Bahrain
Formel 1 in einem gespaltenen Land

Letztes Jahr wurde das Formel-1-Rennen in Bahrain wegen Zusammenstößen zwischen Royalisten und Demonstranten abgesagt. Diesmal soll der Grand Prix stattfinden. Doch friedlich ist es in dem Golfstaat noch lange nicht.
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Manama/IstanbulEs ist ein zutiefst gespaltenes Land, in dem die Formel 1 in den nächsten Tagen trotz aller Warnungen zu Gast sein wird. Das Herrscherhaus von Bahrain betont zwar, es seien während des vierten Saisonrennens der Motorsport-Königsklasse keine Krawalle oder Anschläge zu befürchten. Doch friedlich ist das Klima in dem arabischen Golfstaat nicht.

Seit Beginn der Proteste im Februar 2011 sind durch die Konfrontation zwischen der mehrheitlich von Sunniten unterstützten Staatsmacht und der von Schiiten dominierten Opposition fast 50 Menschen ums Leben gekommen. Die meisten von ihnen starben bei Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei. Immer wieder kommt es zu blutigen Zusammenstößen. In der vergangenen Woche wurden durch die Explosion eines Sprengsatzes in einem schiitischen Dorf sieben Polizisten verletzt. Kurz darauf attackierten Sunniten einen Supermarkt, der Schiiten gehört.

Am Dienstag berichteten Augenzeugen und Aktivisten, die Polizei habe während Ausschreitungen in dem Dorf Salmabad südlich der Hauptstadt Manama am Montagabend Tränengas eingesetzt. Am Dienstagmorgen beruhigte sich die Lage wieder. Aus mehreren Dörfern wurden jedoch erneut kleinere Protestaktionen gemeldet.

Der vom bahrainischen Innenministerium angeheuerte britische Sicherheitsberater John Yates hat derweil angekündigt, man werde die Sicherheitsmaßnahmen während des Rennens „unauffällig und diskret“ halten. Für Fahrer, Rennställe und Fans bestehe kein Risiko. Die Sicherheitskräfte seien auch darauf vorbereitet, mögliche Aktionen von Demonstranten auf der Rennstrecke zu verhindern.

„Vereint: Eine Nation feiert“, lautet das Motto der bahrainischen Behörden für den Grand Prix. Er drückt jedoch eher das Wunschdenken des Königshauses aus als die Realität. Denn viele Anhänger der Protestbewegung hatten sich dafür ausgesprochen, das Rennen erneut ausfallen zu lassen. Ihnen geht es darum, nicht den Eindruck zu erwecken, als herrsche in Bahrain wieder Alltag.

Tatsächlich brodelt es unter der Oberfläche ganz gewaltig. Die International Crisis Group veröffentlichte diese Woche eine sogenannte Risikowarnung für Bahrain. Die Experten der Denkfabrik erklärten: „Unter einer Fassade der Normalisierung schlittert Bahrain auf einen neuen Ausbruch der Gewalt zu.“

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