hielt sich mit seinem Ärger zunächst aber diplomatisch zurück: "Es gibt keinen Grund, irgendjemandem die Schuld für so etwas zu geben. Solche Dinge passieren während eines Rennens und besonders wen man weit vorne liegt."

Safety-Car muss früh auf die Piste

Schumacher verlor gleich beim Start auf dem brütend heißen "Indianapolis Motor Speedway" die 67. Pole Position seiner Karriere an seinen Teamkollegen Massa. Dahinter zog Alonso von Rang fünf auf Rang drei nach vorn, Schumacher wehrte dessen Attacke aber ab. Nach der Massenkarambolage mit acht Autos, in der zum Entsetzen der 150 000 Fans auch Lokalmatador Scott Speed von der Scuderia Toro Rosso alle Hoffnungen begraben musste, wurde das Rennen nach einer Safety-Car-Phase von sechs Runden fortgesetzt. Großer Gewinner des Starts war Nico Rosberg, der vom letzten Platz 22 auf Position acht nach vorne fuhr.

Boxenstrategie bringt Schumacher nach vorne

Nach einem weiteren Crash wurde das Feld auf zwölf Boliden reduziert, was bei den Zuschauern traurige Erinnerungen an das Vorjahr wach werden ließ. Damals waren wegen des Verzichts der Michelin-Teams aus Sicherheitsgründen nur sechs Autos in einem Skandalrennen gefahren. Während das Ferrari-Duo vorn ungefährdet davonzug, überholte Fisichella in Runde 15 überraschend seinen Teamkollegen Alonso und fuhr auf Platz drei. Die rennendscheidende Szene dann in Runde 30, als Schumacher einen Umlauf nach seinem Tankstopp am in der Box stehenden Massa vorbeizog.

Ralf Schumacher, der in den Vorjahren zwei schwere Unfälle in Indianapolis überstanden hatte, konnte als Fünfter mit seinen starken Bridgestone-Reifen sogar mit Alonso mithalten. Das spannendste Duell eines nach dem Crash langweiligen Rennens lieferten sich allerdings Nico Rosberg und David Coulthard (Großbritannien) im Red Bull um Platz acht. An der Spitze setzte sich Schumacher Sekunde für Sekunde von Massa ab, verteidigte auch nach dem zweiten Stopp in Runde 54 seine Führung und fuhr souverän zum Sieg.

© SID

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