Bestechungsvorwürfe
Ecclestone verteidigt sich vor Gericht

Hat Bernie Ecclestone bestochen? Vor dem höchsten Zivilgericht in England wies der Formel 1-Boss die Bestechungsvorwürfe weit von sich – er sei vielmehr selber das Opfer einer angedrohten Erpressung.
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LondonFormel 1-Chef Bernie Ecclestone hat sich vor einem Gericht in London gegen Bestechungsvorwürfe zur Wehr gesetzt. Die Anschuldigungen gegen ihn entbehrten jeglicher Grundlage, sagte der 83-Jährige am Mittwoch vor dem höchsten Zivilgericht. Gleichzeitig erklärte er erneut, dass er selber erpresst worden sei. Die Constantin Medien AG hatte Ecclestone vor dem High Court auf die Zahlung von 171 Millionen US-Dollar (rund 124 Millionen Euro) Entschädigung verklagt. Der Prozess soll noch mehrere Wochen dauern.

Ecclestone soll den früheren BayernLB-Manager Gerhard Gribkowsky mit Hilfe von Bestechungsgeldern dazu gebracht haben, ein Aktienpaket an der Formel 1 zu billig an den Finanzinvestor CVC Capital zu verkaufen. Die Constantin Medien AG in München ist Rechtsnachfolgerin des damaligen Formel-1-Aktionärs EM.TV. Die Münchner argumentieren, durch den zu günstigen Verkauf der Aktien sei ihnen ein erheblicher Gewinn entgangen.

Die BayernLB hatte Formel-1-Anteile gehalten, weil sie Gläubigerin eines früheren Rechteinhabers – des Medienimperiums von Leo Kirch – gewesen war. Ecclestone erwartet in dem Fall noch ein Strafprozess in München, bei dem ihm auch eine Haftstrafe drohen könnte. Der Termin steht noch nicht fest. Der geständige Gribkowsky wurde bereits 2012 zu einer Gefängnisstrafe von achteinhalb Jahren unter anderem wegen Bestechlichkeit sowie Steuerhinterziehung verurteilt und sitzt in Haft.

In London gab Ecclestone nun Zahlungen an Gribkowsky zu, beharrte aber wie bereits früher darauf, dieser habe ihn unter Druck gesetzt. „Ich habe Dr. Gribkowsky bezahlt, weil er sagte, er würde mich mit Blick auf Steuerregelungen unserer Familien-Stiftung erpressen ... was sehr teuer geworden wäre“, sagte Ecclestone. Er habe Gribkowsky 10 Millionen Pfund gezahlt. Er stritt ab, Journalisten einst eine andere Version der Dinge erzählt zu haben.

Constantin-Anwalt Philip Marshall warf Ecclestone vor, es sei ausgeschlossen, dass dieser Gribkowsky tatsächlich als eine „Bedrohung“ habe empfinden können. „Ich bin nicht sicher, ob es eine war oder nicht“, entgegnete der Formel-1-Boss. „Ich wollte kein Risiko eingehen.“

Marshall erklärte wiederum, Ecclestone habe nicht nur finanziell von dem Geschäft profitiert. Es habe ihm auch die Möglichkeit gegeben, seine Position in der Formel 1 zu halten. Constantin habe verloren, weil der ganze Verkauf „ohne den normalen und richtigen Prozess“ abgelaufen sei. Ecclestones-Anwalt Robert Miles erklärte: „Dies sind künstliche, erfundene Forderungen. Constantin hat keinerlei Verlust verbucht.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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